Die neue Pension im Überblick

15. Februar 2012, 14:28
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Pensionsverluste und späterer Pensionsantritt drohen

Wien  - Das Sparpaket wird zum Teil einen späteren Ruhestandsantritt und eine niedrigere Pension bringen. Dafür kann ab 2014 bei der Pensionsversicherungsanstalt ziemlich exakt erfragt werden, wie hoch der Ruhensbezug einmal sein wird. Was sich genau ändert, im Folgenden.

Der Weg in die Pension

Wer nicht bis zum gesetzlichen Pensionsalter zuwarten will oder kann, hat es künftig möglicherweise ein wenig schwerer, vor allem wenn er erst später zu arbeiten begonnen hat. Denn das Antrittsalter für die Korridorpension bleibt zwar bei 62, allerdings muss man mehr Versicherungsjahre vorweisen, um den vorzeitigen Ruhestand antreten zu können. Sind es derzeit noch 37,5 Jahre, die zum Antritt berechtigen, steigt diese Vorgabe ab kommendem Jahr in Halbjahresschritten auf 40 im Jahr 2017.

Dazu komme noch, dass gemäß Loipersdorfer Beschlüssen ab 2014 auch das Antrittsalter für die Hacklerregelung um zwei Jahre auf 57 bzw. 62 steigt (bei Frauen 40 Jahre, bei Männern 45 Versicherungsjahre Voraussetzung). Zudem werden kaum noch Ersatzzeiten angerechnet, z.B. nicht mehr Krankengeldbezug oder nachgekaufte Schulzeiten.

Schwieriger werden kann es auch, wenn man sich zu krank für Arbeit fühlt und eine Invaliditätspension antreten will. Für Über 50-Jährige ändert sich grundsätzlich nichts, es sei denn, sie sind ungelernte Arbeiter. Deren Tätigkeitsschutz beginnt künftig erst mit 60 statt mit 57.

Für Unter-50-Jährige gibt es an sich keine I-Pension mehr. An dessen stelle tritt ein Reha-Geld. Das soll etwa die gleiche Höhe haben wie eine I-Pension. Der Vorteil der Maßnahme ist, dass die Betroffenen in die Kompetenz des Arbeitsmarktservice fallen und dieses entsprechende Umqualifzierungen initiieren kann. Für Unter-50-Jährige, bei denen keine Hoffnung besteht, sie wieder in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, wird es weiterhin die Option einer unbefristeten I-Pension geben.

Zäher wird es auch, was die Altersteilzeit angeht. Die Möglichkeit des Blockens entfällt. Bisher galt die Regel, dass man die Arbeitszeit nicht über die ganze Altersteilzeit reduzieren muss sondern auch die erste Zeit voll und die zweite Hälfte gar nicht arbeiten darf. Nunmehr wird es nur noch die Option geben, die Arbeitszeit durchgehend zu reduzieren und das fünf Jahre lang bis zum gesetzlichen Pensionsalter.

Der Pensionsverlust

Das Sparpaket wird gar nicht so wenigen eine niedrigere Pension bringen. Das beginnt schon einmal mit den Abschlägen für die Korridorpension. Sie werden von 4,2 Prozent jährlich auf 5,1 Prozent erhöht. Andererseits kann man auch die eigene Pension um 25 bis 30 Prozent erhöhen, wenn man drei Jahre länger arbeitet. Durch das Pensionskonto erhofft man sich im Sozialministerium, dass letztere Option für die Betroffenen sichtbarer wird.

Die zweite Möglichkeit, an Pension zu verlieren, ist das Defacto-Ende der Parallelrechnung. Nachdem die Ansprüche aus dem Altrecht künftig in eine Kontogutschrift umgewandelt werden, können Gewinne bzw. Verluste bezüglich der bisher erworbenen Ansprüche entstehen. Beim Jahrgang 1955 sind es plus/minus 1,5 Prozent. Der maximale Verlust bzw. Gewinn ist ab Jahrgang 1965 erreicht, nämlich 3,5 Prozent.

Höhere Beiträge müssen Selbstständige zahlen. Der Pensionsbeitrag in der gewerblichen Pensionsversicherung steigt mit Juli um einen Prozentpunkt auf 18,5 Prozent. Bei den Bauern soll ein "ähnliches Ergebnis" durch einen Mix an Maßnahmen (höhere Beiträge, Erhöhung der Berechnungsbasis etc.) erreicht werden.

Leichte Erhöhung der Höchstbeitragsgrundlage

Was Bezieher hoher Einkommen betrifft, ist die außertourliche Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage (die Grenze, bis zu der volle Sozialversicherungsbeiträge zu leisten sind) um 90 Euro im kommenden Jahr relevant. Die gleiche Erhöhung wird übrigens in Kranken-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung vorgenommen.

Bitter für die bereits in Pension Befindlichen ist, dass die Anpassung in den kommenden beiden Jahren unter der Inflationsrate liegen wird. Für 2013 wird ein Prozentpunkt abgezogen, 2014 dann auch noch 0,8. Der geplante Solidaritätsbeitrag für Sonderpensionisten (Nationalbank etc.) kommt zumindest fürs erste aus rechtlichen Gründen nicht.Das transparente Konto

Das Pensionskonto gibt es schon länger, wirklich sagen konnte einem die Pensionsversicherungsanstalt aber nicht, wie hoch der Ruhensbezug einmal sein wird. Das ändert sich ab 2014. Denn es wird die Pension nicht mehr mittels komplizierter Parallelrechnung zwischen Ansprüchen aus dem günstigeren Altrecht und jenen des weniger günstigen Neurechts errechnet. Stattdessen wird mit einer komplexen Formel eine Gutschrift aus den bisherigen Ansprüchen für das Pensionskonto errechnet, auf das auch alle künftigen Ansprüche aus dem Neurecht fließen.

Die konkrete Auswirkung: es ist für den Versicherten klar erkennbar, wie viel Geld er schon für die Pension angespart hat (also wie hoch sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt wäre) und wie viel er (ohne weitere Änderungen des Pensionsrechts) einmal erhalten dürfte. Verluste durch einen allfälligen Frühpensionsantritt könnte man sich selbst ausrechnen. Zeit für diese Umstellung hat die PVA bis 2014. Ab dann soll das Konto auch dank einer neuen EDV mit allen Daten gefüttert sein.

Relevant ist diese Umstellung für alle Jahrgänge ab 1955. Für die Älteren wird die Parallelrechnung weitergeführt. Beamte sollen angesichts der bei ihnen schwierigeren Umrechnung erst ab Jahrgang 1976 in das Gutschriftmodell einbezogen werden.

Nachkaufen ist teuer

Verlierer der aktuellen Reformen im Pensionsrecht sind jene, die exakt so viele Schul- oder Studienjahre nachgekauft haben, dass sie nach 37,5 Versicherungsjahren in die Korridorpension gehen wollten. Durch die Anhebung der Mindestversicherungsdauer für diese Pensionsart müssen sie nun entweder länger auf den Pensionsantritt warten oder aber weitere Schul- bzw. Studienzeiten nachkaufen. Das ist aber mittlerweile ziemlich teuer. Ist man nämlich schon über 55, sind immerhin 2.141 Euro pro Schul- oder Studienmonat zu bezahlen. Über-60-Jährige müssen noch einmal 115 Euro pro Monat drauflegen. Für Jüngere ist der Nachkauf mit 964 Euro deutlich billiger. (APA)

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