Brenner streichen

Experten zweifeln am Sparen bei ÖBB-Projekten

15. Februar 2012, 13:51

Großprojekte wie Brenner, Koralm und Semmering sollen langsamer gebaut werden, ein Infrastruktur­experte würde den Brenner ganz streichen

10,8 Milliarden Euro umfasste das geplante Investitionsvolumen der ÖBB in den kommenden vier Jahren für Infrastrukturprojekte. Weil die Regierung sparen will, verlangt sie das bekanntlich auch von den Staatsbahnen. Allein heuer sollen für Bauvorhaben der ÖBB knapp 50 Millionen Euro weniger ausgegeben werden als ursprünglich geplant. Von 2013 bis 2016 sollen dann 250 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Soweit so bekannt.

Kosten werden nicht geringer

Das größte Einsparungspotenzial sieht die Regierung beim Brenner-Basis-Tunnel, beim Semmering-Tunnel und beim Koralm-Tunnel. Durch technische Nachjustierungen und das Verschieben von kostenintensiven Bauphasen.

Für Sebastian Kummer, Infrastrukturexperte und oberster Lokistiker an der Wirtschaftsuniversität Wien, haben die Verschiebungen keinen Sinn. Die Projekte würden damit teurer, wenn man länger baue, wird er im Ö1-Morgenjournal zitiert.

Und Kummer stellt sich in dem Bericht die Frage, ob die ÖBB in der Vergangenheit zu teuer geplant und gebaut haben. ÖBB-Chef Christian Kern dazu befragt, verweist darauf, dass neue Erkenntnisse im Tunnelbau die Kosten deutlich reduzieren würden.

Große Schnitte nicht geplant

Um echte Einsparungen zu lukrieren, müsste die Regierung eines der großen Tunnelbauprojekte streichen, so Experte Kummer. Er schlägt einen Baustopp beim Brenner-Basistunnel vor. Dass sich die Regierung dazu nicht durchringen konnte, liegt für Kummer an politischer Taktiererei: im nächsten Jahr gebe es Wahlen in Tirol, dort würde die ÖVP befürchten zu verlieren, wenn man auf das Projekt verzichte.  Davon will allerdings Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) nichts wissen, wie sie im Ö1-Mittagsjournal sagt.

Beim Brennerbasistunnel fällt die Entscheidung über die Kostenbeteiligung der Union erst 2014, bis dahin werden "kostenintensive" Bauschritte verschoben. Bures hofft darauf, dass die EU 40 Prozent der Kosten übernimmt. "Durch Sparen allein kommt die Wirtschaft nicht in Schwung", so die Ministerin. Mit den Bauvorhaben der Bahn entstünden außerdem Arbeitsplätze. Grundsätzlich gelte es, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, also die Schieneninfrastruktur auszubauen. Die Hälfte der Investitionen fließe ins bestehende Netz. (red, derStandard.at, 15.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 203
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Fritz Gurgiser
00
19.2.2012, 10:44
Durch Fehlinvestitionen in

Verschwendungslöcher kommt die "Wirtschaft" erst recht nicht in Schwung, sonder werden ihr Milliarden entzogen, die in Folge in arbeitsplatzintensiven Projekten fehlen.
So schaut's aus - der Verkehrsministerin dürften also Arbeitsplätze samt der daraus resultierenden Steuern und Abgaben nichts bedeuten. Hauptsache, die ehrenwerte Gesellschaft einiger Bau- und Bankenmanager wird bedient.
LG
Fritz Gurgiser
www.transitforum.at

fredi 1990
02
16.2.2012, 11:48
solange prämien und zuzahlungen für mitarbeiter ausbezahlt werden,

die ihren ganz normaler arbeit nachgehen, ist es unvorstellbar, das dort gespart werden wird!

wahrscheinlich eh nur bei den kleinen!

_ silurus
00
15.2.2012, 19:59
" Grundsätzlich gelte es, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen"

Interessanter Ansatz, Frau Bures - und weshalb sollen dann die Ausnahmen der Energiebesteuerung fallen? Dies ist ein massiver Wettbewerbsnachteil gegenüber der Straße - wie sollen da jemals mehr Güter auf die Schiene gelangen???
Sorgen sie endlich für echte Kostenwahrheit im Verkehr -damit hätten sie viele Probleme gelöst!

F.S.K
30
15.2.2012, 23:11

dann müsste die bahn aber eingestellt werden.

glitsch
10
16.2.2012, 13:29
bla bla

legen sie doch eine umfassende aufstellung der kosten vor, um ihre behauptung zu untermauern.

Wolfgang Lederbauer1
00
15.2.2012, 15:26
...die Frage, ob die ÖBB in der Vergangenheit zu teuer geplant und gebaut haben... Er schlägt einen Baustopp beim Brenner-Basistunnel vor...Grundsätzlich gelte es, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen...

Der Brenner Basistunnel - eine unendliche Geschichte...

