Großer Ozean bedeckte den Norden des Mars

16. Februar 2012, 11:44
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Astronomen gehen von zwei Feuchtperioden aus - Wahrscheinlichkeit für vergangenes oder präsentes Leben ist trotzdem gering

Dass der Mars der Erde in seiner Vergangenheit viel ähnlicher war als heute, dafür hat die Wissenschaft mittlerweile zahlreiche Belege gefunden. Neben einer dichteren Atmosphäre dürfte der Rote Planet vor allem über große Mengen an flüssigem Wasser in Form von Flüssen und kleinen Seen verfügt haben. Nun sind Planetenforscher auf neue Hinweise gestoßen, die frühere Vermutungen bestätigen: der Mars war teilweise von einem großen Ozean bedeckt - und das vermutlich sogar zwei Mal.

Die neuen Erkenntnisse machen das Vorhandensein von Leben auf dem Mars trotzdem nicht wahrscheinlicher. Im Gegenteil: Eine zweite Studie, die auf Daten von der US-amerikanischen Sonde "Phoenix" basiert, kommt zu dem Schluss, dass auf der Mars-Oberfläche offene Wasserflächen nur sehr kurze Zeit existiert haben dürften.

MARSIS entdeckt Sedimente

Die Forscher rund um Jérémie Mouginot vom Institut de Planétologie et d'Astrophysique de Grenoble sind mit Hilfe der europäischen Raumsonde "Mars Express" auf der Nordhalbkugel des Mars Sediment- und Eisablagerungen von bis zu 80 Metern Tiefe auf die Spur gekommen - so weit jedenfalls kann das Radarinstrument "MARSIS" an Bord der Sonde in den Marsboden blicken. Die Wissenschafter fanden die Ablagerungen genau entlang der Küstenlinie eines Ozeans, der sich vor rund drei Milliarden Jahren gebildet haben dürfte.

Von langem Bestand war das Meer aber vermutlich nicht. Mouginot glaubt, dass sich der Ozean aus dem Schmelzwasser nach einem Asteroideneinschlag bzw. vulkanischer Aktivität speiste. Das geschmolzene Eis kam an die Oberfläche und ergoss sich in tiefer gelegene Regionen. Dabei führte es Geröll und Sedimente mit sich und grub die heute noch sichtbaren Täler und Canons in die Marslandschaft.

Nicht genug Zeit

Die zum Ozean aufgestauten Wassermassen dürften allerdings nur einige Hunderttausend Jahre in flüssiger Form existiert haben, ehe sie als Dampf ins All entwichen oder gefroren. Mouginot glaubt jedenfalls nicht, dass das Meer lange genug Bestand hatte um die Entstehung von Leben zu ermöglichen.

Neuere Analysen jener Daten, die der NASA-Lander "Phoenix" 2008 in der nördlichen Arktis des Mars gesammelt hat, legen den Verdacht nahe, dass in einigen Regionen das Wasser sogar noch geringeren Bestand hatte. Tom Pike vom Imperial College London und sein Forscherteam untersuchten die Mineralien-Zusammensetzung des Bodens rund um die Sonde und kamen zu dem Schluss, dass auf dem Roten Planeten in den letzten mehreren Hundert Millionen Jahren eine außergewöhnliche Trockenheit herrschte.

Den Einflüssen von flüssigem Wasser sei der Planet günstigstenfalls nur 5.000 Jahre ausgesetzt gewesen, schreiben die Wissenschafter in ihrer Studie im Fachjournal "Geophysical Research Letters". Zu kurz jedenfalls für die Entwicklung von Leben. Diese Erkenntnisse werfen allerdings eine neue Frage auf: Wie konnten diese großen Wassermengen in derart kurzer Zeit wieder verschwinden?

Älteres Leben

Die Chance auf einen in der Vergangenheit belebten Mars besteht trotz dieser neuen Daten weiterhin: Die Planetenforscher gehen davon aus, dass etwa eine Milliarde Jahre vor diesem Ozean weite Teile der Tiefebenen auf der Nordhalbkugel schon einmal von Wasser bedeckt waren. Damals verfügte der Mars noch über eine dichtere Atmosphäre, was dem Ozean eine längere Lebensdauer gewährte. Falls sich auf dem Mars je Mikroorganismen entwickelt haben, dann halten Wissenschafter diese Periode vor vier Milliarden Jahren für die wahrscheinlichste Zeit.

Ein verhältnismäßig schnell einsetzender Klimawandel kosteten den Mars fast seine gesamte Atmosphäre und beendete schließlich das erste Ozeanzeitalter. Spuren dieses hypothetischen Lebens könnten heute noch in tieferen Schichten des Marsbodens überdauert haben. Für deren Nachweis müsste allerdings tiefer gebohrt werden als es mit aktuellen technischen Mitteln möglich ist. (red)

  • Die Anzeichen mehren sich, dass die Nordhalbkugel des Mars vor drei bzw. vier Milliarden Jahren von Ozeanen bedeckt war.
    foto: esa, c. carreau, red

    Die Anzeichen mehren sich, dass die Nordhalbkugel des Mars vor drei bzw. vier Milliarden Jahren von Ozeanen bedeckt war.

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    Nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche des Mars fand der NASA-Lander "Phoenix" Wassereis. Aktuelle Analysen der "Phoenix"-Daten weisen allerdings darauf hin, dass flüssiges Wasser nur für kurze Zeit existiert haben dürfte.

  • Für jenen Ozean, der vor rund drei Milliarden Jahren beinahe den gesamten Norden des Mars bedeckte, nehmen Wissenschafter von der Northern Illinois University zwei Ausdehnungsvarianten an (hell- und dunkelblau). Die Forscher glauben sogar, dass es feucht genug war für ausgedehnte und regelmäßige Regenfälle.
    foto: wei luo/northern illinois university

    Für jenen Ozean, der vor rund drei Milliarden Jahren beinahe den gesamten Norden des Mars bedeckte, nehmen Wissenschafter von der Northern Illinois University zwei Ausdehnungsvarianten an (hell- und dunkelblau). Die Forscher glauben sogar, dass es feucht genug war für ausgedehnte und regelmäßige Regenfälle.

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