Die Osttochter der Österreichischen Volksbanken AG geht in die russischen Hände der Sberbank über
Wien - Der Beginn der Pressekonferenz mit Sberbank-Chef German Gref in Wien verzögerte
sich am Mittwochnachmittag zwar. Der Verkauf der bisherigen
ÖVAG-Ostbankentochter an die russische Staatsbank war da aber schon besiegelt.
Die Volksbank International (VBI) wechselte für den finalen Kaufpreis von 505 Mio. Euro in russische
Hände.
Mit dem Wechsel der Eigentümerschaft in der VBI wurden gleich auch die ersten personellen Weichen
gestellt. Der neue russische VBI-Eigentümer Sberbank hat den aus Österreich
stammenden Auto-Manager Siegfried Wolf zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der
VBI designiert. Das gab Sberbank-Chef German Gref am Abend bei einer
Pressekonferenz bekannt.
Alte AR zurückgetreten
Bisher hat ÖVAG-Vorstand Wolfgang Perdich das VBI-Aufsichtsgremium geleitet.
Wie es nach der Vertragsunterzeichnung zum Verkauf heute hieß, sind die
von den Alteigentümern gestellten Aufsichtsräte heute Mittag um 13 Uhr
vereinbarungsgemäß zurückgetreten.
VBI-Vorstandschef bleibt weiter Friedhelm Boschert. Boschert sagte, er sei
von den Sberbank-Verantwortlichen gefragt worden, ob er bleiben wolle und er
freue sich darauf. Gref kündigte zugleich an, dass man russische Manager
beiziehen werde. Auch eine Kapitalaufstockung wird es für die VBI geben, um
expandieren zu können. Im Mai sollen die Businesspläne für jede einzelne neue
Tochter stehen, die mit der VBI ins Sberbank-Reich dazu kam. Fest steht schon
die Integration der Ukraine-Operationen.
ÖVAG-Vizechef Michael Mendel bescheinigte der Sberbank einen "langen Atem".
Was nicht heiße, dass den die ÖVAG nicht gehabt hätte. "Sonst wären wir in den
18 Monaten nicht immer wieder an die Verhandlungstische zurückgekommen."
Pauschalbetrag
Der endgültige Kaufpreis lag also bei 505 Millionen Euro. Da, wie die ÖVAG berichtete, sich
das Marktumfeld in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt hat, haben sich
die bisherigen Eigentümer (ÖVAG, deutsche und französische Volksbanken) mittels
eines Pauschalbetrages von 80 Mio. Euro an potenziellen Risiken beteiligt, die
in erster Linie aus den Problemen in Ungarn, in geringerem Umfang auch aus der
Slowakei resultierten.
Alle anderen Länder, in denen die VBI vertreten sei, würden 2011 positiv
bilanzieren, hieß es heute. "Damit haben wir die Verhandlungsbasis zum Zeitpunkt
des Signings wieder hergestellt", wird ÖVAG-Chef Gerald Wenzel in einer
Mitteilung zitiert.
Gesellschafter-Finanzierung
Zusätzlich zum Kaufpreis habe die Sberbank eine bestehende
Gesellschafter-Finanzierung von knapp 2,1 Mrd. Euro übernommen. Zudem werde ein
von der ÖVAG geführtes Syndikat der Sberbank einen Kredit über 500 Mio. Euro mit seit Jahren Laufzeit gewähren.
Für die ÖVAG bedeute der Deal 1,1 Mrd. Euro Liquidität und 6,6 Mrd. Euro
Risikoentlastung.
Außerdem verbessere sich die Eigenmittelquote um rund zwei Prozentpunkte ("Basel
II"), das Netto-Kernkapital werde um 300 Mio. Euro entlastet.
Nicht mit verkauft wird die Rumänien-Bank.
ÖVAG-Tochterbanken in acht Ländern im Osten und Südosten gehören jetzt der
Sberbank: Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien,
Bosnien-Herzegowina, Serbien und Ukraine. Mit Jahresende 2011 verfügten die neun
VBI-Banken über insgesamt 295 Geschäftsstellen und beschäftigten 4.157
Mitarbeiter. (APA)