Iranische Opposition nützt Internet als "Spinnennetz"

15. Februar 2012, 09:21

Aktivisten plauderten in Wien via Skype und persönlich aus dem Nähkästchen

Anlässlich einer Buchpräsentation in Wien haben oppositionelle iranische Aktivisten zu Wochenbeginn die Gefahren ihrer Tätigkeiten geschildert und über zukünftige Entwicklungen im Iran gesprochen. Via Skype-Schaltung schilderte ein Iraner, der unter dem Decknamen Mobarez Nastooh ("unermüdlicher Kämpfer", Anm.) agiert, dass diese Art von Gesprächen "lebensgefährlich" für ihn sei. Würde das iranische Regime seine Identität entlarven, drohe ihm dafür lebenslange Haft oder die Exekution.

Bandbreite an Vorsichtsmaßnahmen

"Aber wenn wir uns durch solche Strafen Angst machen lassen, dann sind wir Sklaven des Regimes und können die Demokratie vergessen", meinte "Nastooh" im selben Atemzug. Um das persönliche Risiko möglichst gering zu halten werde eine große Bandbreite an Vorsichtsmaßnahmen insbesondere im IT-Bereich getroffen.

Dazu gehöre die Manipulation von Proxies und Internet-Protokollen um "die Cyberarmee (des iranischen Regimes, Anm.) zu verwirren". Abgesehen davon gebe es eine weitreichende Zensur des Internets, die wiederum mit Programmen zum Umgehen von Software, die bestimmte Inhalte im Internet unterdrückt ("filter breaker") umgangen werde. Die Anwendung von "filter breakern" sei im Iran weit verbreitet - auch in der älteren Generation. Der Verkauf dieser Programme stelle mittlerweile ein florierendes Geschäft dar, skypte "Mobarez Nastooh" aus einer aus Sicherheitsgründen nicht identifizieren Stadt im Iran.

"herzlos und brutal"

Die Regierung unter Mahmoud Ahmadinejad sei "herzlos und brutal", niemand glaube mehr an die Seriosität der Wahlen: Die Wahlen seien eine "reine Show, eine reine Lüge", so der Regimegegner aus der Ferne zu dem Wiener Lokalpublikum. Die Anwesenden konnten im Rahmen der Live-Schaltung via Laptop an den Aktivisten am anderen Ende der Skype-Verbindung Fragen stellen.

Zur Thema des iranischen Atomprogramms zeigte sich die bei der Buchpräsentation persönlich anwesende iranische Aktivistin "Artunis" (nach einer altpersischen Kriegskommandantin, Anm.) überzeugt, dass Irans Regierung daran arbeite. "Spätestens im Sommer" rechne sie mit der Fertigstellung einer Atombombe.

"Spinnennetz"

Für den Iran gebe in dieser Hinsicht nur zwei Möglichkeiten: "Entweder hört der Iran mit seinem Atomprogramm auf und gibt wirklich auf oder er macht weiter und verursacht einen Krieg. In beiden Varianten ist der Verlierer das Land Iran", so "Artunis", die eine Anhängerin des im New Yorker Exil lebenden, 52-jährigen Sohn des ehemaligen Schah, Cyrus Reza Pahlevi (Pahlavi) ist.

Organisiert sei die iranische Opposition in einer Art "Spinnennetz", erläuterte Artunis. Jeweils ein Kern von etwa drei bis acht Personen, sei pro Person wiederum mit drei bis acht Aktivisten vernetzt. So habe sich ein weitläufiges relativ anonymes Netz entsponnen. Das führe dazu, dass die Oppositionellen nicht genau über ihre Personenstärke Bescheid wissen: "Wir wissen nicht wie viele wir sind", sagte sie. Sie selbst seien immer wieder überrascht über den Umfang von Anti-Regierungs-Aktionen. (APA)

baba baba
00
15.2.2012, 15:31
JA!

Das ist endlich mal eine gute Nachricht. Iraner warten schon seit drei Jahrzehnten auf die Zusammenarbeit der Opposition. Reza Cyrus Pahlavi ist bekannt und sehr beliebt. Wenn sie ihre Arbeit richtig machen, bekommt das iranische Volk neuen Mut und eine Aussicht wieder und diesmal richtig auf die Straße zu gehen. Bravo sag ich nur und VIEL GLÜCK!

LeChacal
63
15.2.2012, 10:03
Die Lautesten sind nicht die Meisten.

Im Iran, wie auch sonstwo, gibt es immer eine Minderheit mit besserer Bildung und besserer technischer Ausrüstung als der Rest der Bevölkerung.

DIE können dann für einen Umsturz sein - und die haben Zugang zu Computern und können sich auf Englisch verständlich machen.

Und dann gibt es noch eine ÜBERWIEGENDE MEHRHEIT, die dieses Regime unterstützt, vielleicht auch, weil sie das Fehlen von Demokratie ebenso gewohnt ist wie Europa im Mittelalter. Diese Mehrheit geht ihren täglichen Beschäftigungen nach, sie hat ANGST vor Umstürzen - weil sie ihre Familie und ihre Einkommensquellen in Gefahr bringen.

SO einfach wird das mit einem Umsturz dort also nicht; denn es sterben weniger für eine Idee, als andere durch ihren Alltag leben.

0Stoney0
00
15.2.2012, 13:57
Die "wenigen"

sind Ihrer Meinung nach für den Umsturz verantwortlich?

Und die Überwiegende Mehrheit, die Ihrer Meinung nach das Regime unterstützt, sieht beim ermorden Unschuldiger zu?

Selten ein Posting gesehen, dass von der Realität so weit entfernt ist.

LeChacal
00
15.2.2012, 14:28
P.S.:

SYMPATHISCH ist mir ihr Regime übrigens NICHT. ;) Nicht, dass Sie mich falsch verstehen.

LeChacal
00
15.2.2012, 14:23
Warum gibt es den Umsturz dann nicht längst?

Es wurden schon brutalere Regime umgestürzt!

Doch weder z.B. die jetzige chinesische, noch die jetzige iranische Bevölkerung, per se, will den Umsturz WIRKLICH.

Sehen Sie doch mal nach Afghanistan! Haben die jetzt in Massen aufgehört, fundamentalistisch zu sein und sind zu Demokraten geworden? Die sind in Wahrheit hinter ihrem System gestanden. Eine wirklich ungeliebte Guerilla kann sich über lange Zeit nicht halten!

Es gibt einpaar laute Typen, von denen sich hier einige Couch-Revolutionäre beeindrucken lassen: weil sie nur sie sehen. Aber die Mehrheit ist NICHT hinter einem Systemwechsel. Sie hätten bestenfalls einen Bürgerkrieg, schlimmstenfalls verlieren die Revolutionäre auf ganzer Linie!

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