Slowakei plant Atommüllager beim AKW Jaslovske Bohunice

15. Februar 2012, 17:32

UVP-Verfahren beim Umweltministerium in Bratislava unter Beteiligung Österreichs gestartet - Atomenergie-Industrie wird ausgebaut

Bratislava - Die Slowakei hat die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für ein geplantes Atommüll-Zwischenlager beim Atomkraftwerk Jaslovske Bohunice (beim westslowakischen Trnava) gestartet. Die zuständige Behörde ist das slowakische Umweltministerium, wobei das Verfahren nach slowakischem Recht auch unter Beteiligung Österreichs durchgeführt wird. Projektwerberin ist die vom Staat kontrollierte Gesellschaft JAVYS (Jadrová a vyrad'ovacia spolocnost', a.s.) mit Sitz in Bratislava.

Der Zweck des Bauvorhabens ist die Zwischenlagerung von festen, durch Einsatz von verschiedenen Technologien aufbereiteten radioaktiven Abfällen, die aus der Außerbetriebsetzung von Kernanlagen am Standort Jaslovske Bohunice entstehen. Die Zwischenlagerung soll bis zu dem Zeitpunkt erfolgen, zu dem sie zum Ort ihrer Endlagerung transportiert werden können.

Genauer Ort steht noch nicht fest

Das Gebäude des Integrallagers für radioaktive Abfälle ist als Lagergebäude für Packungen mit festen oder verfestigten radioaktiven Abfällen bestimmt, die auf der Oberfläche der Verpackung oder deren Abschirmung eine Äquivalenzdosisleistung von weniger als 10 mSv/Stunde (Milli-Sievert pro Stunde) aufweisen.

Für genauen Ort des Zwischenlagers gibt es zwei Varianten: direkt in einem Gelände von JAVYS in Jaslovske Bohunice (Variante 1) oder "in engem Kontakt" mit diesem Gelände (Variante 2). Früher war auch über eine dritte Variante die Rede, die mit einer Einrichtung des Zwischenlagers beim Atomkraftwerk Mochovce rechnete. In dem Bericht, mit dem JAVYS um die UVP ersucht, wird diese aber nicht mehr erwähnt. Die bebaute Fläche des Zwischenlagers sollte etwa 7.600 Quadratmeter sein, wobei die eigene Lagerkapazität etwa 6.050 Quadratmeter betragen soll.

Slowakei rechnet mit Ausbau der Atomindustrie

Die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner, kritisierte das Vorhaben der Slowakei, das etwa 60 Kilometer von der österreichischen Grenze realisiert werden soll. "Wir wollen kein Atommülllager an Burgenlands Grenze" betonte sie.

Trotz des angekündigten Ausstiegs mehrerer EU-Länder aus der Atomkraft rechnet die Slowakei, die etwa die Hälfte des Stroms aus atomaren Quellen produziert, mit einem Ausbau ihrer Atomenergie-Industrie. Heuer bzw. 2013 sollten ein dritter und vierter Block im Atomkraftwerk Mochovce fertiggestellt werden, wo bereits zwei Druckwasserreaktoren VVER mit Leistung von je 470 Megawatt seit 1998 bzw. 1999 im Betrieb sind. Die zwei neuen Blöcke sollten eine Kapazität von je 800 Megawatt haben.

Der Bau des 3. und 4. Blocks in Mochovce begann bereits 1987, wurde aber nach fünf Jahren wegen Geldmangels gestoppt. 2008 wurden jedoch die Bauarbeiten trotz der Proteste Österreichs wieder aufgenommen. Vieles deutet darauf hin, dass die Reaktoren termingerecht fertiggestellt werden. Im Block 3 wurde bereits die Turbine installiert. "Eine erfolgreiche Installierung der Turbine bestätigt, dass wir auf gutem Wege sind, Mochovce laut dem festgelegten Plan zu vollenden", kommentierte der Chef der Betreiberfirma Slovenske elektrarne SE (gehört zu zwei Dritteln dem italienischen ENEL, Anm.) Paolo Ruzzini. Die Wiener Landesregierung etwa versuchte den Ausbau von Mochovce zu stoppen, allerdings ohne Erfolg.

Ausbaupläne gibt es auch für das ältere, slowakische Atomkraftwerk Jaslovske Bohunice, wo derzeit zwei Blöcke (Teil V2) aus den 80er Jahren betrieben werden - jeder mit einer Leistung von 470 Megawatt. Zwei andere Blöcke (Teil V1) musste die Slowakei 2006 bzw. 2008 auf Druck Österreichs als Bedingung für den EU-Beitritt abschalten.

