Wenn das rosa Blatt ins grüne Haus zieht

15. Februar 2012, 19:31
57 Postings

Ende 2012 wird der STANDARD übersiedeln. Statt in alten Gemäuern werden die Mitarbeiter dann in einem zertifizierten Green Building zu Hause sein

Doch wie grün ist Grün? Ein erster Spaziergang durch die Baustelle.

Wien – Aus der Baulücke klafft abgeschlagener, nackter Beton. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Abbruch, ist in Wahrheit ein Komplettumbau. Das Bürohaus in der Vorderen Zollamtsstraße 13, das seit dem Auszug der Bank Austria 2008 leersteht, wird zurzeit generalsaniert. Bei Fertigstellung Ende des Jahres wird das halbe Haus an den STANDARD übergeben. Von den insgesamt 14.000 Quadratmetern oberirdischer Nutzfläche wird die STANDARD-Medienwelt rund 6000 Quadratmeter mieten. Der Vertrag mit dem zweiten Großmieter, der die restliche Fläche nutzen wird, steht kurz vor der Unterzeichnung.

Doppelt zertifiziert

"Das Bürohaus am Wienfluss war in die Jahre gekommen und wurde den heutigen Anforderungen im Officebereich einfach nicht mehr gerecht", sagt Markus Bauer, Projektleiter im Büro Neumann & Partner, das für den Umbau verantwortlich ist. "Die letzte Sanierung liegt schon lange zurück, und seitdem hat sich der Markt stark gewandelt." Einerseits wünschten sich die Mieter flexible Grundrisse, anderseits seien auch die Anforderungen an Ökologie und Energieeffizienz gestiegen.

"Unsere Erfahrung ist, dass Projektentwickler und Investoren auf ökologisches und ressourcenschonendes Bauen gar nicht mehr verzichten können", sagt Bauer. "Immer mehr Mieterinnen und Mieter legen Wert darauf und wünschen sich ein Mietobjekt mit einer entsprechenden Zertifizierung." Das Haus an der Wien hat gleich zwei davon: 2010 wurde es mit dem EU-Zertifikat "Green Building" ausgezeichnet, und vergangenes Jahr folgte eine Vorzertifizierung in "Leed Gold". Bei voller Vermietung soll die provisorische Medaille gegen ein Vollzertifikat ausgetauscht werden.

Die zwei größten Probleme beim Ursprungsbau, der 1962 bis 1965 nach Plänen von Arthur Perotti und Anton Potyka für die Z Zentralsparkasse der Gemeinde Wien errichtet und in den Neunzigerjahren durch Peter Podensek und Günther Domenig schon einmal saniert wurde, waren die Akustik und die Überhitzung.

Fernwärme und Kühltürme

Geplant ist nun eine zweischalige Elementfassade mit zwischenliegendem Sonnenschutz. Insgesamt sind die Elemente aus Aluminium und Glas 65 Zentimeter dick und erreichen einen Schallschutzwert von 48 beziehungsweise 38 Dezibel. Im Brandfall klappen sogenannte Brandrauchklappen, die im Normalfall mittels eines Haltemagneten an der Fassade arretiert sind, nach unten und verhindern im betroffenen Bauteil so einen Brandüberschlag nach oben.

Im neuen STANDARD-Haus wird mit Fernwärme geheizt. Der Anschluss war bereits vorhanden. Da eine Kühlung mittels Tiefenbohrung aufgrund des angrenzenden Wienflusses nicht möglich ist, muss herkömmlich mit Luft gekühlt werden. Die dafür nötigen Kühltürme befinden sich in einer abgesenkten Wanne im siebenten Obergeschoß. "Eigentlich wäre das ja die beste und teuerste Bürolage", meint Architekt Florian Rode, Büroleiter bei Neumann & Partner. "Aber nachdem wir uns hier wegen der Nähe zur Innenstadt in einer Schutzzone befinden, ist ein Dachaufbau nicht möglich. Aus diesem Grund sind die Haustechnikaufbauten ins Gebäude integriert."

Das Atrium wird beibehalten und aus Akustikgründen vollständig geschlossen. Eine Begehung ist nur zu Wartungszwecken möglich. Damit der Luftraum, der oben mit einer fünften Glasfassade geschlossen ist, nach dem Glashausprinzip nicht überhitzt, wird er mit der Abluft aus den Büros gespeist. Dank der permanenten Luftzirkulation dient das Atrium als eine Art überdimensionales Wärmeschutzglas mit Gasfüllung.

90-Millionen-Investition

Unterm Strich erreicht das Haus die Effizienzklasse B. "Natürlich wäre es technisch möglich gewesen, Effizienzklasse A anzustreben", sagt Rode. "Aber das ist kein Neubau, sondern die Sanierung eines bestehenden Objekts, und daher wäre so ein Aufwand eher unwirtschaftlich."

Die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf rund 90 Millionen Euro. Den finanziellen Mehraufwand für besonders nachhaltige Haustechnik und Bauphysik gegenüber einem herkömmlichen Bürobau beziffert die Grundstückseigentümerin und Auftraggeberin Signa Holding mit fünf bis zehn Prozent.

"In Österreich hat das Bewusstsein, Bürogebäude zu zertifizieren, sehr spät eingesetzt", sagt Herbert Putz, Projektleiter bei Signa Development. "Bisher gibt es österreichweit erst sechs Gebäude, die eine internationale Leed-Zertifizierung vorweisen können." Zum Vergleich: In Großbritannien werden solche Ausweise schon seit 1990 ausgestellt.

Welche Auswirkungen haben die grünen Labels und die höhere Energieeffizienz auf die Mietkosten? Putz, kurz und bündig: "Qualität hat ihren Preis. Dessen sind sich die Mieter bewusst." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

  • 14.000 Quadratmeter Nutzfläche wird das "Haus an der Wien" aufweisen, die STANDARD-Medienwelt mietet davon rund 6.000 Quadratmeter.
    illustration: signa, architekten: neumann & partner

    14.000 Quadratmeter Nutzfläche wird das "Haus an der Wien" aufweisen, die STANDARD-Medienwelt mietet davon rund 6.000 Quadratmeter.

Share if you care.