Hacker, Google, Apple - wer sind die Guten?

Blog | Sarah Spiekermann, 16. Februar 2012, 10:18
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    Sarah Spiekermann ist Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo sie dem Institut für BWL und Wirtschaftsinformatik vorsteht. Seit über 10 Jahren lehrt und forscht sie zu sozialen Fragen der Internetökonomie und Technikgestaltung.

Wer gehört zu den Guten in der IT-Welt und kümmert das noch irgendwen? - English Version

In meinem ersten Blog habe ich beschrieben, warum ich über die ethische Maschine blogge. Aber vielleicht ist schon aufgefallen, dass es so etwas wie eine ethische Maschine gar nicht geben kann. Eine Maschine kann nicht "ethisch" sein, weil ethisch zu sein keine Eigenschaft ist. Das Ganze ist nur ein Wortspiel. Ein Wortspiel, um eine ungemein tief sitzende Triebkraft der Tech- und Hackerszene zu beschreiben, die da immer hieß: "Wir sind die Guten". Viele Hacker (wie auch die Leute von Anonymous) handeln sicherlich im Glauben daran, dass sie zu den Guten gehören (oder?). Viviane Reding, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Lawrence Lessig und Kader Arif (ACTA : „une mascarade à laquelle je ne participerai pas...") sind Stars unter den Guten (persönliche Meinung). Viele von uns haben geglaubt, dass Apple zu den Guten gehört (und haben möglicherweise verwechselt, dass Schönes noch nicht automatisch gut ist, ...alte menschliche Falle...). Google dreht die Sache des Guten um und schwört die eigenen Leute auf "Don't be evil!" ein (mindestens das). Und Microsoft war wahrscheinlich immer viel zu ehrlich, weil es nie behauptet hat, gut zu sein. Aber was heißt das eigentlich: Wir sind die Guten?

"Code is Law"

Irgendwann mag ich meine Meinung ändern, aber hier und jetzt denke ich, dass man in der Tech-Welt in die heiligen Hallen der Guten eigentlich nur dann aufsteigen darf, wenn man nicht nur blind "coded", um die Dinge ans laufen zu kriegen, sondern sich echt bemüht, Gutes in den Code einzubauen, denn "Code is Law" (didn't you know?). Bemüht aber auch um die Finanzierung von Maschinen, die im Einklang mit den moralischen Vorstellungen und Normen arbeiten, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist, z.B. Freiheit (von Meinungen, Ideen und Handlungen), Menschenwürde (zum Nacktscanner komme ich nächste Woche...), Respekt für Privatsphäre und Datenschutz, Unvoreingenommenheit, Verantwortung, Höflichkeit, Ruhe, Umweltfreundlichkeit und - ganz wichtig aus meiner Sicht - finale menschliche Kontrolle über die Maschinen.

Nicht ihr Problem

Aber kümmert das die Ingenieure von heute? Eine beeindruckende Studie von Kollegen (Marc Langheinrich und Saadi Lahlou) hat dazu einen ziemlich erschreckenden Gegenbeweis geliefert, der mir aber in der Gadget-verliebten, quick-business getriebenen Tech-Welt überall begegnet: Als Ingenieure von ihnen zum Thema Datenschutz interviewt wurden und ob sie diesen beim Bau ihrer Prototypen irgendwie berücksichtigen würden, antworteten diese durchgängig, dass dies nicht ihr Problem sei, ein zu abstraktes Problem, kein unmittelbares Problem, grundsätzlich kein Problem (weil man ja Firewalls und sonstige Cryptolösungen habe), schon gar nicht Ihr Problem (weil sich schon Politiker, Anwälte und die Gesellschaft an sich darum kümmere) oder schlichtweg nicht Teil ihrer Projektvorgaben. Wow, ich hoffe ja nur die Kollegen haben da nicht "die Guten" interviewt.... (derStandard.at, 16.2.2012)

English Version

Hacker, Apple, Google - who are are the good guys?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 82
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northrim
02
26.2.2012, 12:12

?, von einem Institutsvorstand erwarte ich mir etwas profunderes als diese paar zeilen, das bestätigt die Meinung vieler von der WU. dass der begriff "ethische maschine" von einem Vertreter der Wirtschaftswissenschaften behandelt wird ist ja an sich schon Zynismus pur. Die Wirtschaftwissenschaften die seit Jahrzehnten neoliberales Gequake hervorbringen und die die Selbstregulation der Märkte proklamieren, die Wirtschaftswissenschaften die das Wort Ethik nur zu Showzwecken aussprechen aber keinen Sinn darin sehen? wirklich nur peinlich...

roman@ch
39
17.2.2012, 21:05
Nichts für ungut

Bitte seien Sie mir nicht böse. Es ist einfach nur so, dass Sie alle meine Vorurteile über das Niveau der heutigen Universitäten im allgemeinen und dem Fach BWL im konkreten bestätigen. Sie waren sicher fleissig und engagiert, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie dem Thema (noch) nicht gewachsen sind.