Regierungschefin: "Atomreaktoren sind sicher"

An der Stelle des abgeschalteten V1 will die Slowakei nun ein neues Atomkraftwerk bauen. Es soll sich um ein bis zwei Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 1.700 Megawatt handeln. Laut früheren Plänen sollte die neue Anlage bis 2020 fertig sein, im vergangenen Jahr erklärte jedoch die Chefin der slowakischen Atombehörde (UJD), Marta Ziakova, dass das Projekt sich mindestens um fünf Jahre verzögern werde. "Wir rechnen nicht mit der Inbetriebnahme vor 2025", sagte Ziakova. Der Grund sei eine Verspätung der Realisierbarkeits-Studie sowie neue Sicherheitsforderungen der EU, hieß es.

Die Slowakei betont, dass ihre Atomreaktoren sicher seien - so auch Regierungschefin Iveta Radicova im Mai 2011 bei einem Besuch in Jaslovske Bohunice, wo 500 Mio. Euro in eine Verbesserung der Sicherheit dieses Kraftwerkes investiert werden sollen. "Alle Schritte in Richtung Sicherheit wurden so realisiert und weitere sind so geplant, damit wir (in den Stresstests) die besten Ergebnisse in der EU erzielen", sagte Radicova damals.

Die Ergebnisse der Stresstests, die die Slowakei selbst durchführte, zeigten laut dem Anfang 2012 veröffentlichten UJD-Eigenbericht, dass Mochovce und Jaslovske Bohunice keine Mängel aufweisen, die unverzügliche Maßnahmen im Bereich der Sicherheit erfordern. Außerdem gebe es in der Slowakei und deren Umgebung keine tektonischen Brüche, die extreme Erdbeben herbeiführen könnten wie jene im japanischen Fukushima. Ausgeschlossen sind laut UJD auch Überschwemmungen. (APA)

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23 Postings
freimann1
22
Wenn ich schon mit all den AKWs an der Grenze leben muß,

dann hätte ich aber auch gern den billigen Strompreis für mich.
Es ist nicht einzusehen, warum ich ein Restrisiko mittragen soll und dann noch dazu den korrupt hochsubventionierten Windstrom dieser Weinviertler Windkraftmafia und Abzockerbande zahlen soll.

aleph null
22
Ich würde den Atommüll nicht allzu tief vergraben

In dem Müll steckt nämlich noch jede Menge Energie (gerade einmal 1% der in den Brennstäben steckenden Energie wurde genutzt), deswegen strahlt ja das Zeug auch wie der Teufel.

Und indem die Erneuerbaren Energien nach Jahrzehnten intensiver finanzieller Förderung und Entwicklung noch immer keine Grundlastversorgung zusammenbringen und man damit rechnen muss, dass sich das auch in den kommenden Jahrzehnten nicht dramatisch ändern wird, sollte zumindest der Atommüll erreichbar sein, der dann von den nachfolgenden Generationen als Brennstoff für andere Reaktortypen verwendet werden kann.

Energyman
32
16.2.2012, 16:40
Die Mochovce-Reaktoren haben kein Containment.

Allerdings ist seit ca. 5 Jahren zu beobachten, dass die Atomlobby jede Umhüllung des Reaktordruckgefäßes „Containment“ nennt – vermutlich würde man auch eine Holzhütte, in der ein Reaktordruckgefäß steht, ohne Probleme als Containment bezeichnen. Der in Mochovce nun im Bau befindliche Reaktortyp WWER 440/213 ist sowjetischer Konstruktion aus dem Jahr 1970. Das Reaktorgebäude kann dem Druck bei schweren Störfällen nicht standhalten und ebenso wenig einem Flugzeugabsturz. Um den Druck im Ernstfall zu begrenzen, verwendet man ein Druckabbausystem. In Fukushima haben die Druckabbausysteme nicht funktioniert, die Gebäude flogen in die Luft. Es ist völlig gewissenlos, heute an solchen Reaktoren zu basteln.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
21.2.2012, 21:33
Erik Ziak
11
17.2.2012, 18:52

Fukushima hatte kein Druckabbausystem. Alle in Betrieb befindlichen Reaktoren in der Slowakei haben es. Mit dem containment haben Sie allerdings recht - einen Flugzeugabsturz wurde es nicht standhalten. Aber Druck von innen kann mann ausschließen - das Druckabbausystem funktioniert an hand von Physikalischen Gesätzen und brauch keine Energiezufuhr.

verleih nix
13
17.2.2012, 10:40

würde man selbst atomstrom herstellen, könnte man über standards bei der herstellung diskutieren. da man diesen aber nur aus dem 'billigen osten' zu importieren pflegt muss man eben auf innovationen der letzten 30 jahre verzichten und mit den dortigen gepflogenheiten leben lernen.

