Streit zwischen AUA und Belegschaft eskaliert

16. Februar 2012, 11:03
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2.300 Mitarbeitern droht der Zwangsumstieg auf einen billigeren Kollektivvertrag, die AUA hofft noch auf eine Einigung

Wien - Die AUA-Führung hat am Mittwochnachmittag den Kollektivvertrag für das fliegende Personal einseitig gekündigt. Die Verhandlungen mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft über Einsparungen hätten kein Ergebnis gebracht. Nun will die AUA - sollte es bis zur nächsten Aufsichtsratsitzung am 29. Februar zu keiner Einigung kommen - gemäß Arbeitsvertragsanpassungsgesetz (Avrag), den Flugbetrieb in die wesentlich günstigere Tyrolean überführen.

Um alle bestehenden Start- und Landerechte zu behalten würde eine "AUA-klein" erhalten bleiben. Für die rund 600 Piloten und 1500 Flugbegleiter der AUA änderte sich am Gehalt vorerst nichts, der Kollektivvertrag gelte, bis ein neuer vereinbart sei, weiter. Allerdings gebe es so lange keine Gehaltserhöhung, bis das günstigere Gehaltsschema der Tyrolean-Mitarbeiter erreicht wäre. Und eine Abfertigung gäbe es freilich auch nicht.

Eskaliert ist die Situation am Valentinstag, als ein Verhandlungstermin angesetzt war, zu dem Bord-Betriebsrat Karl Minhard nicht erschien. Der Grund: Weil sein streitbarer Kollege Wolfgang Hable, ebenfalls Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter, angesagt war. AUA-Vorstand Peter Malanik beschrieb das Treffen in einem Brief an Gewerkschaftschef Rudolf Kaske so: Hable habe die Verhandlungen nach elf Minuten abgebrochen, weil er seine Zustimmung zu den Sparmaßnahmen "davon abhängig machte, dass er eine von Austrian voll vergütete Freistellung für gewerkschaftliche Tätigkeiten erhält". Die AUA lehnte das ab. Am Mittwoch sei zum Gesprächstermin niemand erschienen.

Freistellung

Dazu muss man folgendes wissen: Hable bekam noch unter Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch eine Freistellung als Betriebsrat, wenn er gewerkschaftlich aktiv war. Die beiden AUA-Chefs, Malanik und Andreas Bierwirth, haben diese Freistellung Hables widerrufen. Hable, telefonisch nicht erreichbar, erschien mit der Begründung gewerkschaftlich aktiv zu sein, öfter nicht zum Dienst, was schließlich die AUA veranlasste Hable zu klagen. Der Prozess läuft.

Beim fliegenden Personal der AUA, speziell bei den Piloten, will man die Überführung zur Tyrolean keinesfalls akzeptieren - Kampfmaßnahmen werden nicht ausgeschlossen. Dann, so wird spekuliert, sei man auch das Management los. "Zu diesen Bedingungen werden wir nicht arbeiten, dann steht der Laden eben", heißt es. Im übrigen wird darauf verwiesen, dass Piloten gesucht werden und man innerhalb von wenigen Flugstunden bei etlichen Airlines mit Handkuss genommen werde. Boden-Betriebsratschef Alfred Junghans sagte erst jüngst in einem Standard-Interview: "Eine einseitige Kündigung des Kollektivvertrags durch die AUA-Führung wäre in Österreich der Auftakt für Kampfmaßnahmen bis zum Äußersten."

Druck von Lufthansa

AUA-Chef Jaan Albrecht, erst seit November 2011 im Amt, hat zuletzt gegenüber den Mitarbeitern einen Konkurs der AUA weit von sich gewiesen. Allerdings steht er unter Druck von Lufthansa-Chef Christoph Franz, der zuletzt etliche Management-Entscheidungen seines Vorgängers Wolfgang Mayrhuber, revidierte: Franz schloß Lufthansa Italia und verkaufte die schwer defizitäre britische BMI. Damit konzentrierte sich alles auf die AUA.

In Branchenkreisen heißt es, die AUA die 2011 unverändert einen Verlust von fast 65 Mio. Euro schrieb, sei mit rund 6000 Mitarbeitern nach wie vor viel zu groß und müsse deutlich schrumpfen, womöglich um die Hälfte. Die AUA hat fast so viele Mitarbeiter wie die Vorzeigetochter Swiss. Albrecht wollte, dass die AUA-Mitarbeiter den Swiss-KV ohne automatischen Vorrückungen akzeptieren. Dieser Plan scheiterte. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

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    Mit den Plänen, die AUA in den Flugbetrieb der Tyrolean zu überführen, ist neuer Krach bei der AUA programmiert.

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