Die BWL ist halt auch keine Wissenschaft, sondern eine lockere Sammlung von best practice Methoden, deren Auswahl sich an Marketingprinzipien orientiert.

Schade, dass Sie sich mit diesem Blog natürlich sehr stark persönlich exponieren. Nichts für ungut, aber vielleicht sollten Sie einfach noch ein paar Jahre in einer guten Community zubringen.

marke{tier
10
23.2.2012, 01:44
roman@ch

Sie sind ein unnötiger Troll.

roman@ch
00
29.2.2012, 15:12

Sie haben einen ausgefallen gestalteten und aussagekräftigen Usernamen.

roman@ch
00
17.2.2012, 15:27
naja

Ich geb es zu: ich habe auf die englische Version geschimpft.

Jetzt kommt die deutsche Version und ich frag mich, ob ich nicht doch wieder die englische will. (ja ich weiß: den gibt es noch)

Ich hab aber noch immer nicht verstanden warum es diesen Blog eigentlich gibt.

tachyon1
02
17.2.2012, 11:42
so sieht die weltanschauung aus dem lehrstuhl aus ...

... na dann bin ich froh das die bei uns beschäftigten studenten eine sehr hohe weitsicht, eine hohe affinität zu datensicherheit haben und diese auch in den produkten einfliesst!

und eine "ethnische maschine" ist ein sehr nettes konstrukt, nur kommt es nicht wie gewünscht rüber, denn ethik beginnt in der gesellschaft und deren richtlinien und gesetzgebung - als maschinerie würde ich das nicht betiteln !

Idariod
00
22.2.2012, 08:28

Das ist sicher nur ein Tippfehler, aber vor "ethnischen" Maschinen hätte ich irgendwie Angst...sie nicht?

am Tag danach
11
17.2.2012, 10:14
Gut oder/und Böse?

persönliche Ansichtssache und nicht mehr. Die Zeiten von Robin Hood sind vorbei.

Stell mir die Frage, was es bringt, jemanden (nicht Persönlich nehmen) 10 Jahre lang Geld zu geben welche in "Soziale Fragen zu Internetökonomie und Technikgestaltung" forscht?

PS:
Der Aufsatz erinnert an einen Facebook eintrag einer pupatierenden.

roman@ch
00
18.2.2012, 19:32

Das mit Gut und Böse kann ich nicht unterschreiben. Wenn uns das wirklich einmal verlorengehen sollte, dann Prost Mahlzeit.

Ich bin dafür, dass man viel Geld investiert, damit wir möglichst schnell verstehen, welche sozialen und individuellen Folgen die radikale Technologisierung unseres Lebens hat. Aber dann sollte auch was Konkretes dabei rausschauen.

irata
00
17.2.2012, 12:31

Gut und Böse - oder etwas abstrakter, legal und illegal - brauch ma ned?
Haben Sie denn auch eine vernünftige Alternative zu bieten?

shadow on the wall
08
17.2.2012, 07:56

Wenn Wirtschafter über fehlende Ethik bei den Ingenieuren philosopieren...

t0t3531chh0rn
08
17.2.2012, 08:32
Wirtschaft = böse?

Also bevor man Techniker, Ingenieure, oder Programmierer als "unethisch" darstellt, sollte man wohl eher überlegen aus welchen Gründen Firmen "böse" bzw ethisch verwerflich handeln. Es sind doch im Grunde immer wirtschaftliche Faktoren die "die dunkle Seite" hervorbeschwören. Von automatismen zur Arbeitsplatzeinsparung, bis zu Produktionsstätten in diversen "Billiglohnländern".... Das Problem ist nicht die Maschine, auch nicht der Programmierer, Ingenieur, Techniker.... Es ist der Großverdiener der den Hals nicht voll bekommt, es sind die CEO's und nicht zuletzt die Prpagandamaschinerie, äh PR Abteilungen, die tatsächlich "böse" sind.

Cpt Caveman
214
17.2.2012, 02:26

dieser "blog" ist nicht zum derlesen. der erste absatz inhaltsleer, der zweite absatz klingt als würde mir ein blinder die farbe rot erklären wollen, und der letzte absatz ist nur polemisches hinhauen auf "ingenieure".

vielleicht sollten die gedanken geordnet werden, bevor man beginnt in die tasten zu hämmern. so macht das nämlich nur einen hingerotzten eindruck. was soll der ganze text eigentlich aussagen? "ethische maschine" WTF?!

