Griff in die Handkasse der Minister

14. Februar 2012, 18:41

Fünf Prozent weniger Ermessensausgaben verordnet die Regierung fast allen Ressorts - Die müssen nun ihre Förderlisten straffen und streichen - Wen es wie trifft, ist noch offen - "Es kommen alle dran", sagt der Kanzler

Fröhlich, nachgerade heiter rückten sie am Dienstag nach dem Ministerrat zum Pressefoyer an. Es war ein "normaler" Ministerrat. Anders als Freitagabend der Sonderministerrat, bei dem Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) der Nation ein Sparpaket verkaufen mussten. Da hatten die beiden angesichts der Schwere des Pakets bedeutungsschwere Mienen.

Nicht so am Dienstag. Selbstgewiss und überzeugt, dem Land in der Schuldenkrise die richtige Medizin verabreicht zu haben, zelebrierten der Kanzler und sein Vize Business as usual. Man freute sich über die positiven Arbeitsmarktzahlen - noch immer "Klassenbester" in der EU mit der niedrigsten Arbeitslosenzahl (4,1 Prozent), weiterhin sehr niedrige Zinsen für Staatsanleihen -, und auch der "Negativ"-Ausblick der Ratingagentur Moody's bei gleichzeitigem Erhalt des Triple-A trübte nicht die gute Laune. Denn das rot-schwarze "Konsolidierungspaket" sei da "noch nicht berücksichtigt".

Wie die darin geplanten "großen Brocken" gehoben werden sollen, etwa bei Pensionen oder Beamten, ist schon relativ klar.

Jetzt geht es aber um die Realisierung kleinerer Posten, etwa die Kürzung der "Ermessensausgaben" um fünf Prozent. Gefordert sind jährlich 170 Millionen Euro, in Summe 850 Millionen Euro, die von 2012 bis 2016 durch Kürzungen in fast allen Ressorts - ausgenommen Innen-, Wissenschafts- und Verkehrsministerium - aufgebracht werden müssen - wo konkret, ist den Ressorts überlassen.

Das ist quasi ein Griff in die Handkasse der Ministerien, auf jenen Budgetteil, der nicht gesetzlich oder vertraglich gebunden ist für Personal oder Mieten.

Das Kanzleramt etwa muss pro Jahr 3,4 Millionen Euro streichen - und hat die Wahl zwischen folgenden Posten im Förderplan, die für 2012 - vor dem Sparpaket - so dotiert werden sollten:

  • Parteienförderung 15,3 Millionen Euro
  • Parteiakademieförderung 11 Millionen Euro
  • Volksgruppenförderung 3,9 Millionen Euro
  • Frauenförderungen (46 Frauenservicestellen, Notrufe, Beratungsstellen, Frauenhäuser, Notwohnungen etc.) 5,3 Millionen Euro.

Dass die Parteienförderung gekürzt wird - in Kombination mit der Verkleinerung des National- und Bundesrats (Artikel Seite 3) -, ist bereits fix, die Höhe aber nicht. Faymann sagte: "Es kommen alle Positionen dran, es gibt keine Tabus beim Kürzen von Förderungen. Es wird gekürzt werden."

"Es ist offen", sagte auch Josef Ostermayer (SPÖ), Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Bis Ende der Woche würden die Ressorts entscheiden, wer ihren eingeschränkten Spielraum spüren soll.

Parteien und Medien

Auf die Kanzleramtsposten bezogen sagte er: "Bei der Frauen- und Volksgruppenförderung will ich ungern kürzen." Bleiben also noch Parteien und Presse.

Besonders eng bemessen ist der Spielraum für "freies Ermessen" im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Dort sind mehr als 80 Prozent des Budgets für Personalkosten gebunden. Bis 2016 hat Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) pro Jahr 18,2 Millionen Euro weniger frei zur Verfügung, um den Regierungsplan zu erfüllen. Da bei Bildung nicht gekürzt wird, blieben also "Kunst und Kultur" als Kürzkandidaten.

Beim Konjunktiv werde es auch bleiben, betonte man am Dienstag in Schmieds Ressort. Denn auch diese Bereiche des Ministeriums seien "tabu" für Einsparungen. Und bei einem Gesamtbudget von mehr als acht Milliarden Euro seien 18,2 Millionen auch ohne Streichkonzert machbar, sagte Schmied im Standard-Gespräch. "Es gibt stabile Förderbudgets für die Kunst und Kultur. Wir sparen so, dass weiter gleich viel Geld im Klassenzimmer und bei den Künstlerinnen und Künstlern ankommt. Das ist durch interne Umschichtungen und Sparmaßnahmen zu bewältigen."

