Wie Europa das Teilen beim Forschen lernte

14. Februar 2012, 19:16
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Zu den ersten echten EU-Firmen gehören geteilte wissenschaftliche Infrastrukturen

Ähnlich komplex wie der Aufbau von Forschungsinfrastrukturen für die Geisteswissenschaften ist auch deren rechtliches Konstrukt. Grundsätzlich wurde für die Bewältigung von "Megathemen" der europäischen Forschung das European Strategy Forum on Research Infrastructures (Esfri) geschaffen. Esfri sieht vor, gemeinschaftlich nutzbare Infrastrukturen für Bereiche wie die Raumfahrt, die Energieversorgung und auch für die Sozialwissenschaften zu schaffen - mit geteilten Anstrengungen und ohne Doppelgleisigkeiten. Wie intensiv die nationale Teilnahme an Esfri-Projekten ausfällt, hängt aber letztlich stark von den Mitteln ab, die die jeweiligen Mitgliedsstaaten dafür aufbringen können.

Im Fall der Common Language Resources and Technology Infrastructure (Clarin) schien eine österreichische Beteiligung anfangs gefährdet. Clarin wurde just zu jenem Zeitpunkt ins Leben gerufen, als auch eine andere Entscheidung zu treffen war: Will man durch die finanzielle Teilnahme Österreichs an der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) die verfügbaren Gesamtmittel so weit reduzieren, dass andere Bereiche der Forschung dadurch zu kurz kommen?

Einmalige Starthilfe

Als Königsweg aus diesem Dilemma erwies sich letztlich eine Sonderkonstruktion für Vorhaben wie Clarin: Sie sollten EU-Firmen werden. So gab es zwar aus den gemeinschaftlich gefüllten Esfri-Fördertöpfen eine einmalige Starthilfe für Clarin, danach allerdings muss das Projekt auf eigenen Beinen stehen. Clarin wird deshalb gerade als European Research Infrastructure Consortium (Eric), also als EU-Firma mit eigener Rechtspersönlichkeit, organisiert.

Der Vorteil der Erics liegt gewissermaßen darin, dass deren Finanzierung breitgestreut werden kann und geringe nationale Mittel dennoch zumindest die Beteiligung ermöglichen. Clarin erhält zum einen Gelder von der Kommission, die über das siebente EU-Forschungsrahmenprogramm aufgebracht werden. Zum anderen ist die nationale Finanzierung durch das Wissenschaftsministerium und über Spin-offs von heimischen Universitäten gesichert.

Bisher gibt es nur ein einziges Eric - die Datenbank "Share" zur europaweiten, vernetzten Erforschung der Themen Gesundheit und Alterung. Clarin ist voraussichtlich das zweite Eric und kann erst dann seine operativen Strukturen vollständig aufbauen.

Am 21. und 22. Februar wird bei einer Konferenz in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter anderem präsentiert, inwieweit heimische Projekte zur Errichtung von europäischen Forschungsinfrastrukturen in den Geisteswissenschaften beitragen. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 15.02.2012)

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