Mag. Nicht
25
17.2.2012, 00:30
"finale menschliche Kontrolle über die Maschinen"

... süß. Bevor sie weiterschreiben würde ich ihnen erneute Lektüre von:

Schrödinger - Was ist Leben? (Zsfg: Leben ist Information)
Hofstädter - GEB (Zsfg: Information lebt!)
Kandel - Principles of Neural Science (Zumindest die einführenden Kapitel)
Boden - Mind As Machine

dringendst empfehlen...

Die größte Herausforderung dieser Generation ist es mit den Unmengen an Information umzugehen und sie weiterzugeben. Wir haben den Punkt in der Menschheitsgeschichte erreicht, an dem das Wissen der Menschheit die Aufnahmefähigkeit einer Generation überschritten hat. Punkt.

Welche Probleme sich dadurch ergeben können sie sich ja vorstellen. Wissen muss präsent sein um verarbeitet zu werden und da kommen Maschinen ins Spiel ... Kontrolle ... lol

my eyes
13
16.2.2012, 22:08

extrem mühsam zu lesen (aufgrund der vielen klammern), die unmengen an anglizismen machen es da auch nicht leichter, da sie sich in der "Gadget-verliebten, quick-business getriebenen Tech-Welt" sicher nicht so leicht verhindern lassen.

Heavyweather
00
17.2.2012, 00:38

Nächstes Mal sollten sie die Gute nicht selbst übersetzen lassen...oder wars der Google?

jerry springer
12
16.2.2012, 21:44
techniker...

...beschäftigen sich mit dem machbaren. das machbare hält sich nicht an ethik und was heute ethisch ist, kann morgen verpönt sein. gut und böse und ihre implementierung, technisch gibt es da nicht viel zu holen.

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02
16.2.2012, 22:10

im informatikstudium gabs zumindest die vorlesung technikfolgenabschätzung, die sich damit beschäftigt. gerade techniker sollten lösungen für menschen machen. die grundlagenforschung ist ein ganz anderes kapitel aber technik ist ja eigentlich aus prinzip angewandt und daher sollte der humanismus im vordergrund stehen.
dass es da natürlich mehrere levels gibts ist klar: apple macht gut designte produkte ist aber deswegen noch lange kein heiliger. andere (kleinere) firmen leisten sich da mehr moralischen aufwand. google tut eher nur so.

zonk0.618
02
16.2.2012, 21:10
Was soll das?

Die wesentliche (und einzige) Aussage des Artikels ist die Studie über die Programmierer, die das persönliche Engagement für ethische Themen ablehnen.
Zum ersten glaube ich, dass dieses Engagement durch die personellen Strukturen in Softwarehäusen möglicherweise gar nicht möglich sind -- zumindest nicht von "Ingenieuren" (was auch immer das heißt). Projektleiter können natürlich entscheiden, aber das ist ja die Minderheit.
Zum zweiten ist dieses Dilemma nichts Neues: "Guns don't kill people, people do". Das Thema wird sogar von hochintellektuellen Kunstfilmen wie "Ironman" verarbeitet.

Liebe Standard-Redaktion, ich erwarte mir von einem Blog, der so ein medial präsentes Thema verarbeitet, ein höheres Niveau als von einer Deutschmatura!

Gianni Agnelli
04
16.2.2012, 22:18
Danke, ich hab mir ähnliches Gedacht. Ein Blogeintrag mit absolut keiner Aussage zu einem an sich interessanten Thema.

ToMaKa
11
16.2.2012, 21:07
Wer als gut oder böse wahrgenommen wird

entscheidet selten die Realität sondern meist die gute oder schlechte PR Abteilung.
Und in diesem Punkt ist Google bestens aufgestellt! Die Google PR Maschinerie versteht es perfekt den Konzern als armes Hascherl zu positionieren das der Welt doch nur Gutes tun will.
Die miesen Geschäftspraktiken die Google praktiziert, wie alle anderen ebenso, fallen da leider nur allzu unter den Teppich.

Google ist das mit Abstand mächtigste Unternehmen der Online Welt und ich weiß nicht ob ein weiteres, derart schnelles Wachstum gesund für das Web ist!

know your enemy
03
16.2.2012, 17:33
muss zugeben, die letzte meldung von anonymous hat mich beeindruckt

http://www.youtube.com/watch?v=0bf1XIiQF0o

Quark
02
16.2.2012, 17:27
Wer die "guten" sind

hängt immer davon ab auf welcher Seite man steht :P

Blacklotus85
03
16.2.2012, 14:52

Ps 14,3 Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht "einer."

wahre worte

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