Sozialdemokratie In Österreich

Linke Alternativen

Leser-Kommentar | 15. Februar 2012, 09:17

Ein linkes Bündnis ohne Berührungsängste könnte eine Alternative zum "Crashkurs" der Großen Koalition sein

Die österreichische Sozialdemokratie ist nicht so leicht umzubringen. Aus zwei Gründen. Sie bietet für Anpassungsfähige schöne Karriereaussichten. Und sie hat eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion.

Nur die Sozialdemokratie ist in der Lage, wichtige Teile der arbeitenden Bevölkerung dazu zu bringen, eine Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik gerade noch zu akzeptieren, die jenen Menschen Verschlechterungen bringt, "denen es nicht so gut geht" - wie der jetzige Finanzjongleur Gusenbauer zu formulieren wusste, als er noch Oppositionsführer und SPÖ-Chef war.

Weil sie diese zweite Funktion nicht hingenommen haben und kompromisslos für soziale Gerechtigkeit eintreten wollten, sind schon viele Leute aus der SPÖ ausgetreten. Die Partei hat das bisher verkraftet. Warum?

Gründe für Parteiaustritte

Diese Menschen sind links eingestellt, einige von ihnen nehmen den Marxismus als Methode der Welterklärung und der Weltveränderung ernst, sie wollen es nicht hinnehmen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird.

Sie haben aber keine wirksame Kraft links von der SPÖ und den Grünen schaffen können. Warum: Sie sind im Wesentlichen vereinzelt geblieben oder engagieren sich in minoritären Projekten, die über den Kreis der ohnehin schon Gleichgesinnten nicht hinauswirken. Einzige Ausnahme ist die Situation in der Steiermark (wo die KPÖ als "konsequente" Linkspartei auch im Landtag vertreten ist).

Glaubwürdiges Linksbündnis als Chance

Wenn es aber gelingen könnte, ein Bündnis zustande zu bringen, das - für die Mehrheit der Bevölkerung verständlich und mit Frontfiguren, die glaubwürdig sind - Alternativen zum Crashkurs der Großen Koalition und zum gefährlichen Populismus der FPÖ anbietet, dann würde die Situation anders ausschauen.

Das wäre keine Partei, sondern ein Bündnis ohne Berührungsängste, weder vor Gewerkschaftern, die jahrzehntelang die herrschende Politik mitgetragen haben, aber jetzt einen Schluss-Strich ziehen wollen, noch vor KommunistInnen wie Ernest Kaltenegger und Elke Kahr.

Dieses Bündnis könnte die eingefahrenen Verhältnisse in Österreich zum Tanzen bringen. Und es wäre auch eine Hilfe für Versuche, innerhalb der SPÖ eine sozialere Politik durchzusetzen. (Leserkommentar, Franz Stephan Parteder, derStandard.at, 15.2.2012)

Autor

Franz Stephan Parteder, Jahrgang 1947, ist Klubsekretär der Grazer KPÖ. Ein Einschnitt in seiner politischen Biografie war der Austritt aus der SPÖ im Jahr 1973.

Weitere Kommentare zum Thema

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Parteiaustritt als überfällige Reaktion

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Posting 1 bis 25 von 150
1 2 3 4
Joseph EU
10
13.3.2012, 19:26
geh bitte....

kpö als "Alternative" - na das is ein voller 357er Revolver an der Schläfe auch eine Alternative...

iggi
11
artige analyse der sozialdemokratie

aber wenn schon dann braucht oesterreich mehr liberalismus, und das seit den babenbergern.

www.solidarisch-gegen-unrecht.at
03
21.2.2012, 18:07
Linke Alternative und Vergangenheit

Interessant, dass einen Vorschlag einer Linken Alternative immer die Vergangenheit eines anderen Landes (Sowjetunion) vorgeworfen wird, nie einer ÖVP - Vorgänger CSP - ein faschistes Regime, dass Massenmorde begangen hat, selten einer FPÖ - mit nationalsozialistischen Wurzeln, die in unserem Land wüteten. Ein vernünftige LINKE ist die einzige Möglichkeit die soziale Geisterfahrt der Parlamentsparteien zu beenden.

Brel
30
20.2.2012, 21:57
Die KPÖ kann nur hoffen,

dass die Jugend von heute nicht in den Geschichtsbüchern nachschlägt um festzustellen, dass die KPÖ 40 Jahre lange die mörderischsten kommunistischen Systeme ohne Wenn und Aber unterstützt hat. Gut, dass sie in die Bedeutungslosigkeit versunken ist und nur noch von wenigen versprengten Sektierern unterstützt wird.

rari
10
haben Sie gewußt, daß...

unter Stalin mehr Kommunisten umgebracht wurden, als unter Hitler ? Das von wegen "Kommunisten".