Erik Ziak
11
16.2.2012, 14:16
Leistungen

"Die zwei neuen Blöcke sollten eine Kapazität von je 800 Megawatt haben."

800 MW stimmt nicht.

Alle Reaktoren die in der Slowakein in Betrieb und im Bau sind, sind vom Typ VVER 440/213. Sollten also Liefern 440 MWe Netto liefern. Die Systeme run um den Reaktor sind deutlich überdimensioniert, es ist möglich die Leistung bis auf 510 MWe anzuheben, ohne die Sicherheit zu beinflussen. Dies wurde schon vo kurzem im AKW Loviisa in Finland durchgefürht. Im AKW Dukovany wurde die leistung auf 470 MWe angehoben und alle Reaktoren sowie Trubinen, etc. sollen für eine Leistung von 500 MWe dieses Jahr nachgerüstet werden. Bohunice V-2 liefert auch 470 MWe.

Der Reaktor VVER440 typ 213 ist der am meisten verbreitete Typ in Europa und Russland.

freecom
11
15.2.2012, 22:47
Nicht cool :(

max1210
47
15.2.2012, 21:30

..Regierungschefin: "Atomreaktoren sind sicher"..

Diese Aussage ist eine Frechheit. Es gibt keine sicheren AKWs. Alle AKWs müssen endlich ausgeschalten werden. Wind, Erdwärme, Solar-Spiegel, Kleinkraftwerke,.....
Energie sparen.

W.E.
22
29.2.2012, 08:32

Falscher Weg! Richtig wäre: die nutzlosen Solarkraftwerke und Windkrafparks endlich einstampfen und mehr moderne KKW´s mit höchsten Sicherheitsstandards im eigenen Land bauen, anstatt diese Aufgabe unseren osteuropäichen Nachbarn zu überlassen.

Energyman
46
15.2.2012, 19:14
Bank Austria finanziert die „Fertigstellung“ der weltweit gefährlichsten Reaktoren in Mochovce

Im slowakischen Mochovce befindet sich derzeit das weltweit gefährlichste Atomprojekt im Bau – Fertigstellung der Blöcke 3 und 4. Diese sowjetischen Reaktoren weisen das Sicherheitsniveau des Jahres 1970 auf und verfügen – ebenso wie die Fukushima-Reaktoren – über kein Containment. Dieses Projekt wird mit Hilfe eines Kredits der Bank Austria für den Bauherrn SE (im Mehrheitsbesitz der italienischen Enel) ermöglicht. Gestern fand dazu in Wien eine Protestaktion statt: http://mochovce.com/2012/02/1... vertuscht/

Erik Ziak
03
16.2.2012, 14:33

"weltweit gefährlichsten Reaktoren"

Das AKW Kozloduj wurde 1977 bei Vollbetrieb von einem Erdbeben der Stärke 7 auf der Richterskala getroffen und es ist nichts passiert. Es kam zur keiner beschädigung an den Anlagen die die Sicherheit beeinflusst hätten. Und dort war nur die 1. Generation von VVER 440 in Betrieb, wie in Bohunice V-1, die auf Druck von Österreich abgelstellt werden müssten, obwohl die Sicherheitssysteme mit großem Aufwand in den 1990-ern nachgerüstet worden sind.

Ich frage mich woher sie die "weltweit gefährlichsten Reaktoren" nehmen. Kein Reaktor des typs hatte einen schweren Unfall, obwoh der WWER 440 der meisverbreitete in Europa und Russland ist.

nix fir unguad
21
16.2.2012, 09:17
Diese Reaktoren haben ein Containment

Nur ist dieses eben etwas unkonventioneller ausgelegt als als bei den westlichen Reaktoren.
Ausserdem sind diese Reaktoren sehr großzügig dimensioniert und haben Risikoverminderungskonstruktionen die westliche Reaktoren nicht haben.

