Leer der Kasten, beschädigt der Sport

15. Februar 2012, 17:34
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Mit einem Eklat ging die Zwischenrunde zu Ende. Ljubljanas Torhüter verließ im Penaltyschießen in Salzburg zweimal sein Goal

Salzburg/Linz/Wien - Die Zeit ist dazu angetan, dass gemauschelt wird. Vor dem Eishockey-Playoff schauen Spieler und Funktionäre gern und oft auf die Tabelle, die darüber entscheidet, wer im Viertelfinale welchen Gegner kriegt. Niederlagen können gelegen kommen, wenn sie vermeintlich unerwünschte Gegner vermeiden helfen. In den letzten Runden wird nicht immer mit letztem Einsatz gekämpft. Was aber am Dienstag in Salzburg geschah, läuft der vielzitierten Eishockey-Sportlichkeit völlig zuwider. Da verließ Ljubljanas Goalie just im Penaltyschießen seinen Kasten (das Tor), sodass Salzburg zweimal ungehindert netzen konnte/musste. Die Slowenen vermieden so ein Viertelfinale gegen Salzburg, gegen die nun der KAC antreten muss.

Eishockey-Österreich wundert sich sehr. Vor allem über Ljubljana, das in Salzburg führte und bei einem Sieg im ersten Viertelfinale (gegen Salzburg) Heimvorteil gehabt hätte. Um zumindest dieses eine Heimspiel mitsamt den Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind die Slowenen umgefallen.

Natürlich ist davon auszugehen, dass Ljubljanas Torhüter Matija Pintaric bei den Penaltys von Robbie Earl und Brent Aubin sein Tor nicht aus Jux und Tollerei, sondern auf Anordnung verließ. "Aber beweisen kann ich das nicht", sagt der Kärntner Karl Korentschnig, der gemeinsam mit dem Wiener Alexander Gruber und dem Slowenen Bogdan Jakopic den Strafsenat der Erste Bank Liga (EBEL) bildet. Dieser Strafsenat trat nach einer ersten Befragung der Schiedsrichter noch gestern per Telefonkonferenz zusammen, um das strittige Match zu beurteilen. Bereits heute, Donnerstag, sollen allfällige Sanktionen publik werden.

Eine Sperre Pintaric' allein würde Ljubljana nicht wirklich treffen, er ist der zweite Goalie des Vereins, dem freilich auch eine Geldstrafe drohen könnte. Ohne seinen Kollegen vorgreifen zu wollen, hat Korentschnig schon festgehalten: "Die Aktion hat den Sport beschädigt, das darf nicht sein. Da müssen wir schon ein Zeichen setzen." Eine Strafverifizierung kam eher nicht infrage, sie würde Ljubljana erst recht dorthin bringen, wo Ljubljana anscheinend hinwollte. Christian Feichtinger, Geschäftsführer der Liga, mischt sich beim Strafsenat klarerweise nicht ein, betont aber die Wichtigkeit der Integrität, nämlich "der Integrität der Liga und des Spiels".

Ab Sonntag, wenn das Viertelfinale (best of 7) beginnt, heißt es also Salzburg gegen KAC, Fehervar gegen Ljubljana, außerdem Linz gegen Vienna Capitals sowie Zagreb gegen Znojmo. Das verspricht Spannung und macht es wahrscheinlich, dass die Liga in keinem rein österreichischen Finale gipfelt. So oder so ist vor allem in Wien das Aufatmen groß, und die Capitals, die sich gerade noch mit einem 11:3 gegen Jesenice fürs Viertelfinale qualifizierten, rechnen sich auch gegen die Linzer Black Wings etwas aus.

Eishockey-Österreich wundert sich nicht nur über Ljubljana. Sondern ein bisserl auch über den KAC. Der hätte es in der Hand gehabt, mit einer Niederlage in Linz alle Spekulationen zu beenden - und Salzburg auszuweichen. Doch die Klagenfurter gewannen, so wie die Villacher (gegen Graz) gewannen, obwohl ihnen das gar nichts nützte. "Ich sage das nicht, weil ich Kärntner bin", sagt Korentschnig, der Kärntner ist. "Aber alle Kärntner haben sich fair und sportlich verhalten." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 16.02.2012)

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    Ljubljanas Goalie verließ just im Penaltyschießen seinen Kasten.

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