Nun wird bekanntlich der Erkundungsstollen errichtet. Wäre es nicht sinnvoll über eine spezielle Nutzung dieses Stollens nachzudenken?...

Um mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, sollte man über die notwendigen technischen Lösungen nachdenken.

Wir tun dies und werden zum gegegebenen Zeitpunkt für die angeführten und weitere Projekte ökonomisch und ökologisch optimale Lösungswege aufzeigen.

http://so-for-humanity.com2000.at

nussknacker8
00
15.2.2012, 20:38

leider wurden sinnvolle projekte wie die schleife selzthal, 4 gleisiger ausbau der südbahn bis wr neustadt etc nie vorantgetrieben sattdessen hat man lieber das geld für tunnels von kufstein bis innsbruck verwendet anstatt 2 gleise neben die bestandstrecke zu legen. Jetzt fehlt das geld für kleine projekte, weil nur mehr in die 3 tunnel investiert wird. Solange die deutschen die strecke von münchen bis kufstein nicht ausbauen, sollte der brennertunnel nicht gebaut werden.

Para Dox
01
15.2.2012, 23:47

Man sollte Geld, das für den Straßenbau vorgesehen ist, hin zu Bahn Projekten verlagern.

bahnfan
13
15.2.2012, 15:17
Fahrlässige Verkehrspolitik

Die Bahn hat aus den bekannten Gründen die Aufgabe, einen möglichst hohen Transportanteil (vor allem Güter, weil dort besonders effizient) zu übernehmen-und zwar möglichst rasch. Und für dieses Ziel müssten die Mittel eingesetzt werden. Was tut die Ministerin? Sie verschwendet den Löwenanteil der Mittel für Tunnelbau. Der verkehrliche Nutzen ist beim Brenner mindestens 14 vertrödelte Jahre gleich Null! (bis 2026 laut Bures). Der Schulden-Moloch Tunnelbau frisst dazu noch Mittel weg, die für die Erhaltung des Netzes dringend nötig wären. Dabei sind die Kapazitäten der Brennerbahn und der anderen Alpenquerungen noch auf Jahrzehnte keinesfalls ausgeschöpft, insbesondere wenn moderne Zugtechnik (Kupplungen) eingesetzt wird.

.::.wanderfalke.::.
 
01
15.2.2012, 17:38
SBT und KAT erschließen den Süden Österreichs

Enge Kurvenradien bewirken auf der Bestandstrecke, Hakenzuglast ist limitiert, 1.300-bis-1.400-to-Züge müssen geteilt und mit Doppeltraktion den Berg hinaufgeschleppt und auf der anderen Seite gebremst werden. Auch der Basistunnel verläuft nicht eben, hat aber bei weitem nicht die Neigung der Bergbahn. Im Gegensatz zu den geplanten Tunnels der Schnellfahrstrecke zwischen Stuttgart und Ulm (DE), sind sowohl der SBT als auch der KBT für den Personen- und für den Güterverkehr geeignet. Nicht zu vergessen: Die ÖBB fahren gen Süden auf Schienenwegen, die großteils noch zur Zeiten der Monarchie konzipiert und trassiert wurden.

bahnfan
00
15.2.2012, 20:27
Vergleichen Sie amerikanische Bahnen,

.::.wanderfalke.::.
 
00
27.2.2012, 09:16
Es hat berechtigte Gründe, weshalb die "amerikanischen Bahnen" in der EU keinen Vorbildcharakter haben.

Ich kann das auch aus persölichem Augenschein sagen, dass es beeindruckend ist, welche Länge Frachtzüge in den U.S. aufweisen. Die Art und Weise, wie dieser Bahnfrachtverkehr abgewickelt wird, ist aber kein Vorbild für Europa.

Erika Rothen
04
15.2.2012, 14:01
"Sebastian Kummer, Infrastrukturexperte"

Jeder Armleuchter, der fehlerfrei in einen Eisenbahnwaggon einsteigen kann, geht jetzt schon als "Infrastrukturexperte und oberster Lokistiker" durch...

MAXIMA
01
15.2.2012, 13:56
... Dilettanten am Werk ...

... erst in Krisenzeiten beweisen, sowohl Regierung wie auch Konzernmanager ob sie ihr Geld wert sind. Weder die jetzige Regierung noch die Manager in staatsnahen Betrieben sind weder fähig noch befähigt Krisen zu bewältigen. Die Dilettanten fliegen in der Krise auf, und trotzdem bleibt alles beim Alten.

Schwingschnelle
00
15.2.2012, 13:55

Die ÖVP wird mit oder ohne verlieren, und zwar nicht nur in Tirol.

Dilbert
00
15.2.2012, 14:02

Hoffentlich.

Esstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient
14
15.2.2012, 13:48

Ohne flankierende Schiene-statt-Straße-Maßnahmen der EU ist der Brennerbasistunnel verlorenes Geld. Noch verlorener aber ist der schon seit Jahren laufende Bau seiner Zulaufstracke im Inntal, wo die Bahn jetzt schon überwiegend 160 km/h fahren kann und Jahrzehnte von irgend einer Überlastung entfernt ist. Dafür werden wir selbst wenn Semmering- und Koralmtunnel fertig sind mangels irgendwelcher konkreter Ausbauprojekte noch Jahrzehnte mit Langsamfahrabschnitten bis 70 km/h zwischen Mürzzuschlag und Graz herumgondeln. Gleiches gilt für Tauern-/Salzachtalstrecke zwischen Golling und Bischofshofen. Soviel zur genialen Prioritätensetzung beim Bahnausbau in Ö.

Porqué no te callas?
00
15.2.2012, 15:45

schiene statt straße massnahme könnern wir uns durch unser herumeiern abschminken, da dafür verlässliche zusagen zum tunnel gemacht werden müssten. weiters ist diese massnahme schwierig, das viele einflussfaktoren für diese bis zur fertigstellung des tunnels nicht vorhersehbar sind und somit diese massnahme, wenn sie jetzt beschlossen wird, nichts wert und somit augenauswischerei ist.

die unterinntaltrasse beseitigt tatsächlich einen bottleneck, aber in der aktuellen ausgestaltung macht sie nur mit dem bbt sinn, sonst wären hier auch billigere varianten möglich gewesen.

es ist nicht immer alles so einfach wie es sich der kleine heinzi vorstellt.

nestrus
01
15.2.2012, 15:40
"Noch verlorener aber ist der schon seit Jahren laufende Bau seiner Zulaufstracke im Inntal, wo die Bahn ... Jahrzehnte von irgend einer Überlastung entfernt ist."

Das stimmt so nicht, das Unterinntal ist stark belastet, dort gibt es praktisch keine freien Trassen mehr für einen weiteren Ausbau der S-Bahn bzw. eine Verdichtung der Nahverkehrszüge z.B. in der Frühspitze.
Außerdem ist die alte Trasse für 160 km/h und die neue für 250, etwas Unterschied ist da schon noch.
Ganz zu schwiegen von der nötigen Entflechtung von Güter- und Personenverkehr, weshalb ja auch die Westbahn 4-gleisig ausgebaut wird!

Schwingschnelle
01
15.2.2012, 14:37

Lärmschutztunnelbahn.

richard ratphlat
 
214
15.2.2012, 13:45
Gibt es eigentlich einsparvorhaben bei der ASFINAG????

da gibt es sicher viel mehr einzusparen.

- lärmschutzwände
- schnellstraßenerweiterungen
- autbahnverbreiterungen

bei der bahn werden investitionen in die zukunft abgedreht.

bei der straße werden investitionen in die vergangenheit gefördert. zukunft hat das autofahren so wie wir es derzeit handhaben keine.

dieses sparpaket ist der tot der kommenden infrastruktur.

Schwingschnelle
04
15.2.2012, 14:39

Die unnötigen elektronischen Überkopftafeln wo bei Nebel draufsteht "Nebel".

Porqué no te callas?
00
15.2.2012, 15:46

oder bei stau "stau".

Voestler
01
15.2.2012, 13:37
Das ist das Unvermögen der Regierung.

Langsamer Bauen spart kurzfristig, verteuert ein Gesamtprojekt aber langfristig. Für die Budgets bis zur nächsten Wahl wird´s helfen und längerfristig zu denken reichen scheinbar Fähigkeit und/oder Verantwortung nicht.

Sinnvoller wäre es, ein Tunnelprojekt zu streichen.
Es gibt genug Strecken zu sanieren, die die ÖBB seit 20 Jahren und mehr vernachlässigt.

Außerdem gehört das Geld von den ÖBB abgezogen und Strecken ausgeschrieben. Die ÖBB haben kein Interesse und Motivation zum Betrieb von Pendlerstrecken und Nebenbahnen. Sie denken auch nicht an den Tourismus und sind eine Geldvernichtungsmaschinerie im Auftrag der Politik und dessen Spielball.

mrski
03
15.2.2012, 13:08
so sind Vergaben bei der ÖBB in der Vergangenheit gelaufen

Auch ich zweifle daß bei der ÖBB (zumindest in der Vergangenheit) sauber und ehrlich mit dem Steuergeld umgegangen wurde. Kein privat wirtschaftliches Unternehmen würde so handeln:
T-Mobile hat 3x eine ÖBB Ausschreibung für fahrendes Personal (Schaffner, Zugbeleiter..) gewonnen, aber leider haben sich immer kurz nach bekanntwerden wer die Ausschreibung gewonnen hat (t-Mobile) der Bedarf der ÖBB geändert, sodaß neu ausgeschrieben werden mußte.
Schlußendlich kam die ÖBB dann zur Auffassung das es gar keinen Bedarf gibt und es wurde der Auftrag nicht vergeben. Vermutlich wurde das fahrende Personal mittlerweile aus den A1 Verträgen bedient, wie ich denke zu sicherlich stolzen Preisen! Wir Steuerzahler leisten uns ja eine defizitäre ÖBB gerne

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