2.300 Mitarbeitern droht der Zwangsumstieg auf einen billigeren Kollektivvertrag, die AUA hofft noch auf eine Einigung
Wien - Die AUA-Führung hat am Mittwochnachmittag den
Kollektivvertrag für das fliegende Personal einseitig gekündigt. Die
Verhandlungen mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft über Einsparungen
hätten kein Ergebnis gebracht. Nun will die AUA -
sollte es bis zur nächsten Aufsichtsratsitzung am 29. Februar zu keiner Einigung
kommen - gemäß Arbeitsvertragsanpassungsgesetz (Avrag), den Flugbetrieb in die
wesentlich günstigere Tyrolean überführen.
Um alle bestehenden Start- und Landerechte zu behalten würde eine "AUA-klein" erhalten bleiben. Für die rund 600 Piloten
und 1500 Flugbegleiter der AUA änderte sich am
Gehalt vorerst nichts, der Kollektivvertrag gelte, bis ein neuer vereinbart sei,
weiter. Allerdings gebe es so lange keine Gehaltserhöhung, bis das günstigere
Gehaltsschema der Tyrolean-Mitarbeiter erreicht wäre. Und eine Abfertigung gäbe
es freilich auch nicht.
Eskaliert ist die Situation am Valentinstag, als ein Verhandlungstermin
angesetzt war, zu dem Bord-Betriebsrat Karl Minhard nicht erschien. Der Grund:
Weil sein streitbarer Kollege Wolfgang Hable, ebenfalls Betriebsrat und
Gewerkschaftsvertreter, angesagt war. AUA-Vorstand
Peter Malanik beschrieb das Treffen in einem Brief an Gewerkschaftschef Rudolf
Kaske so: Hable habe die Verhandlungen nach elf Minuten abgebrochen, weil er
seine Zustimmung zu den Sparmaßnahmen "davon abhängig machte, dass er eine von
Austrian voll vergütete Freistellung für gewerkschaftliche Tätigkeiten erhält".
Die AUA lehnte das ab. Am Mittwoch sei zum
Gesprächstermin niemand erschienen.
Freistellung
Dazu muss man folgendes wissen: Hable bekam noch unter Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch eine Freistellung als Betriebsrat,
wenn er gewerkschaftlich aktiv war. Die beiden AUA-Chefs, Malanik und Andreas Bierwirth, haben diese
Freistellung Hables widerrufen. Hable, telefonisch nicht erreichbar, erschien
mit der Begründung gewerkschaftlich aktiv zu sein, öfter nicht zum Dienst, was
schließlich die AUA veranlasste Hable zu klagen.
Der Prozess läuft.
Beim fliegenden Personal der AUA, speziell bei
den Piloten, will man die Überführung zur Tyrolean keinesfalls akzeptieren -
Kampfmaßnahmen werden nicht ausgeschlossen. Dann, so wird spekuliert, sei man
auch das Management los. "Zu diesen Bedingungen werden wir nicht arbeiten, dann
steht der Laden eben", heißt es. Im übrigen wird darauf verwiesen, dass Piloten
gesucht werden und man innerhalb von wenigen Flugstunden bei etlichen Airlines
mit Handkuss genommen werde. Boden-Betriebsratschef Alfred Junghans sagte erst
jüngst in einem Standard-Interview: "Eine einseitige Kündigung des
Kollektivvertrags durch die AUA-Führung wäre in
Österreich der Auftakt für Kampfmaßnahmen bis zum Äußersten."
Druck von Lufthansa
AUA-Chef Jaan Albrecht, erst seit November 2011
im Amt, hat zuletzt gegenüber den Mitarbeitern einen Konkurs der AUA weit von sich gewiesen. Allerdings steht er unter
Druck von Lufthansa-Chef Christoph Franz, der zuletzt etliche
Management-Entscheidungen seines Vorgängers Wolfgang Mayrhuber, revidierte:
Franz schloß Lufthansa Italia und verkaufte die schwer defizitäre britische BMI.
Damit konzentrierte sich alles auf die AUA.
In Branchenkreisen heißt es, die AUA die 2011
unverändert einen Verlust von fast 65 Mio. Euro schrieb, sei mit rund 6000
Mitarbeitern nach wie vor viel zu groß und müsse deutlich schrumpfen, womöglich
um die Hälfte. Die AUA hat fast so viele
Mitarbeiter wie die Vorzeigetochter Swiss. Albrecht wollte, dass die AUA-Mitarbeiter den Swiss-KV ohne automatischen
Vorrückungen akzeptieren. Dieser Plan scheiterte. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)