Volksbanken International

Russen machen Siegfried Wolf zum VBI-Aufsichtsrats­chef

15. Februar 2012, 18:18

Die Osttochter der Österreichischen Volksbanken AG geht in die russischen Hände der Sberbank über

Wien - Der Beginn der Pressekonferenz mit Sberbank-Chef German Gref in Wien verzögerte sich am Mittwochnachmittag zwar. Der Verkauf der bisherigen ÖVAG-Ostbankentochter an die russische Staatsbank war da aber schon besiegelt. Die Volksbank International (VBI) wechselte für den finalen Kaufpreis von 505 Mio. Euro in russische Hände.

Mit dem Wechsel der Eigentümerschaft in der VBI wurden gleich auch die ersten personellen Weichen gestellt. Der neue russische VBI-Eigentümer Sberbank hat den aus Österreich stammenden Auto-Manager Siegfried Wolf zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der VBI designiert. Das gab Sberbank-Chef German Gref am Abend bei einer Pressekonferenz bekannt.

Alte AR zurückgetreten

Bisher hat ÖVAG-Vorstand Wolfgang Perdich das VBI-Aufsichtsgremium geleitet. Wie es nach der Vertragsunterzeichnung zum Verkauf heute hieß, sind die von den Alteigentümern gestellten Aufsichtsräte heute Mittag um 13 Uhr vereinbarungsgemäß zurückgetreten.

VBI-Vorstandschef bleibt weiter Friedhelm Boschert. Boschert sagte, er sei von den Sberbank-Verantwortlichen gefragt worden, ob er bleiben wolle und er freue sich darauf. Gref kündigte zugleich an, dass man russische Manager beiziehen werde. Auch eine Kapitalaufstockung wird es für die VBI geben, um expandieren zu können. Im Mai sollen die Businesspläne für jede einzelne neue Tochter stehen, die mit der VBI ins Sberbank-Reich dazu kam. Fest steht schon die Integration der Ukraine-Operationen.

ÖVAG-Vizechef Michael Mendel bescheinigte der Sberbank einen "langen Atem". Was nicht heiße, dass den die ÖVAG nicht gehabt hätte. "Sonst wären wir in den 18 Monaten nicht immer wieder an die Verhandlungstische zurückgekommen." 

Pauschalbetrag

Der endgültige Kaufpreis lag also bei 505 Millionen Euro. Da, wie die ÖVAG berichtete, sich das Marktumfeld in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt hat, haben sich die bisherigen Eigentümer (ÖVAG, deutsche und französische Volksbanken) mittels eines Pauschalbetrages von 80 Mio. Euro an potenziellen Risiken beteiligt, die in erster Linie aus den Problemen in Ungarn, in geringerem Umfang auch aus der Slowakei resultierten.

Alle anderen Länder, in denen die VBI vertreten sei, würden 2011 positiv bilanzieren, hieß es heute. "Damit haben wir die Verhandlungsbasis zum Zeitpunkt des Signings wieder hergestellt", wird ÖVAG-Chef Gerald Wenzel in einer Mitteilung zitiert.

Gesellschafter-Finanzierung

Zusätzlich zum Kaufpreis habe die Sberbank eine bestehende Gesellschafter-Finanzierung von knapp 2,1 Mrd. Euro übernommen. Zudem werde ein von der ÖVAG geführtes Syndikat der Sberbank einen Kredit über 500 Mio. Euro mit seit Jahren Laufzeit gewähren.

Für die ÖVAG bedeute der Deal 1,1 Mrd. Euro Liquidität und 6,6 Mrd. Euro Risikoentlastung.

Außerdem verbessere sich die Eigenmittelquote um rund zwei Prozentpunkte ("Basel II"), das Netto-Kernkapital werde um 300 Mio. Euro entlastet.

Nicht mit verkauft wird die Rumänien-Bank.

ÖVAG-Tochterbanken in acht Ländern im Osten und Südosten gehören jetzt der Sberbank: Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Ukraine. Mit Jahresende 2011 verfügten die neun VBI-Banken über insgesamt 295 Geschäftsstellen und beschäftigten 4.157 Mitarbeiter. (APA)

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22 Postings
Cuchullain
00
29.2.2012, 14:11
"Die Osttochter der Österreichischen Volksbanken AG geht in die russischen Hände der Sberbank über ..."

Könnten die Russen uns als Gegengeschäft nicht ein paar FSB-Agenten "für feuchte Angelegenheiten" schicken?

Da Gschupfte
00
16.2.2012, 14:33
I hab gar nicht gewußt

dass Magna eine Bank ist oder war.

"der Vorsitzende des Aufsichtsrates ist fachlich geeignet und hat die für die Ausübung seiner Funktion erforderlichen Erfahrungen; die fachliche Eignung setzt für das betreffende Kreditinstitut angemessene Kenntnisse im Bereich des bankbetrieblichen Finanz- und Rechnungswesens voraus" (§ 28a Abs 3 Z 3 BWG)

Na sind wir gespannt... oder ist das die gleiche Causa wie bei der Frau Vizekanzler a.D.?

