In tiefer Demut bezaubernd

15. Februar 2012, 18:26
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Mitsuko Uchida mit drei Klaviersonaten Schuberts

Wien - Sind die letzten drei Klaviersonaten Ludwig van Beethovens als bewusste finale Demonstrationen der Kompositionskunst des konzentrierten Konstrukteurs, Motivforschers und Feuerkopfs zu verstehen, so verdanken Franz Schuberts Sonaten D 958, D 959 und D 960 ihre Letztlichkeit dem doch eher überraschenden Exitus ihres noch so jungen Schöpfers.

Und wenn Schubert die c-MollSonate auch im Gestus Beethoven'scher Ruppigkeit und Allgewalt eröffnet, so lässt er doch nach knapp 40 Takten fast uninteressiert davon ab und tummelt sich wieder in den von ihm bevorzugten lyrischen Regionen. Und so sehr sich Mitsuko Uchida auch in die tiefen c-Moll-Akkorde des Hauptthemas stürzt, gräbt, krallt - bewegender gelingt ihr das nachfolgende Es-Dur-Seitenthema.

Die einst in Wien ausgebildete Japanerin hält inne, lässt sich Zeit, bringt die Melodiestimme dann mit einer kraftvollen Wärme zum Leuchten: Sorgfältig, fürsorglich fast nimmt sie sich Schuberts wiegenden Sehnens an. Von Gegensätzen erfüllt der langsame Satz, bedächtig, fast buchstabiert das Menuetto; die Galoppaden im Finalsatz wirken jedoch mühevoll.

Wie Regentropfen, wie der Herzschlag eines einsamen Menschen die Begleitfiguren des Andantinos der A-Dur-Sonate; filigran, flink, wie frisch gefegt das nachfolgende Scherzo (wie auch jenes der D 960). Bei der B-Dur-Sonate - sehr zart, fast weichgezeichnet der Beginn - kommt alles, wie es soll, und doch bleibt man letztendlich ein Wartender.

Als Zugabe bedankt sich die Pianistin - fast ein halbes Jahrhundert spielt sie schon im Musikverein! - für den reichen Applaus des Publikums mit unvergleichlichen Ergriffenheitsgesten sowie mit fußknöcheltiefen Verbeugungen. Bezaubernd. (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 16. Februar 2012)

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