Die Mumie

Blog | Bert Rebhandl, 15. Februar 2012, 13:34

Meryl Streep spielt Margaret Thatcher - Von Bert Rebhandl

Der neue Film The Iron Lady, in dem Meryl Streep die frühere englische Premierministerin Margret Thatcher spielt, beschäftigt nicht nur die Filmkritiker und das Publikum bei der Berlinale. Auch die Intellektuellen sehen sich herausgefordert: Julian Barnes schreibt in einer Besprechung in der New York Review of Books über seine Befürchtungen, dass die Sicht auf das politische Erbe der Vorkämpferin des Neoliberalismus nun durch ihre Altersdemenz entschärft würde. Zugleich verleiht er dem Hype um The Iron Lady eine brillant sarkastische Note, indem er eine Anekdote erzählt, derzufolge Margaret Thatcher sich im Jahr 2001 auf einem Parteitag in Plymouth mit einem Filmtitel vorgestellt hatte: The Mummy Returns.


Als Mumie erscheint sie in der Darstellung von Meryl Streep natürlich gerade nicht. Die amerikanische Starschauspielerin, die mit dieser Rolle einmal mehr für einen Oscar nominiert ist, verweist aber darauf, dass ein gewisses Maß an Fiktion eine Rolle spielt. Die Szenen, in denen Thatcher als alte Frau zu sehen ist, bezeichnet sie als "imaginiert" (embed). Und für die gesamte Idee von The Iron Lady bemüht sie ein großes literarisches Vorbild: Sie spricht von einem "Lear for girls", in Anspielung auf Shakespeares Tragödie. Und natürlich ist für Meryl eher eine feministische Perspektive interessant, als dass sie der politischen Agenda von Thatcher Vorschub leisten wollte.

In dem Text von Julian Barnes findet sich am Ende der Hinweis auf eine aktuelle politische Initiative in England, die mit brillanter Ironie auf die Widersprüche von Thatchers Politik verweist. Bereits jetzt steht nämlich fest, dass sie ein Staatsbegräbnis bekommen soll. Dieses Begräbnis soll einer Petition zufolge "privatisiert" werden - wie so große Teile des öffentlichen Sektors auf ihre Initiative hin während ihrer Amtszeit. Dass allein der Staat am Ende die Ehre zuteil werden lassen kann, die man sich durch dessen Aushöhlung verdient zu haben meint, das wollen die über 30000 Unterzeichneten dieser Petition ihr so nicht durchgehen lassen. Sie verlangen im Grunde so etwas wie ein "Marktbegräbnis" im Gegensatz zu einem Staatsbegräbnis - ein absurder Gedanke, der aber einen kritischen Kern von einiger Schärfe hat.

Nicht fehlen darf hier schließlich der Hinweis auf Nick Broomfields Dokumentarfilm Tracking Down Maggie, in dem es auch schon sehr wesentlich um die Frage der Überführung politischer Macht in persönliches Vermächtnis ging. Die DVD dieses sarkastischen Antiporträts bildet ein wirksames Gegengift gegen jede hagiographische Anwandlung im Zusammenhang mit The Iron Lady.

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

  • Aktuelle Ausgabe: Cargo #15

    TitelbildCARGO ist eine in Berlin erscheinende Vierteljahreszeitschrift und ein Onlinemagazin zu den Themen Film, Medien und Kultur. derStandard.at/Kultur präsentiert in unregelmäßiger Folge Beiträge von CARGO.

    • Cargo Film Blog
      26.12.2012, 19:41
      Bert Rebhandl

      Pracht und Vorurteil [3]

      TitelbildIn der Türkei streitet man über eine TV-Mega-Serie zum "prächtigen Jahrhundert" des osmanischen Reiches

    • 28.11.2012, 14:08
      Bert Rebhandl

      Tragbares Dokumentformat [1]

      TitelbildMeine persönliche Printkrise. Die grundlegende Frage, die sich mit einem PDF-Abo stellt, rührt an das Selbstverständnis der Zeitungen

    • 6.11.2012, 13:35
      Ekkehard Knörer

      The White Guy [2]

      TitelbildHollywood pro Obama. Botschaften von prominenten Unterstützern finden sich auf der Website "90 Days, 90 Reasons"

    • 31.10.2012, 17:28
      Simon Rothöhler

      Kaffee & Komödie [10]

      Jerry Seinfeld hat eine neue Webserie

    • 11.9.2012, 13:14
      Ekkehard Knörer

      Der längste Film der Welt [4]

      TitelbildAm Dienstagabend begann auf der documenta die Non-Stop-Aufführung von Albert Serras mehr als hundertstündigem Film "Three Little Pigs"

Kommentar posten
14 Postings

bin gespannt auf den film.

was jedenfalls ausständig ist, ist eine grundlegende und minutiöse filmische aufarbeitung des neoliberalismus, seiner ursprünge und was er aus uns gemacht hat. etwas, das gemacht ist wie 'the century of the self' und 'all watched over by machines of loving grace' von adam curtis. etwas, das uns die tiefenstruktur des neoliberalismus vor augen führt und ins bewusstsein holt.

broomfield geht mehr auf die person thatcher ein, ich glaub aber, das ist nicht genug.

man kann die thatcher

mögen oder wahrscheinlich wohl eher nicht: sie hat GB auf jeden fall weiter gebracht und auch die streep zeigt ihre genialität.

The Mummy Returns

das war dann aber weniger "brillanter sarkasmus" von diesem herrn barnes, sondern thatchers selbstironie.

Die Mumie - Meryl Streep spielt Margaret Thatcher

für frau streep ist sich eva braun altersmäßig offenbar nicht mehr ausgegangen

Eva Braun war politisch nicht aktiv o_O

Zusammenhang??

Und wenn der freie Markt, also

die unsichtbare Hand, kein Pomp-Privatbegräbnis hergibt, dann normal verbuddeln wie jeden anderen...

josefinisch ;-)

Eine Frage haette ich noch.

Wie war der Film so?

Meryl Streep spielt Margaret Thatcher

Das Thema des Textes ist damit ganz klar keine Filmkritik sondern Denkanstösse zu Streeps Herangehensweise and die Rolle.
Oder wie sehen Sie das?

also ich hätte auch gerne gewusst, wie so der film war. ist das ein sehr irrwitziger gedanke?

Das habe ich gelesen...

Dann hatte ich eine Frage...

Also habe ich gefragt.

Und was ist das Problem?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.