Mork vom Ork
00
16.2.2012, 12:08

man sollte sich dessen bewusst werden, dass die (in sachen bilanzsumme) gar nicht soooo gewaltig viel größer als z.b. eine Unicredit bank austria (also nur der Teilkonzern Österreich) sind, und nur ca. doppelt so groß sind wie die RZB ... (und bei der Raiffeisenkrake fehlt da ja noch der ganze Bezirksbanken und Landesbanken teil)...

habsi
02
16.2.2012, 09:57
Schade, dass der Wolf

nicht Aufsichtsratspräsident der ÖVAG wurde, denn der hätte den Mumm im Vorstand aufzuräumen. Doch die Russen sind um vieles mehr klüger und holen sich sofort einen starken Mann - da kann man nur neidlos gratulieren.

Naphtali
01
16.2.2012, 08:44

Im Russischen gibt's kein h - stattdessen g oder ch.

Deshalb heißt ein Hermann im Russischen German, auf deutsch ist und bleibt er aber ein Hermann - zumal "German" Gref ja auch aus einer deutschrussischen Familie stammt.

Sigma7
00
16.2.2012, 00:36
Ähm...

der im Artikel stehende Satz "Zudem werde ein von der ÖVAG geführtes Syndikat der Sberbank einen Kredit über 500 Mio. Euro mit seit Jahren Laufzeit gewähren." bedeutet bitte was?

10.0.0.1
00
16.2.2012, 08:47

Da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Richtig heißen muss es wie auf wirtschaftsblatt.at "Bankengruppe wird der Sberbank einen Kredit mit einer Laufzeit von fünf Jahren in Höhe von 500 Millionen € zur Verfügung stellen. "

Komment
00
15.2.2012, 18:43

wirkt sich das positiv auf Österreichs Rating aus?

Der große Kritikpunkt für unser AAA-Rating ist ja das große Engagement unserer Bank bei unseren östlichen Nachbarn.

picadilly
01
15.2.2012, 22:04
Leider kaum...

Verglichen mit Raiffeisen und Erster ist VBI ein "Zwergerl" - die BankAustria ist ja dank Unicredit eine italienische Bank.

Seria
00
15.2.2012, 19:10

der Betrag ist wohl zu klein um Wirkung zu zeigen. Man verschweigt gerne, daß die Staatsverschuldung viel zu hoch ist und wenn davon gesprochen wird, daß man 2020 das EU Limit endlich erreicht haben will, dann sind das Träume. Es wird einfach gehofft, daß es schon irgendwie laufen wird, aber das leben ist nicht so ..

K 3
00
15.2.2012, 20:52

Man verschweigt auch, daß man vor 20 Jahren in einer unvorhergesehenen Situation war, und daß derartige Geschäfte 20 Jahre im Vorhinein geplant wurden.

Peter Lustig2
00
15.2.2012, 17:40

Endlich ein bisserl weniger Krempel bzw. Exposure, zumindest bei der Volksbank. Diesem Beispiel sollten Erste und Raiffeisen folgen, dann würde es besser um Österreichs Bonität ausschauen!

locken
20
15.2.2012, 17:31
Wann zahlt sie die Zinsen an den Staat zurück?

Android1337
01
15.2.2012, 18:07

Auf welcher Rechtsgrundlage sollten sie Zinsen zahlen? Hat der Staat ihnen ein Darlehen gegeben? Das ist mir eigentlich nicht bekannt...

Andreas W
30
15.2.2012, 19:47
Renne sie schon wieder mit Scheuklappen durch's Leben?

Informieren statt ignorieren!

Android1337
01
15.2.2012, 21:15

Sie brauchen sich nicht zu genieren. Es gibt genug Leute wie Sie, die Anleihen nicht von Aktien und Aktien nicht von Partizipationskapital unterscheiden können ;-)

Klemens Palser
00
15.2.2012, 22:01
damit ist wohl alles gesagt...

zwar kein feiner zug, aber partizipationskapital zahlt zinsen nur bei gewinn.

K 3
00
15.2.2012, 21:40

Meinen Sie jenes aus dem Jahr 1872 bei der Gründung des Allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs, welches 1922 zur Gründung dieser Bank genutzt wurde ?

in0time
00
15.2.2012, 17:58

gute Frage

Cocooning
00
15.2.2012, 17:40
wohl schon geschehen...

ich habe heute gelesen, dass die anleihe, für die der staat eine haftung übernommen hat, bereits getilgt ist. d.h. haftung entfällt. die haftungsgebühr wurde auch (bis auf ein bisschen was) bereits bezahlt.

parmigiano
00
15.2.2012, 20:17

nicht auf das ps-kapital vergessen!

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