Mit einem Eklat ging die Zwischenrunde zu Ende. Ljubljanas Torhüter verließ im Penaltyschießen in Salzburg zweimal sein Goal
Salzburg/Linz/Wien - Die Zeit ist dazu angetan, dass gemauschelt wird.
Vor dem Eishockey-Playoff schauen Spieler und Funktionäre gern und oft
auf die Tabelle, die darüber entscheidet, wer im Viertelfinale welchen
Gegner kriegt. Niederlagen können gelegen kommen, wenn sie vermeintlich
unerwünschte Gegner vermeiden helfen. In den letzten Runden wird nicht
immer mit letztem Einsatz gekämpft. Was aber am Dienstag in Salzburg
geschah, läuft der vielzitierten Eishockey-Sportlichkeit völlig zuwider.
Da verließ Ljubljanas Goalie just im Penaltyschießen seinen Kasten (das
Tor), sodass Salzburg zweimal ungehindert netzen konnte/musste. Die
Slowenen vermieden so ein Viertelfinale gegen Salzburg, gegen die nun der KAC antreten muss.
Eishockey-Österreich wundert sich sehr. Vor allem über Ljubljana, das in
Salzburg führte und bei einem Sieg im ersten Viertelfinale (gegen Salzburg) Heimvorteil gehabt hätte. Um zumindest dieses eine Heimspiel
mitsamt den Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind die Slowenen
umgefallen.
Natürlich ist davon auszugehen, dass Ljubljanas Torhüter Matija Pintaric
bei den Penaltys von Robbie Earl und Brent Aubin sein Tor nicht aus Jux
und Tollerei, sondern auf Anordnung verließ. "Aber beweisen kann ich das
nicht", sagt der Kärntner Karl Korentschnig, der gemeinsam mit dem
Wiener Alexander Gruber und dem Slowenen Bogdan Jakopic den Strafsenat
der Erste Bank Liga (EBEL) bildet. Dieser Strafsenat trat nach einer
ersten Befragung der Schiedsrichter noch gestern per Telefonkonferenz
zusammen, um das strittige Match zu beurteilen. Bereits heute,
Donnerstag, sollen allfällige Sanktionen publik werden.
Eine Sperre Pintaric' allein würde Ljubljana nicht wirklich treffen, er
ist der zweite Goalie des Vereins, dem freilich auch eine Geldstrafe
drohen könnte. Ohne seinen Kollegen vorgreifen zu wollen, hat
Korentschnig schon festgehalten: "Die Aktion hat den Sport beschädigt,
das darf nicht sein. Da müssen wir schon ein Zeichen setzen." Eine
Strafverifizierung kam eher nicht infrage, sie würde Ljubljana erst
recht dorthin bringen, wo Ljubljana anscheinend hinwollte. Christian
Feichtinger, Geschäftsführer der Liga, mischt sich beim Strafsenat
klarerweise nicht ein, betont aber die Wichtigkeit der Integrität,
nämlich "der Integrität der Liga und des Spiels".
Ab Sonntag, wenn das Viertelfinale (best of 7) beginnt, heißt es also
Salzburg gegen KAC, Fehervar gegen Ljubljana, außerdem Linz gegen Vienna
Capitals sowie Zagreb gegen Znojmo. Das verspricht Spannung und macht es
wahrscheinlich, dass die Liga in keinem rein österreichischen Finale
gipfelt. So oder so ist vor allem in Wien das Aufatmen groß, und die
Capitals, die sich gerade noch mit einem 11:3 gegen Jesenice fürs Viertelfinale qualifizierten, rechnen sich auch gegen
die Linzer Black Wings etwas aus.
Eishockey-Österreich wundert sich nicht nur über Ljubljana. Sondern ein
bisserl auch über den KAC. Der hätte es in der Hand gehabt, mit einer
Niederlage in Linz alle Spekulationen zu beenden - und Salzburg
auszuweichen. Doch die Klagenfurter gewannen, so wie die Villacher
(gegen Graz) gewannen, obwohl ihnen das gar nichts nützte. "Ich sage das
nicht, weil ich Kärntner bin", sagt Korentschnig, der Kärntner ist.
"Aber alle Kärntner haben sich fair und sportlich verhalten." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 16.02.2012)