Explosionen in Bangkok sollten offenbar Israelis treffen

15. Februar 2012, 12:49
50 Postings

Zwei Iraner in Thailand angeklagt - Teheran weist jede Schuld von sich

Bangkok - Die Explosionen in Bangkok waren nach Angaben des thailändischen Geheimdiensts Teil eines Anschlagkomplotts gegen israelische Diplomaten. Drei Iraner hätten ursprünglich geplant gehabt, einen Sprengsatz an ein Diplomatenfahrzeug zu heften, sagte ein ranghoher Geheimdienstmitarbeiter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. "Dieses Team von drei Iranern ist ein Mörderteam und seine Zielscheibe sind israelische Diplomaten, der Botschafter eingeschlossen", sagte er.

Bei den Explosionen war am Dienstag ein Mann, der einen iranischen Pass bei sich trug, schwer verletzt worden. Ihm wurde beide Beine weggesprengt. Ein weiterer Iraner wurde am Flughafen festgenommen. Ein dritter flüchtete nach Angaben der Polizei in Richtung Malaysia. Nach zwei weiteren Verdächtigen, einer Frau und einem Mann, wird noch gefahndet

Zwei Iraner angeklagt

Nach Angaben des thailändischen Außenministers Surapong Tovichakchaikul wurden die beiden Iraner wegen versuchter Tötung und dem Hervorrufen einer "illegalen Explosion an einem öffentlichen Ort" angeklagt. Es sei zu früh, von einem Terroranschlag zu sprechen, hieß es von Behördenseite. "Zur Zeit gibt es keine Beweise, die bei diesem Vorfall auf Terrorismus schließen lassen", sagte Surapong. Die Identität der Verdächtigen müsse weiter überprüft werden, fügte er hinzu. "Wir sind mit der iranischen Botschaft in Kontakt und prüfen, ob es sich wirklich um Iraner handelt. Sie könnten auch falsche Pässe besitzen.

In Neu-Delhi war am Montag ein Anschlag auf ein israelisches Botschaftsfahrzeug verübt worden, an dem ein Sprengsatz befestigt war. Ein ähnlicher Anschlagsversuch in Georgien scheiterte. Der Iran bestritt jede Verwicklung in die Vorfälle und wies auch eine Verwicklung in die Ereignisse in Thailand zurück. Stattdessen beschuldigte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Ramin Mehmanparast, am Mittwoch Israel, hinter den Vorfällen zu stecken. Er sicherte Thailand Zusammenarbeit zu, um den Fall aufzuklären.

"Terrorismus"-Vorwurf aus Israel

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte dem Iran am Dienstagabend "Terrorismus" vorgeworfen. Auch der israelische Botschafter in Thailand, Izhak Shoham, bestätigte den Verdacht gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Selbstverständlich glauben wir, dass der Iran dahinter steckt", sagte er. Dabei verwies Shoham ebenfalls auf Ähnlichkeiten mit den Vorfällen in Indien und Georgien.

Ein israelischer Regierungsvertreter sagte am Mittwoch, Agenten des Iran und der libanesischen Hisbollah hätten versucht, israelische Diplomaten anzugreifen. Schon vor den Vorfällen in Bangkok, Neu Delhi und Tiflis habe es mehrere versuchte Anschläge auf Israelis gegeben. Es sei nicht darüber berichtet worden, weil sie vereitelt werden konnten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bekräftigte am Mittwoch im Parlament in Jerusalem, der Iran sei "der größte Terror-Exporteur der Welt". "In diesen Tagen werden die Terroraktionen des Iran vor den Augen aller aufgedeckt", sagte der Regierungschef. "Der Iran bedroht die weltweite Stabilität." Netanyahu warf Teheran vor, auf "unschuldige Diplomaten auf der ganzen Welt" abzuzielen.

Die Verdächtigen sollen sich nach Polizeiangaben am Dienstag in einem Haus im Bangkoker Stadtteil Phrahkhanong aufgehalten haben, als dort ein Sprengsatz explodierte. Anschließend seien sie vom Tatort geflohen. Ein Iraner habe versucht, ein Taxi anzuhalten. Als kein Wagen stoppte, habe er eine Granate geworfen. Anschließend habe er einen weiteren Sprengsatz auf ein Polizeifahrzeug werfen wollen. Dieser sei jedoch abgeprallt und neben ihm explodiert. Dabei wurden dem Mann beide Beine abgerissen. Die Polizei fand im Haus der Verdächtigen Plastiksprengstoff, hieß es.

Rache für Mord an Atomwissenschaftler

Beobachter halten es für möglich, dass es sich bei den Anschlägen auf israelische Diplomaten um Racheakte für die Ermordung iranischer Atomwissenschaftler handelt, für die Teheran den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad verantwortlich macht. Im Jänner war der 32-jährige Atomwissenschaftler Mostafa Ahmadi Roshan bei der Explosion einer Haftbombe an seinem Auto getötet worden. Es war der vierte derartige Anschlag auf iranische Atomwissenschaftler innerhalb von zwei Jahren.

Nach den Explosionen erneuerten die USA und Großbritannien ihre erst kürzlich aufgehobenen Warnungen für Bangkok-Besucher. Im vergangenen Monat hatten die US-Botschaft und zehn weitere ausländische Vertretungen vor möglichen Terroranschlägen auf US-Bürger und Israelis in der thailändischen Hauptstadt gewarnt. (APA)

Share if you care.