Brel
00
Sie haben Recht,

aber vergessen zu erwähnen, dass die von der österreichischen KPÖ zu jener Zeit (fast) nie thematisiert geschweige denn kritisiert wurde.

rari
10
16.2.2012, 20:56
Solange sich die KPÖ...

in ihrer Märthyrerrolle so toll vorkommt und sich nicht, wie die italienische KP von der Vergangenheit (Stalinismus) offiziell verabschiedet, wird sie immer die Mitverantwortung für den Rechtsdrall in Österreich tragen und als Appendix der politischen Szene von den konservativen Medien belächelt werden. Und es wird nie zu einer Neuen Linken Koalition als Alternative zur Alten Rechten führen. Obwohl wahrscheinlich viele Menschen darauf warten würden. Man muß auf historische Veränderungen reagieren und sich an reale Gegegebenheiten anpassen. Ein Fehler, den der gesamte, von Proleten tyrannisch beherrschte Ostblock zum Untergang geführt hat. Nicht der Prolet steht im Mittelpunkt von heute, sondern der/die BürgerIn.

Capricorn89
22
16.2.2012, 09:55
Kollege Parteder, den ich im übrigen sehr schätze,

hat in seiner Begeisterung für politische Arbeit leider eine Kleinigkeit übersehen: die Einteilung politischer Kräfte in "rechts" und "links" ist längst obsolet. Spätestens seit 1999 vollzieht sich nämlich in Österreich (und vermutlich auch im Rest Europas) heimlich still und leise der Wandel von der Demokratie zur Ökokratie. In einer solchen werden Entscheidungen nicht mehr von Politikern getroffen, sondern von der "Wirtschaft" (dieser Terminus dient hier mangels exakterer Definition als Arbeitstitel).
In einer solchen Situation ist ein Streit über politische Richtungen bestenfalls realitätsfremd.
Was wir wirklich brauchen, ist eine "Notwehrgemeinschaft", die sich die Wiederherstellung der Demokratie zum Ziel setzt. So schaut`s aus.

rothfront
24
16.2.2012, 11:06
blödsinn

1. entscheidungen wurden im kapitalismus schon immer von "der wirtschaft" getroffen, das wird auch (im kapitalimus) immer so bleiben.
2. die rechten sind die, die obiges auch so beibehalten wollen, sie werden damit auch nicht an ihrer so genannten "notwehrgemeinschaft" teilnehmen. die einteilung in links und rechts ist daher keineswegs obsolet.

sawi48
03
16.2.2012, 08:13
Bin dabei !

gurugoile
14
16.2.2012, 01:49
Es liegt leider in der Natur der Sache

Einer Links angesiedelten Bewegung driften die Leute mit steigendem Wohlstand spätestens in der 2. Generation Richtung Bürgerliche weg, geraden wegen des erfolgreichen Klassenkampfes.

Um auf Stimmenmaximierung zu gehen fischt die SPÖ eben bis mitte rechts. Was einen konsequenten Linken Kurs verhindert. Das Ergebnis sehen wir ein Umfaller nach dem anderen wenn es um Verhandlungen mit dem Koalitionspartner geht.

Ergo eine pure erfolgreiche Linkspartei verliert bei erfolgreichen Klassenkampf seine Wähler in Richtung Wohlstand.

Also noch ein paar Sparpakete und wir sind wieder arm genug um eine linke Spö zu haben ...

Hans Klade2
00

Sie haben die Natur des Menschen richtig erkannt. Der Mensch ist nie zufrieden. Geht es ihm gut, will er mehr und setzt durch dieses Streben nach noch mehr Gewinn und Besitz sein bisher gutes und sicheres Leben aufs Spiel. Erst wenn er durch seine Maßlosigkeit alle Möglichkeiten überspannt hat und im Chaos endet, kommt er wieder zur Besinnung. Es läuft in der Geschichte immer gleich ab. Der Mensch ändert sich nie. Aufbau und Zerstörung wechseln einander ständig ab.

99prozent
02
16.2.2012, 07:39
Wähler verlieren...

... nachdem man seine Arbeit erfolgreich beendet hat sollte für eine integere, ernstgemeinte Bewegung kein Problem sein.