Ist zu bewältigen. Muss zu bewältigen sein. Spindelegger wiederholte die Order für alle: "Die Beträge müssen erbracht werden." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

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21 Postings
Na geh

grad wollt ich auch eine Frauenförderungs-NGO aufmachen und mir Geld holen.

Charity- Buffets statt Armutsprävention und Grundrechte?

"Die in den Ermessensausgaben gestrichenen Hilfen werden dann auf Charity-Buffets von den selben Ministern und Landeshauptleuten als viel geringe Almosen für viel geringere Hilfe wieder hereingejammert"

http://www.ots.at/presseaus... rundrechte

Entwicklungszusammenarbeit ist leider auch nur eine Ermessensausgabe...

Im Fall von Bildung, Soziales und Kunst

wäre die Kürzung von Förderungen sicher das Ende von so manchen engagierten Projekten!

so ist es. hoffen wir also, daß es dazu nicht kommt.

Ich würde das Ganze gleich ein wenig "ehrlicher" angehen.

Da ja anscheinend die Banken das Land beherrschen würde ich auf diesen pseudo- demokratischen Blödsinn, den wir Regierung und Parlament gleich komplett verzichten.

Die könnten wir gleich mitsamt aller Ministerien (mit Ausnahme des Innenministeriums) abschaffen. Dann müssen noch alle Steuern bis auf Konsumsteuern abgeschafft werden und fertig ist die schöne neue Welt.

Und wer soll die Steuern einheben?

Der Wachdienst von den Banken

Die stehen meist eh nur faul in der Gegend herum, siehe Geldtransporter. Dann hätten diese Leute gleich Gelegenheit auch die Steuern einzutreiben. Am besten gleich mit gezückter Schusswaffe und Generalverdacht.

Presseförderung(Inserate)

Strukturreformen bei den Förderungen seien „nur Luftblasen und Überschriften.

http://www.youtube.com/watch?v=ub9K5WUQ9HI

Na wie wird das schon ausfallen?

- von Parteien- und Parteiakademieförderung eine Mio.
- von der Presseförderung 1 Mio
- von der Volksgruppenförderung 1 Mio
- und von den Frauenförderungen 1 Mio

Somit haben wir völlig verteilungsgerecht vier Mio eingespart. Wetten?

Besonders eng bemessen ist der Spielraum für "freies Ermessen" im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Dort sind mehr als 80 Prozent des Budgets für Personalkosten gebunden

äh und ich meine äääääääähhhhhhhhh.

die verwalten sich mehr oder weniger selber???
danke - schließen.

wollen Sie keine (Bundes)Lehrer mehr ?

Bezüglich Kunstförderung: die wurde im Lauf der Jahre schon kuontiniuierlich heruntergeschraubt. Eh klar, zer was braucht das "Kulturland" Österreich schon die Kunst!

Alle (Bundes)lehrer sind dem Ministerium zugeordnet!

Personal = Angestellte des Bundes im Bereich Kunst und Kultur. Denken Sie mal an die ganzen Museen, Theater, Kulturstiftungen, usw.

Sie haben die ganzen Bundeslehrer vergessen!

STOPP DEM DEMOKRATIEABBAU

für faygmann der intelligenztest schlechthin....

wird das kanzleramt bei der presseförderung, oder bei der parteienförderung die eu-weit im spitzenfeld liegt kürzen....

schwere, schwere entscheidung für den inseratekanzler.

Presseförderung ist nicht gleich Inserate. Diese Förderung wird nach gesetzlichen Richtlinien vergeben, von einem Gremium, und hat nichts mit den Inseraten zu tun.

wohl wahr....

was ich meinte war die schwere entscheidung faygmanns zwischen der parteienförderung und seinem hobby, dem inserateschalten.

dass die medien bei kürzung der presserförderung nicht jubilieren darf man annehmen.

schon die tatsache, dass die parteienförderung höher ist als die förderung der vierten säule im staat, macht kein schlankes fusserl....

um zig mia gehts , nicht um milliönchen
zum verständnis
1000 000 000 = 1mia erst

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