Gaddafi-Anhänger zu Tode gefoltert

15. Februar 2012, 16:17
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Amnesty-Delegation ermittelte in Libyen: schwere Vorwürfe gegen neue Machthaber

Berlin - In Libyen sind laut einem Bericht von Amnesty International seit dem Zusammenbruch des Regimes von Muammar al-Gaddafi mindestens zwölf Menschen zu Tode gefoltert worden. Die Menschenrechtsorganisation machte dafür am Mittwoch bewaffnete Milizen verantwortlich, die sich an mutmaßlichen Gaddafi-Anhängern rächen wollten. Die Vorwürfe stützen sich auf Eindrücke einer Amnesty-Delegation, die Anfang des Jahres in Libyen unterwegs war.

Die Reisegruppe besuchte dabei nach Amnesty-Angaben auch elf Gefängnisse, unter anderem in der Hauptstadt Tripolis sowie in Misrata und Benghazi. Bis auf eine Ausnahme hätten dabei in allen Haftanstalten Gefangene über Folter und Misshandlungen geklagt. Die Leichname der mindestens zwölf Todesopfer seien von Wunden und blauen Flecken bedeckt gewesen. Mehreren Opfern seien Zehen- und Fingernägel gezogen worden.

Auch Übergriffe auf Flüchtlinge

Der Amnesty-Experte Carsten Jürgensen kritisierte, annähernd vier Monate nach dem Tod Gaddafis seien die Milizen "außer Kontrolle". "Vor einem Jahr haben die Libyer ihr Leben riskiert, um Gerechtigkeit zu fordern. Heute ist diese Gerechtigkeit in großer Gefahr: durch gesetzlose bewaffnete Milizen, die auf den Menschenrechten herumtrampeln, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden."

Amnesty berichtete auch von Übergriffen der Milizen auf Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten. Mehrere Gefangene gaben dem Bericht zufolge an, die ihnen vorgeworfenen Verbrechen nur gestanden zu haben, um weiterer Folter zu entgehen. Die libysche Übergangsregierung hatte kürzlich versprochen, gegen die Folter und Misshandlung von Gefangenen vorzugehen.

Da es seit dem Sturz des Regimes im vergangenen Jahr keine funktionierenden Gerichte gibt, wollen UNO und EU die libysche Regierung beim Aufbau eines Justizwesens für die Übergangszeit beraten. Neben den großen Haftanstalten gibt es in Libyen immer noch zahlreiche "Privatgefängnisse" der sogenannten Revolutionsbrigaden. (APA)

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