Arbeitnehmerrechte gesichert? Gut, Danke. Eine Bewegung, die ein paar Jahre aufrichtig für eine Sache kämpft und sich wieder auflöst ist mir lieber als eine Partei wie die Grünen, die danach (mit Ausnahmen!) zu Sesselpickern und Parlamentsreptilirn mutieren. Außerdem würde es "den Mächtigen" zeigen, daß sich das alle paar Jahre -wenn nötig- wiederholen kann. Mit Menschen, die sich nicht einfach kaufen lassen.

Naiv? Gerne.

Alfred Zopf
00
18.3.2012, 20:37

Ich gebe Ihnen inhaltlich voll recht, gute Parteiprogramme werden durch die handelnden SesselkleberInnen ins Gegenteil verkehrt.

wien 1220
 
00
16.2.2012, 09:35

Und dann kommen die rechten Wahlsieger und drehen alles wieder um, abgesehen davon, dass man ja auch nicht sagen könnte, dass 1983 der Sozialismus in Österreich ausgebrochen wäre.

Das Problem war und ist ja, das gesagt wurde, wir haben alles erreicht.

bingoX
26
15.2.2012, 22:52
Eine Linkspartei

hat nur dann eine Chance wenn sie genau so populistisch ist wie die fpö. Weil auch die deutsche linkspartei ist ja im grunde genommen extrem populistisch!

Capricorn89
21
16.2.2012, 10:56
Eine Linkspartei hat nur dann chancen,

wenn sie sich endlich von den sozialromantischen Fieberträumen der Herren Marx und Engels verabschiedet und lernt, der Realität ins Auge zu schauen. Weil warum: eine klassenlose Gesellschaft ist nicht einmal theoretisch vorstellbar und eine Diktatur des Proletariats sollten wir uns (so wie auch jede andere Diktatur) auf keinen Fall wünschen. Schätz ich amal.

Wir sind die Guten!!
00
ich will eine welt ohne hunger, elend und krieg ..

ob man das klassenlose gesellschaft oder anders nennt, ist ein streit um kaisers bart ....

freiraumXi
02
marx/engels

..haben abseits von ihrer autoritären verwirrung und dem dazu passenden 'kommunistischen manifest' den grundsteing für jede wirtschaftliche und soziale wissenschaftliche analyse der gegebenheiten geliefert.

'Das Kapital' hat vor 140 Jahren vorweggenommen, was noch heute manch ein sog. 'wirtschaftswissenschafter' nicht versteht.

mit dem Vehikel 'historischer Materialismus' wurde nicht nur die halbe geschichte der menschheit plötzlich in sich stimmig und analysierbar, sondern auch das zukünftige handel des menschen absehbar. der kapitalismus ist nicht das ende der geschichte, sondern eine phase.

iggi
00

so hat halt jeder seine glaubenstexte. marx war sicher der letzte und unuebertroffene theorieversuch der klassischen politischen oekonomie. jeder geflissentliche linke sollte sich seine beschreibung der vorzuege des kapitalismus mal gruendlich durchlesen. globalisierung gut verhergesagt, dynamik der konsum-und wohlstandsgesellschaften allerdings ebensowenig vohergesehen wie einfluss des oeffentlichen sektors. als warner vor diktatur des proletariats immer willkommen, der Karli.

rothfront
13
16.2.2012, 15:18
marx und engels

waren die ersten, die die realität umfassend analysiert haben, mit fieberträumen hat das nichts zu tun. sie dagegen haben offenbar wenig ahnung von dem, was sie schreiben. so ist die diktatur des proletariats nur eine diktatur für die ehemals herrschenden klassen, für die breite mehrheit bedeutet sie echte demokratie. so wie die derzeitige bürgerliche "demokratie" für die mehrheit diktatur des kapitals bedeutet und nur für eine minderheit mit echter entscheidungsbefugnis verbunden ist.

Capricorn89
00
17.2.2012, 12:35
Wo kriegt man den Stoff,

den Sie sich reinziehen?

Marenko
00
21.2.2012, 01:00

Das Zeug nennt sich "Bücher" und das gibts in der Bibliothek oder im Buchladen ihres Vertrauens.

Viel Erfolg beim "Lesen" (so nennt sich das, wenn man ein Buch benutzt) auch wenns anscheinend das 1. Mal für sie wird

Wicked Vienna
00
16.2.2012, 11:40

Autsch.

Ceci n’est pas un Troll
20
16.2.2012, 08:44
Schon allein zu erzählen,...

...man könne ja dauernd Geld ausborgen und denen geben, die nicht arbeiten, damit sie nicht ärmer sind als die, die es tun, ist reiner Populismus.
Hat aber die meisten Linken nie gestört.
Populismus stört sie nur, wenn sie von Leuten kommt, die ihnen ideologisch nicht passen.

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