Kärntner Hypo

Hypo-Verkäufer Martinz: "Wer war der Eigentümer?"

15. Februar 2012, 17:28

Der Präsident der Kärntner Landesholding, Josef Martinz, spielte viele Rollen beim Verkauf an die Bayern

Wien - Die Anklage in der Causa Birnbacher rund um den Verkauf der Kärntner Hypo wird bald stehen. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ist dabei, an ihrer Argumentationskette zu feilen.

Die Auftragsvergabe an den Villacher Steuerberater erfolgte heimlich durch Jörg Haider und Ex-ÖVP-Landesrat Josef Martinz, die Kärntner Landesholding als Hypo-Aktionärin hat die sechs Millionen Euro Honorar dann aber bezahlt.

Einen Auftrag zum Verkauf der Bank oder zu Birnbachers Involvierung hatten die beiden Politiker nicht. Ihr Rollenverständnis anhand der Aussagen von Martinz' vor Kärntner U-Ausschuss bzw. Staatsanwaltschaft: "Die Beauftragung war eine private von Haider und Martinz, in politischer Verantwortung für das Land." Ob die beiden die Bank "ohne Auftrag des Eigentümers" verkauft hätten, fragte Ausschussvorsitzender Rolf Holub von den Grünen Martinz. "Wer war der Eigentümer?" fragte der offenherzig zurück, um dann so zu antworten: "Nein, wir hatten keinen Auftrag. ... Wir haben als politische Akteure in diesem Land Verantwortung übernommen, um einen Verkaufsprozess einzuleiten, der ... sehr heikel war. Deswegen ja auch die geheime Abwicklung des Ganzen. Das war es."

Die Hälfte - wovon?

Die Höhe seines Honorars (dank 50-Prozent-Patriotenrabatt wurden es sechs Mio.), kannte der Steuerberater laut seiner Beschuldigteneinvernahme lange selbst nicht. Haider hatte ihn bei der Mandatierung wie berichtet nur gefragt, "Birni, machst du es um die Hälfte?" - was er, Birnbacher, bejaht habe. Unwissend freilich, denn: "Ich wusste damals aber nicht, wovon die Hälfte zu berechnen wäre. Das wurde mir erst ... bekannt, als ich in den Unterlagen sah, dass die HSBC (Ex-Berater der Hypo und des Landes; Anm.) ... drei Prozent der Transaktionssumme erhalten hätte."

Die sechs Millionen ließen dann auch Ex-Banker Wolfgang Kulterer (betreute den Anteilsverkauf der Mitarbeiterprivatstiftung) ein wenig neidisch werden. "Ich persönlich bin mir relativ doof vorgekommen. Weil: Nach 13 Jahren Hypo-Vorstandstätigkeit mit einem nicht gerade schönen Abgang (Spekulationsverluste; Anm.) festzustellen, dass man in der Zeit bei weitem nicht das verdienen konnte, was dann an Honorar für eine zweimonatige ... Tätigkeit gezahlt wurde, das schockt einen ein bisschen, ganz offen."

Ex-ÖVP-Agrarlandesrat Martinz selbst spielte verschiedenste Rollen in der Causa, in der er nun als Beschuldigter geführt wird. (Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.) Er hat Birnbacher gemeinsam mit Haider ausgesucht, der Gegenbrief (Auftragsbestätigung), den auch er 2008 unterschrieb, war allerdings um fast ein Jahr auf April 2007 rückdatiert. Dieses Faktum erklärte Martinz, dessen Steuerberater Birnbacher seit Jahrzehnten war, so: "Die Landesholding (Martinz ist ihr Aufsichtsratschef und hat für die Bezahlung der zwölf Mio. Euro gestimmt; Anm.) kann mit einer mündlichen Vereinbarung schwer in eine Diskussion gehen, das ist logisch. Dann hat man die mündliche Vereinbarung zwischen Haider, Birnbacher und Martinz ... in eine schriftliche Form gebracht." Den Auftrag hatte allerdings Haider Birnbacher erteilt, am Telefon.

Ob das Leistungsverzeichnis, das Birnbacher letztlich vorlegte (die Fehler darin erklärte der Steuerberater vor der Justiz damit, dass "es ruck, zuck gehen musste"), korrekt ist, ist Gegenstand der Ermittlungen. Martinz fasste vor dem Landtag Birnbachers Verkaufsberatungsleistung jedenfalls so zusammen: "Er hat gesagt: Macht es, ich empfehle es!" (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

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13 Postings
Marquis de Sade
 
02
16.2.2012, 14:37

geschockt, weil der "Birni" für 2 Monate weit mehr bekommt als er für jahrelange Arbeit?

