Wenn Ameisen rar sind, springen die Schnecken ein

15. Februar 2012, 17:52
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In feuchten und dunklen Buchenwäldern übernehmen Schnecken die Verbreitung von Wildblumen

Zahlreiche Frühblüher sind für ihre Ausbreitung im Wald auf Ameisen angewiesen. Die Insekten ernähren sich von fett- und eiweißreichen Bestandteilen der Samen von Buschwindröschen, Waldveilchen und Schneeglöckchen und transportieren sie darüber hinaus über den Waldboden. Diese Pflanzen sind aber auch dort heimisch, wo Ameisen selten sind, beispielsweise in feuchten und dunklen Buchenwäldern.

Biologen der Technischen Universität München (TUM) haben nun herausgefunden, dass Schnecken dort den Transport der Pflanzensamen übernehmen und dabei sogar weiter kommen als ihre sechsbeinigen Kollegen. Die Studie ist im Fachjournal "The American Naturalist" erschienen. In mehr als hundert Waldgebieten in den deutschen Bundesländern Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg haben die Wissenschafter der TUM und der Universitäten Jena, Bern, Potsdam und Hannover untersucht, wie sich die sogenannten Myrmekochoren ausbreiten. Buschwindröschen, Waldveilchen oder Haselwurz werden so bezeichnet, weil ihre Samen durch Ameisen (griech. myrmex) transportiert werden. Angelockt werden sie durch fett- und eiweißreiche Gewebeanhängsel (Elaiosomen) an den Pflanzensamen.

Schnecken tragen den Samen weiter

In feuchten und dunklen Buchenwäldern herrschen für Ameisen zwar schlechte Lebensbedingungen. Dennoch ist in diesen Wald-Ökosystemen die Pflanzengruppe der Myrmekochoren weit verbreitet. Hier springen Schnecken in die Bresche und transportieren die Pflanzensamen: In Laborversuchen fanden die Wissenschafter heraus, dass Wegschnecken solche Samen zwar im Ganzen verschlingen, aber keimfähig wieder ausscheiden. Versuche der Biologen haben außerdem gezeigt, dass Schnecken auch im Wald den größten Teil der ausgelegten Pflanzensamen verschleppen. Die weit verbreitete Große Wegschnecke legt dabei - bis ein Samen ihren Darm passiert - eine Strecke von durchschnittlich 4,4 Metern zurück. Ameisen tragen die Samen meist weniger als einen Meter weit.

"Schnecken wurden von der Wissenschaft bisher kaum als Samenausbreiter beachtet. Sie können aber die Migration von Wildblumen vorantreiben und so die Biodiversität der Pflanzengemeinschaft in Buchenwälder fördern", sagt Manfred Türke. (red)

  • Eine Große Wegschnecke macht sich über Wildblumensamen her. Bis ein Samen ihren Darm passiert hat legt sie durchschnittlich 4,4 Metern zurück.
    foto:m. türke / tum

    Eine Große Wegschnecke macht sich über Wildblumensamen her. Bis ein Samen ihren Darm passiert hat legt sie durchschnittlich 4,4 Metern zurück.

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