Energyman
11
16.2.2012, 17:51
Wie gut diese "etwas unkonventionelle Auslegung" funktioniert,

konnte man auf den Explosionsvideos aus Fukushima beobachten.

nix fir unguad
13
16.2.2012, 23:58
In Japan hat es kein einziges Containment zerrissen

Der Dampfdruck im Containment wurde in ein normales Aussengebäude abgelassen. Und weil die in Fukushima im Containment keine Wasserstoffrecombiner hatten gelangte auch Wasserstoff in dieses Gebäude. Da war dann naturgebunden auch Sauerstoff. Da ist eben das eingetreten was uns der Physiklehrer glaube ich in der 3. Klasse Hauptschule vorführt.
Weiters hatte Fukushima keine Filter für Radioaktive Substanzen in den Containments. Hätte man die gehabt hätte man bedenkenlos bei jeder Windrichtung Druck ablassen können. Die derzeitige Contaminierung der Landschaft wäre vermeidbar gewesen.
EinContainment ist nicht dazu da um dieExplosion eines Reaktors aufzufangen.Es ist dazu da um bei einemDampfrohrbruch denDampf aufzunehmen.EinLWR expodiert nicht

Ja bitte
20
16.2.2012, 23:56
Sie sind offenbar nicht in der Lage sinnerfassend

zu lesen.

Hanspeter Gogischas
11
16.2.2012, 00:06
Danke, such mir glei eine neue Bank.

Mit meinem Geld sicher so nicht.

Ja bitte
33
15.2.2012, 22:16
Liebe Bank Austria.

Ich bin bei Ihnen jetzt schon Giro- und Sparkonto Kunde und von mir aus könnt Ihr gerne noch viel mehr Kredite für so sinnvolle und saubere Energieprojekte vergeben.
Ich bin auch überzeugt, dass dieses Geld sehr gut und Krisensicher angelegt ist - Strom werden die Menschen immer brauchen ;)
Am liebsten wäre mir allerdings wenn die vielen Arbeitsplätze im Bau und Betrieb dieser Anlagen sowie die Umsätze und Gewinne durch solche Kraftwerke in Österreich realisiert würden.
Leider ist aber hier Wirtschaft zu betreiben "böse" und die Industrie unseres Landes "wegen Reichtum geschlossen".

Ja bitte
34
15.2.2012, 22:10
"...ebenso wie die Fukushima-Reaktoren"

Mein Gott seid Ihr Anti-Atom-Heinis dämlich!!
Fukushima hatt ein Kontainment und es hat auch gehalten. - Ein Freiliegender Kern wäre nämlich noch um einiges schlimmer. - Was durch die Knallgasexplosion zerstört wurde war die äußere Gebeudehülle - sollte auch nicht passieren, und tut es auch nicht wenn man Wasserstoff-Rekombinatoren einsetzt!
Solche haben Bohunice und Mohovce aber.
Hört doch endlich mit eurer dummen Verhetzung unserer östlichen Nachbarländer auf und der einzigen Energieform die unabhängig vom Wetter und ohne konventionelle Abgase(4000-5000Tote/Jahr(!) nur in Deutschland durch Feinstaub und NOx aus E-Kraftwerken!) Strom erzeugen kann!

max1210
36
15.2.2012, 21:32

Wenn das so stimmt kann ich nur mehr die Bank wechseln. Eine Bank die solche Projekte unterstützt macht sich im Störfall der Mithilfe zum Massenmord schuldig.

WBR
10
16.2.2012, 09:11
Finanzierung von Atomindustrie ist aber die Norm

Es dürfte nur wenige Banken geben, die nicht auf mehr oder weniger direkte Weise die Atomindustrie finanzieren.
Und da bekanntlich kein Atomkraftwerk sicher ist, sind alle diese Banken "potenzielle Massenmörder".

Es ist natürlich effektvoller, eine Bank als Sündenbock herauszugreifen. Fair wäre aber etwas anderes.

Energyman
23
15.2.2012, 19:02
Wo ist mein Posting?

Sehr geehrte Redaktion, vor ca. 2 Stunden habe ich zu diesem Artikel als erster gepostet (Finanzierung von Mochovce durch die Bank Austria). Bis jetzt ist mein Posting nicht erschienen. Ich möchte daher fragen, warum.

Staatsfreind Nr.1
01
15.2.2012, 19:23
sind wir

vielleicht doch in keiner echten Demokratie??

Zumindest wenns ums Geld geht, ist die Demokratie nachrangig.

Ihr Posting hat sich wahrscheinlich in den ISDN Kanälen verpustet. ;-)

Zensur gibts da keine, ausser "Fäkalzensur".

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