Geöffnete Konten, enge Korridore

14. Februar 2012, 18:56
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Wie funktioniert das Pensionskonto? Verbirgt sich dahinter eine Kürzung? Was kostet künftig die Frühpension? Die Pensionsreform wirft viele Fragen auf - DER STANDARD hat Antworten zusammengetragen

Frage: Was ist ein Pensionskonto?

Antwort: Das Konto weist eingezahlte Versicherungsbeiträge, die Beitragsgrundlagen, sowie die bis dato angehäuften Ansprüche aus. Der Versicherte kann die angeführte Gesamtgutschrift durch 14 dividieren - und erfährt so, wie hoch die bisher erworbene Bruttopension bei einem Antritt im Regelpensionsalter sein würde.

Frage: Gibt es das nicht bereits?

Antwort: Bisher galt das Pensionskonto als ausschließliches System nur für Jahrgänge ab 1990. Mit 2014 sollen nun auch alle ab 1955 Geborenen überführt werden, deren Pensionen bisher in komplizierten Parallelrechnungen aus Alt- und Neurecht bestimmt wurden. Für Jahrgänge vor 1955 bleibt es beim alten System.

Frage: Versteckt sich dahinter eine Pensionskürzung?

Antwort: Im Altrecht erworbene Ansprüche werden so ins Konto übertragen, dass laut Sozialministerium die Einbußen oder Gewinne gegenüber der ursprünglichen Erwartung maximal 3,5 Prozent betragen.

Frage: Was bringt das alles?

Antwort: Bisher war das Pensionssystem eine Art Geheimwissen. Nun soll jeder Pensionist in spe seinen aktuellen Stand ausrechnen können - und erkennen, dass sich länger zu arbeiten auszahlt. Wer drei Jahre frühzeitig in Pension geht, verliert wegen Abschlägen ein Viertel seiner Leistung.

Frage: Bis wann muss man arbeiten?

Antwort: Das gesetzliche Regelpensionsalter beträgt 65 Jahre für Männer und 60 Jahre für Frauen. Es gibt aber Frühpensionen: die Korridorpension, die Invaliditätspension, die Schwerarbeiterpension und die "Hacklerregelung" für Langzeitversicherte.

Frage: Wird der Zugang zur Frühpension erschwert?

Antwort: Ja, zumindest was die reguläre Frühpension betrifft, den "Korridor". Dieser funktionierte bisher so: Wer 37,5 Versicherungsjahre erreicht, kann ab 62 in Pension gehen, muss aber für jedes Jahr vor 65 Abschläge von 4,2 Prozent zahlen. Dazu kommen noch einmal 2,1 Prozent für jenen Pensionsteil, der im Altrecht berechnet wird. Allerdings greift dabei auch ein Verlustdeckel.

Frage: Was ändert sich nun?

Antwort: Statt der 37,5 werden künftig 40 Versicherungsjahre verlangt, wobei die Anhebung ab 2013 in Halbjahresschritten erfolgt. Der Abschlag steigt 2014 auf 5,1 Prozent, gilt aber erst für Jahrgänge ab 1955. Weitere Übergangsfristen sind nicht geplant. Wer für die nächsten Jahre die Korridorpension angepeilt hatte, muss mitunter nun also doch länger arbeiten, weil die nötigen 40 Jahre fehlen. Es gibt aber die Möglichkeit, Schul- und Studienzeiten als Versicherungsjahre nachzukaufen, was im Vorjahr empfindlich teurer wurde. Ein Monat kostet 964 Euro, absetzbar von der Steuer.

Frage: Wer ist betroffen?

Antwort: Vorerst nur Männer. Für Frauen ist die Korridorpension noch nicht relevant - ihr Pensionsalter wird erst zwischen 2024 und 2033 schrittweise an das männliche Niveau angepasst. Überdies hält sich der Ansturm noch in Grenzen. Nur 5236 Menschen, gerade 5,7 Prozent aller Neopensionisten, wählten im Vorjahr diese Variante. Der Zuwachs betrug jedoch acht Prozent.

Frage: Gab es bei der Hacklerpension auch Einschnitte?

Antwort: Nein. Der Sozialminister beruft sich auf den Vertrauensschutz, zumal eben erst eine Reform beschlossen wurde. Mit 2014 steigt das Antrittsalter auf 62 (Männer) und 57 Jahre (Frauen), Bedingung bleiben 45 bzw. 40 Beitragsjahre. Weder können dann Schul- und Studienzeiten nachgekauft noch andere Ersatzzeiten angerechnet werden - Ausnahmen sind Kindererziehung, Zivil- und Präsenzdienst. Außerdem gibt es Abschläge von 4,2 Prozent.

Frage: Und die Beamten?

Antwort: Aus technischen Gründen kommen sie nicht ins gleiche, aber in ein entsprechendes System. Die völlige Umstellung aufs Konto gilt ab dem Jahrgang 1976. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

  • Sozialminister Rudolf Hundstorfer: Will mit dem Pensionskonto für (fast)
 alle etwas durchsetzen, woran frühere Regierungen scheiterten.
    foto: standard/cremer

    Sozialminister Rudolf Hundstorfer: Will mit dem Pensionskonto für (fast) alle etwas durchsetzen, woran frühere Regierungen scheiterten.

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