Monsieur le Président steigt hinab in die Arena

14. Februar 2012, 19:40
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Früher als geplant muss Präsident Nicolas Sarkozy seine Kandidatur für die Wiederwahl ankündigen

Gleichzeitig macht ihm die Ratingagentur Moody's einen Strich durch die Rechnung.

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Ein selbstbewusstes "Ja" - nicht mehr und nicht weniger erwarten sich die Franzosen von ihrem Präsidenten, um sich seiner Wiederwahl zu stellen. "Oui" sagte François Mitterrand 1988, "oui" sagte auch Jacques Chirac 2002 auf die entsprechende Journalistenfrage. Dieses republikanische Ritual ist jedes Mal der Gong zur Eröffnung des offiziellen Präsidentschaftswahlkampfes.

Nicolas Sarkozy wird am Mittwochabend via Fernsehsender TF1 in den Ring steigen, wie Elysée-Sprecher bestätigen. Vor wenigen Wochen noch hatten sie durchblicken lassen, Sarkozy wolle wie seinerzeit Mitterrand bis Ende März warten, um möglichst lange von seiner präsidialen Aura zu profitieren. Doch davon ist schon jetzt nicht viel übrig: In den Umfragen ist Sarkozy schlechter platziert als jeder Wiederwahlkandidat vor ihm.

Sarkozy hängt derzeit bei rund 25 Prozent fest, deutlich hinter seinem linken Herausforderer François Hollande. Der gaullistische Staatschef hat deshalb gar keine Wahl: Er muss angreifen, um wiedergewählt zu werden.

Am Wochenende lieferte er im Figaro bereits klare Statements ab: So fordert er für den Fall seiner Wiederwahl zwei Referenden - um die Rechte von Arbeitslosen und Ausländern zu beschneiden.

Mittlerweile hat er - mit welchen Mitteln, ist unbekannt - kleine Rechtskandidaten schon zur Aufgabe überredet: Am Montag stellte sich die Christdemokratin Christine Boutin hinter Sarkozy. Der Zentrist Hervé Morin dürfte folgen. Unsicher bleibt noch die Kandidatur des Sarkozy-Dauerrivalen Dominique de Villepin.

Politologen bezweifeln, ob Sarkozys Ankündigung, wieder antreten zu wollen, viel an den Umfrageergebnissen ändern wird. "Möglich, dass er ein wenig Auftrieb erhält" , meint der Meinungsforscher Jérôme Jaffré. "Ob sich der Trend umkehrt, steht allerdings auf einem anderen Blatt."

Von "stabil" auf "negativ"

Am Dienstag stufte die Ratingagentur Moody's zudem Frankreichs Wirtschaftsaussichten von "stabil" auf "negativ" ab - für Sarkozy eine persönliche Schlappe: Als Standard & Poor's Frankreich das Triple-A entzog, verteidigte sich Sarkozy noch ausdrücklich mit der Expertise von Moody's.

Daneben macht Sarkozy aber auch die verbreitete Zurückweisung seiner Person zu schaffen. Unter den zahllosen Internetpostings zu seiner Kandidaturerklärung war etwa zu lesen: "Angela Merkel soll ihm einen Job als Straßenkehrer finden - Frankreich will diesen Kasperl nicht mehr."

Der aus der Sarkozy-Partei UMP ausgetretene Ex-Minister Philippe Douste-Blazy rechnete am Dienstag vor, dass die Rechte mit dem Zentrumskandidaten François Bayrou bedeutend mehr Wahlchancen als mit dem amtierenden Präsidenten hätte. Dass Sarkozy von sich aus das Handtuch werfen und das Feld gesetzten Ministern wie François Fillon oder Alain Juppé überlassen würde, hatten insgeheim auch viele UMP-Vertreter gehofft - und Sozialisten befürchtet. Doch Sarkozy will es noch einmal wissen. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

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    Monatelang ließ er seine zuletzt stark schwindende Anhängerschaft zappeln. Am Mittwochabend will Nicolas Sarkozy endlich offiziell seine Wiederkandidaturankündigen.

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