Trübe Auslandskonjunktur bremst Österreich ein

15. Februar 2012, 14:14
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Schulden- und Vertrauenskrise haben Ende vergangenen Jahres die Wirtschaft in Europa und der Eurozone gelähmt

Wien - Österreichs Wirtschaft ist Ende 2011 leicht geschrumpft. Im letzten Vierteljahr sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsabstand real geringfügig um 0,1 Prozent. Im dritten Quartal hatte das BIP noch um 0,2 Prozent zugelegt. Im Jahresabstand lag das Wachstum im vierten Quartal nur noch bei 1,2 Prozent, nach noch 2,5 Prozent im dritten Quartal, gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) am Mittwoch in seiner Schnellschätzung bekannt. Im Gesamtjahr 2011 wuchs das heimische BIP real um 3,1 und nominell um 5,3 Prozent. Bei ihrer letzten Konjunkturprognose Anfang Dezember waren das WIFO und das Institut für Höhere Studien (IHS) für das Vorjahr noch von einem Realwachstum von 3,2 bzw. 3,3 Prozent ausgegangen.

Rasche Erholung erwartet

Selbst wenn Österreich aufgrund eines zweiten Quartals mit schrumpfender Wirtschaft kurz in eine Rezession rutschen sollte, wird sich das Land recht rasch wieder erholen, spätestens zur Jahresmitte 2012, glaubt WIFO-Experte Marcus Scheiblecker: "Bis wir das in unserer Rechnung wissen, sind wir auch schon wieder draußen."

Insgesamt bekräftigt Scheiblecker für 2012 die BIP-Prognose des WIFO mit 0,4 Prozent realem Plus. Einige vorlaufende Konjunkturindikatoren seien gar nicht so schlecht, dafür sei Österreich vom Sparkurs in Italien ("unser zweitgrößter Exportmarkt") und den wirtschaftlichen Problemen Ungarns negativ betroffen. Auch Österreichs Sparpaket koste kurzfristig (2013/14) Wachstum, setze für die Zeit danach aber stimulierende Impulse.

Trübere Auslandskonjunktur

Grund für den leichten BIP-Rückgang ist die Eintrübung der internationalen Konjunktur. Sie ließ die heimischen Exporte erneut schrumpfen, und zwar um 0,5 Prozent im Quartalsabstand nach 0,2 Prozent Minus im dritten Quartal. Rückläufig waren sowohl die Warenausfuhr als auch der Export von Dienstleistungen. Die Konsumgüter-Anschaffung und die Anlageinvestitionen stabilisierten zwar gegen Jahresende die österreichische Wirtschaft, aber ebenfalls mit abnehmender Dynamik. Der Konsum der privaten Haushalte legte im vierten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zu, nach 0,3 Prozent im Vorquartal. Die größten Impulse gingen von den Anlageinvestitionen aus. Sie fielen im Schlussquartal real noch um 0,6 Prozent höher aus.

Bauinvestitionen stagnierten

Nachdem die Bauinvestitionen im ersten Halbjahr 2011 erstmals seit langem ausgeweitet worden waren, stagnierten sie im dritten Quartal und wurden im vierten Quartal erneut etwas eingeschränkt (-0,2 Prozent). Von einem Rückgang waren sowohl der Wohnbau als auch Nichtwohnbauten betroffen.

Die rezessiven Impulse aus dem Ausland schlugen sich laut Wifo vor allem in der Warenproduktion nieder. Hier war nach einem leichten Rückgang im dritten Quartal (real -0,1 Prozent gegenüber der Vorperiode) eine deutliche Verschärfung der Abwärtsdynamik zu beobachten: Im Schlussquartal sank die Wertschöpfung dieses Wirtschaftsbereichs um 1,3 Prozent.

Schrittweiser Rückgang

Das Wachstum der heimischen Wirtschaft hat in den vergangenen eineinhalb Jahren schrittweise von Vierteljahr zu Vierteljahr abgenommen. Lag das reale BIP-Plus im Quartalsabstand 2010 im dritten und vierten Quartal noch bei 1,4 bzw. 1,1 Prozent, verringerte es sich 2011 auf zunächst 0,9 Prozent und dann weiter auf 0,5 und 0,2 Prozent, ehe es Ende 2011 sogar um 0,1 Prozent ins Minus rutschte.

Eurozone gelähmt

Schuldenkrise und Vertrauensverlust haben Ende vergangenen Jahres die Wirtschaft der gesamten Eurozone gelähmt. Erstmals seit über zweieinhalb Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt der 17 Euro-Länder insgesamt gesunken. Es schrumpfte um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, ebenso das BIP in der EU-27, gab die europäische Statistikbehörde am Mittwoch bekannt. Zuletzt hatte es europaweit im Frühjahr 2009 ein Minus gegeben, um damals 0,2 Prozent.

Für Europa erwarten Volkswirte für die kommenden Monate einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung. Während einige Ökonomen den Absturz des Euroraums in die Rezession fürchten, sind andere optimistischer. Die Commerzbank rechnet mit einem leichten Rückgang im ersten Vierteljahr und schreibt laut dpa: "Damit dürfte dann das Schlimmste vorüber sein." Die Unsicherheit wegen der Schuldenkrise habe nachgelassen, in den USA und China gehe es der Konjunktur besser, was der deutschen Industrie einen Schub geben dürfte. (APA/red, derStandard.at, 15.2.2012)

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    Während es wettermäßig wieder milder wird, scheint die Eiszeit in der Wirtschaft erst richtig anzufangen.

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