Ja, da fühlt man sich über den Tisch gezogen, nicht? Und jetzt soll sich der liebe Herr Kulterer mal vorstellen, wie es großen Teilen der Bevölkerung geht, wenn sie zuschauen müssen, wie sich einige hier bedienen.

Mit einem Unterschied: Kulterer scheint sich zu ärgern, dass er selbst nicht mehr rausgeholt hat aber die breite Masse ist eher empört, dass so etwas überhaupt möglich ist und fordert solche Dreistigkeiten gar nicht für sich!

ergo virens sum
00
16.2.2012, 11:22
Wie auch immer:

Der Kärntner Staatsanwalt hat rundum Persilscheine ausgeteilt und heute sitzt die Republik Österreich dank Pröll junior auf diesem faulen Ei. Und brütet und brütet, anstatt die Verantwortlichen endlich zu bestrafen.
Aber wenn so Prominente wie der ÖNB Gouverneur und der Industriellenpräsident im Dunstkreis dieses Skandals stehen wird sicher nichts passieren.

ergo virens sum
00
16.2.2012, 11:27
Übrigens:

Warum arbeitet die Staatsanwaltschaft Klagenfurt nicht mit der Münchner Staatsanwaltschaft zusammen? Die wissen bereits viel mehr. Aber vielleicht gibt es da eine beim eigenartigen Pröll-Rückkauf vereinbarte Stillschweigevereinbarung, wer weiß?

gratuliere
01
16.2.2012, 10:19
Gutachter - Gage

Birnbacher hat empfohlen: Verkauft die Hypo !
Kärnten hat darauf verkauft, Birnbacher hat 12 Mio Euro verdient.
Hätte Birnbacher vom Verkauf abgeraten und der Verkauf wäre geplatzt, hätte er nichts kassiert (oder vielleicht ein paar Tausend Euro).
Birnacher ist wohl der einzige Gutachter der Welt, der umsatzbeteiligt wurde. (Wie ein Schiedsrichter, der nach der Anzahl der Tore bezahlt wird).

GRohnePunkte
00
16.2.2012, 11:47
Zitat: Wie ein Schiedsrichter, der nach der Anzahl der Tore bezahlt wird

Das gabs ja in derl etzten Zeit auch immer häufiger, wird aber nur selten aufgedeckt. Genau so wie beim Birnbacher. Nur ist der Unterschied der, dass man bei den Wettspielbetrügern schnell von einer Mafia spricht (Stichwort: Wettmafia), während es den Ausdruck "Politmafia" bei uns leider noch nicht gibt.

liberte
01
16.2.2012, 09:37
wenn Politiker Geschäfte machen

dann ist das Schadensmaximierung auf Kosten anderer . Haider entpuppt sichj immer mehr als Politiker mit krimineller Bereicherung .....

Kralj Matjaz
00
16.2.2012, 09:23
bei der STA in München

sagte eine Frau Dolleschall von der Bayern LB im Jahre 2010 aus, einen Herrn Birnbacher niemals bei den Verhandlungen gesehen zu haben....???..welche Rolle wurde ihm zuteil, zumal bis heute noch nichts von einer illegalen Parteienfinanzierung nachgewiesen werden konnte..????

Saskia Fabian
 
01
16.2.2012, 09:00
ich bleibe dabei

Haiders Urne ab ins Gefängnis.

Yossarian
01
16.2.2012, 01:46

Wieso sitzt dieser Martinz eigentlich nicht in U-Haft?

Freedom to the people
00
16.2.2012, 00:23
"macht es, ich empfehle es." sind 5 Wörter = 1.200.000 pro Wort.

Das wars sicher wert.

Faka Zulu
01
15.2.2012, 23:12
Es ist auch völlig einleuchtend, warum der Gottesbeweis nicht gelingt.

Gott erteilt dem Papst auch nur per Telefon die Befehle.

Kalvarienberg
02
15.2.2012, 17:55
"Die Beauftragung war eine private von Haider und Martinz, in politischer Verantwortung für das Land."

AB IN DEN KNAST: ABER SOFORT !!!

Marlon62
00
15.2.2012, 19:53
Haider brummt schon

lebenslänglich in seiner Urne.

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