Voestalpine kann Ergebnis halten

15. Februar 2012, 12:20
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Der Stahlkonzern hat seine Gewinne in den ersten drei Quartalen 2011/12 stabil gehalten, das Ergebnis legt leicht zu

Wien - Das Stahlgeschäft machte der börsenotierten voestalpine in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2011/12 zu schaffen. "Ein Nachfrageeinbruch infolge der Angst vor rezessiven Tendenzen führte in Verbindung mit deutlich sinkenden Rohstoffpreisen und massivem Lagerabbau im letzten Kalenderquartal 2011 in der Stahlindustrie europaweit zu Auslastungsproblemen und stark fallenden Preisen", erklärte Konzernchef Wolfgang Eder am Mittwoch. Zuerst gerieten die Mengen und dann auch die Stahlpreise weltweit unter Druck. Doch seit dem Jahreswechsel sieht der Konzern die europäische Stahlindustrie wieder im Aufschwung.

Die ersten Anzeichen dafür habe es mit Beginn dieses Jahres gegeben: Die Nachfrage habe sich erholt und erste Preiserhöhungen seien bereits spürbar geworden. Diese Marktbelebung sollte den Angaben zufolge "zumindest bis zum Sommer anhalten" - nicht zuletzt allein schon aufgrund lagerzyklischer Effekte. Der Abschwung der europäischen Stahlindustrie in den neun Monaten davor dürfte seinen Tiefpunkt hinter sich haben.

Im dritten Quartal 2011/12 schrumpfte der operative Gewinn der Stahldivision auf 9,9 Mio. Euro - im zweiten Quartal lag er bei 59,8 Mio. Euro, im ersten bei 101,3 Millionen. Im Neunmonatszeitraum verringerte sich der operative Gewinn (EBIT) in diesem Unternehmensbereich gegenüber der Vergleichsperiode 2010/11 um 31,6 Prozent von 250 auf 171 Mio. Euro.

Produktionskürzungen

Auf die zögerlichen Bestellungen der Kunden reagierte die europäische Stahlindustrie mit Produktionskürzungen. Bei der voestalpine ging die Auslastung am Standort Linz den Angaben zufolge auf rund 90 Prozent der Kapazität zurück. Die Rohstahlproduktion war dadurch in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Jahr davor von 5,71 auf 5,63 Mio. Tonnen leicht rückläufig.

Dank der stabilen Ergebnisentwicklung in den vier anderen Konzerndivisionen (Edelstahl, Bahnsysteme, Profilform und Automotive) seien die negativen Auswirkungen der Sparte Stahl auf das Konzernergebnis aber deutlich gedämpft worden. Konzernweit verbesserte sich das operative Ergebnis in den ersten drei Quartalen 2011/12 leicht von 658,2 auf 676,4 Mio. Euro (plus 2,8 Prozent).

Angesichts der weitaus kräftiger gestiegenen Umsätze, wo ein Zuwachs von 11,9 Prozent auf 8,88 Mrd. Euro erzielt wurde, gab die EBIT-Marge im Berichtszeitraum von 8,3 auf 7,6 Prozent nach. Der Periodenüberschuss stieg von 400,3 auf 411,4 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie (EPS) verbesserte sich geringfügig von 2,02 auf 2,09 Euro.

Damit hat der Konzern die von der Staatsschuldendiskussion und den Finanzmärkten ausgehenden Turbulenzen eigenen Angaben zufolge "vergleichsweise gut gemeistert". "Das ist die Folge der klaren strategischen Ausrichtung auf modernste Technologie und qualitativ anspruchsvollste Produkte sowie hin zu einer Wertschöpfungskette, die sich länger und umfassender darstellt als bei allen Mitbewerbern", so Eder.

F&E

In den kommenden Jahren will die voestalpine den Ausbau der Kapazitäten in Forschung und Entwicklung "mehr denn je" vorantreiben. "Aber neue Kapazitäten werden künftig kaum mehr in Europa entstehen, sondern in den Wachstumsregionen dieser Welt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sich Europa als Industriestandort immer stärker selbst infrage stellt", sagte Eder.

In den ersten drei Quartalen 2011/12 erhöhte die voestalpine ihre Gesamtinvestitionen gegenüber der Vergleichsperiode um 28,1 Prozent auf 353,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital stieg um 7 Prozent auf 4,87 Mrd. Euro. Dem stand eine Nettofinanzverschuldung von 2,99 Mrd. Euro gegenüber. Das Gearing (Nettofinanzverschuldung in Relation zum Eigenkapital) verbesserte sich weiter von 65,4 auf 61,3 Prozent.

Die Stammbelegschaft wuchs seit Anfang April 2011 bis Ende Dezember um 1.138 auf 41.216 Mitarbeiter. Inklusive Leihpersonal und Lehrlinge erhöhte sich die Zahl von 44.963 auf 46.468 Arbeitnehmer.

An der Börse erhöhte sich der Aktienkurs der voestalpine am Mittwoch bis zu Mittag um 3,98 Prozent auf 26,655 Euro. Seit Beginn des Geschäftsjahres 2011/12, (1. April 2011) verlor das Papier um 20,51 Prozent an Wert. (APA)

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