"Auch der Tierschutz hat seine Grenzen"

15. Februar 2012, 06:15
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Gespart werden müsse auch im Tierschutz, verlangt der steirische Landesrat Johann Seitinger - Es müsse nicht jedes "Haserl und Mauserl" geschützt werden - Das koste Budgetgeld, das etwa der Behindertenhilfe fehlen könne

Graz - Sie werden immer pfiffiger, die steirischen Reformpolitiker. Jetzt legt sich eines der Regierungsmitglieder sogar schon mit dem Allerheiligsten des Massenblattes Kronen Zeitung an: der dortigen Tierecke.

In einem doppelseitigen Interview, das umrahmt war mit herzerweichenden Bambi- und Hunderlaufnahmen, sagte ÖVP-Politiker Johann Seitinger geradeheraus, was er sich als bodenständiger Bauer, der er nebenbei auch ist, so denkt. Dies wohl zu einigem Entsetzen zahlreicher Schmusetiereltern.

"Die Natur ist eben grausam"

Die Frage, was denn zu tun sei, im Sinne des Tierschutzes, wenn eine Feldhasenmutter von einem Auto überfahren werde und vier neugeborene, hilflose Jungen .... Die nicht mehr zu Ende gebrachte Frage beantwortete Seitinger knapp und präzise: "Die Natur ist eben grausam." Ja aber, folgt der besorgte Nachstoß, sollte man die Tierbabys so einfach liegen lassen? Seitinger: "Wenn die Mutter weg ist, gibt es ein größeres Tier, das Fressen braucht. Die Natur ist hart mit ihren Geschöpfen." So ist das Leben. "Na ja, es war vielleicht ein bissl hart formuliert, etwas dick aufgetragen, aber ich steh' dazu. Wir müssen endlich einmal sagen: auch der Tierschutz hat seine Grenzen. Es geht letztlich ja auch um Steuergelder, die wir dafür ausgeben", sagt der, auch für den Tierschutz zuständige Landesrat Johann Seitinger im Gespräch mit dem Standard.

Wenn, wie aktuell, auch in der Steiermark an allen Ecken und Enden gespart werden müsse, könne die Politik nicht vor dem Tierschutz Halt machen. Seitinger: "Dass Tieren in Not geholfen werden muss, steht außer Zweifel. Aber wir können nicht von Behinderten verlangen, dass sie verstehen müssen, dass womöglich Betreuungs-Leistungen eingeschränkt werden und auf der anderen Seite werden hunderttausende Euros an Budgetmittel - überspitzt gesagt - für Wildhaserl und Mauserl ausgegeben. Das geht nicht mehr."

Die Steiermark sei zu den Tieren ohnehin überaus großzügig gewesen. Selbst nach einer 13-prozentigen Kürzung der diesbezüglichen Budgetmittel gebe das Land aktuell noch immer 1,3 Millionen Euro für Tierschutzheime aus. Niederösterreich im Vergleich dazu nur 700.000, Salzburg 350.000 Euro, argumentiert Seitinger.

Zurück in die Nahrungskette

Für seinen Geschmack schieße der Tierschutz bisweilen schon ordentlich übers Ziel hinaus. Da existiere etwa ein Verein, der sich um kleine, aufgefundene Wildtiere kümmert und diese "mit der Pipette aufpäppelt". Hunderttausend Euro an Förderungen seien in diese Privatinitiative einer Tierliebhaberin an Förderungen reingeflossen. Mit dem Endeffekt, sagt Seitinger, dass die Tiere um teures Steuergeld aufgefüttert werden, dann in die Natur "ausgewildert" werden, wo sie wieder in die dortige Nahrungskette kommen.

Seitinger: "Man muss sich fragen, wo hört diese Art des Tierschutzes, dass jedes Viecherl beschützt werden muss, auf? Bei den Fliegen oder Wespen? Wie schaut das mit den Mäusen aus? Muss man die auch vor den Katzen schützen? Irgendwie muss man das alles bald einmal diskutieren."

Die Sache mit dem Tierschutz werde "ja zunehmend "schizophrener". Da gebe es große Bemühungen, Raubtiere wie den Bären oder Luchs in den heimischen Wäldern wieder anzusiedeln. Aber da sei dann eben auch diese Sache mit den kleinen, von Tierliebhabern als beschützenswert gehüteten Waldkleintieren, wie etwa Wildhasen. Seitinger: "Was glauben denn manche Tierschützer? Dass ich dem Bären sagen kann: So, ab morgen gibt's nur noch Karotten und Kartoffel? Glauben manche, dass Luchse und Bären plötzlich zu Veganern werden und sich von Grazer Krauthäupl und Kernöl ernähren? Die reißen in der freien Wildbahn , weil sie Hunger haben, süße kleine Lämmchen und putzige Haserl, jene Tiere, die vielleicht von Tierschutzvereine hochgepäppelt wurden."

Tierbesitzer sollen zahlen

Um die steigenden Kosten für den Tierschutz in den Griff zu bekommen, will Seitinger künftig jene Besitzer von Haustieren, die ihre Tiere in Heimen abgeben, zur Kasse bitten. Seitinger: "Wenn jemand ein Tier ins Heim gibt, weil er den Spaß daran verloren hat, soll er künftig die Tierheimkosten übernehmen. Solange, bis ein neuer Platz für das Tier gefunden ist. Wie kommt der Staat dazu, hier die Kosten zu übernehmen. Das sind Lebewesen, und ich möchte, dass Tierbesitzer auch die Verantwortung dafür übernehmen - und letztlich die Haftung." (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

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    Seitinger: "Dass Tieren in Not geholfen werden muss, steht außer Zweifel. Aber wir können nicht von Behinderten verlangen, dass sie verstehen müssen, dass womöglich Betreuungs-Leistungen eingeschränkt werden, und auf der anderen Seite werden hunderttausende Euros an Budgetmitteln - überspitzt gesagt - für Wildhaserl und Mauserl ausgegeben. Das geht nicht mehr."

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