Sorgenkinder

EU nimmt zwölf von 27 Ländern auf Watchlist

Günther Oswald, 14. Februar 2012, 21:35

Nicht nur die bekannten Schuldenländer, sondern auch Immobilienblasen und Handelsbilanzdefizite bereiten der EU-Kommission Sorgen

Nicht nur die bekannten Schuldenländer stellen eine potenzielle Gefahr für die Europäische Union dar. Immobilienblasen, Schulden der Haushalte und Handelsbilanzdefizite bereiten der Kommission ebenso Sorgen.

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Brüssel/Wien - Einen Musterschüler mit zehn sehr gut gibt es in der EU nicht. Zumindest in zwei von zehn Wirtschaftsbereichen entwickelt sich jedes Land in der Praxis anders, als sich die EU-Kommission das in der Theorie vorstellen würde. Währungskommissar Olli Rehn hat am Dienstag den ersten Bericht über die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der EU vorgelegt.

Zwölf von 27 EU-Staaten werden nun genauer unter die Lupe genommen (siehe Grafik). Bleiben die Bedenken auch nach der vertiefenden Analyse noch bestehen, wird die Kommission im Sommer jedem Land Vorschläge unterbreiten, wie die Abweichungen korrigiert werden können. Gelingt die Korrektur innerhalb bestimmter Fristen nicht, kann eine Geldstrafe von bis zu 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung verhängt werden.

Das neue Verfahren ist eine Lehre aus der europäischen Schuldenkrise. Der alte Stabilitätspakt konzentrierte sich zum einen fast ausschließlich auf die Schuldenpolitik der öffentlichen Hand, schaffte es zum anderen aber nicht, dass die dort festgelegten Zielwerte auch eingehalten werden. Nun versucht man, umfassende Vorgaben zu geben - von der Leistungsbilanz, bis zur Privatverschuldung, Immobilienmarkt und Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Die Folge: Keineswegs nur Länder mit extrem hoher Staatsverschuldung stellen eine potenzielle Gefahr für das Funktionieren der Währungsunion dar. Bei den sonst immer als Vorbilder geltenden Schweden und Finnen besteht nach Ansicht der EU die Gefahr einer Immobilienblase.

Gleichzeitig erreicht der Leistungsbilanzüberschuss in Schweden den höchsten Wert aller EU-Länder (plus 7,5 Prozent).

In Dänemark wiederum ist der Schuldenstand der privaten Haushalten um rund 50 Prozent über dem angestrebten Wert. Bei diesem Kriterien fällt generell auf: In 15 von 27 Ländern sind die Privaten zu hoch verschuldet. In Großbritannien bereitet der Kommission der dramatische Einbruch bei den Exporten (minus 24,3 Prozent in den letzten fünf Jahren) Sorgen.

Die bereits unter den Rettungsschirm geflüchteten Länder Griechenland, Irland und Portugal sind von dem neuen Verfahren ausgenommen, da sie ohnehin schon unter Dauerbeobachtung von EU und Internationalem Währungsfonds stehen (IWF). Ähnliches gilt für Rumänien, das ebenfalls Hilfen vom IWF bekommt.

Neben den erwähnten Schuldenländern weisen Spanien und Zypern die meisten Abweichungen auf - sie erfüllen sechs von zehn Indikatoren nicht. Frankreich weicht zwar nur in zwei Bereichen ab, dort ist die Kommission aber über die stufenweise Verschlechterung der Handelsbilanz besorgt, weshalb das Land ebenfalls auf die Watchlist genommen wurde.

Umgekehrt müssen viele Abweichungen nicht zwingend als problematisch angesehen werden, wie das Beispiel Estland zeigt. Das Neo-Euroland erfüllt zwar fünf Indikatoren nicht, allerdings sind alle Abweichungen nur relativ geringfügig.

Österreich muss vorerst nichts befürchten. Die Exporte sind im Zuge der Krise zwar eingebrochen, haben sich im Vorjahr aber bereits wieder stabilisiert. Bei der Verschuldung der Haushalte liegt man nur geringfügig über dem Zielwert der Kommission (166 statt 160 Prozent des BIPs)

Keine Probleme hat auch Deutschland. Der vielerorts als Musterland dargestellte Nachbar wurde aber von der OECD zu Reformen aufgerufen. Ohne solche drohe schon in wenigen Jahren der wirtschaftliche Abschwung. "Ruht Euch nicht auf Euren Lorbeeren aus" , mahnte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría.

Entscheid über Finanzsteuer

Noch im März soll offenbar eine Entscheidung über das weitere Vorgehen der EU bei der Finanztransaktionssteuer gefunden werden. Die EU-Staaten könnten noch im kommenden Monat aufgefordert werden, Stellung zu beziehen, ob sie die Einführung einer EU-Steuer auf Finanzgeschäfte zustimmten oder diese ablehnten, sagten Diplomaten. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

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25 Postings
Was war nochmal mein Nick?
00
15.2.2012, 12:05

blasen gehören aufgestochen und dann ein pflaster drauf. heilt von selber. nur in der eu herrschen andere gesetzte. da werden blasen auf kosten der bürger ausgesessen.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
00
15.2.2012, 09:30
Nicht mehr als 10% Arbeitslosigkeit?

Nicht sehr ambitioniert, oder?

Seit mehr als 20 Jahren kommen die meisten EU-Staaten nicht von ihrer hohen Arbeitslosigkeit herunter. Aber ganz offensichtlich ist das den Politikern, und den Medien, wurscht.

Auch hier bei uns wird jedes Mal gejubelt wenn die Arbeitslosigkeit sinkt. Daß sie aber mit 6,9% (2011) im Jahresschnitt immer noch sehr hoch ist, interessiert offensichtlich keinen Menschen.

wer wenn nicht er
00
15.2.2012, 10:02
Populismus-Problem

Zur Senkung der Arbeitlosenquote müsste der Arbeitsmarkt liberalisiert werden, so wie das in Dänemark, Niederlanden oder Österreich der Fall ist.

Dies ist aber den Gewerkschaften in Dorn im Auge. Die schützen lieber ihre Arbeitnehmer auf Kosten der Arbeitslosen: In ALLEN Hocharbeitslosigkeitsländern (z.B. Spanien, Griechenland...) gibt es völlig überzogenen Kündigungsschutz.

Weg damit, dann ist auch die Arbeitslosigkeit binnen weniger Jahre Geschichte.

Leider ist dies nicht sehr populär.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
00
15.2.2012, 10:50
Österreich hat 6,9% (beschönigt)

Das ist eine unakzeptabel hohe Arbeitslosigkeit.

Nach Ihrer Definition dürften wir diese nicht haben.

Was stimmt also nicht an Ihrer Theorie?

wer wenn nicht er
00
15.2.2012, 11:04
Kennen Sie Arbeitslose? Ich schon:

Verdammt viele Leute kündigen ganz bewusst um mal ein paar Monate frei zu haben. Ist ja kein Problem, man wird ja eh wieder vermittelt.

Dann gibt es diverse Saisonjobs (Tourismus, Bau...). Da ist auch ganz normal, dass man ein paar Wochen im Jahr "stempelt".

Keinen Sie Leute, die arbeiten WOLLEN aber keinen Job finden?
Kenne ich auch: Sie alle haben Drogen- und/oder Akoholprobleme, sind psychisch krank oder haben andere wesentliche Einschränkungen, die es schwer für Arbeitgeber machen, sie gegen Bezahlung arbeiten zu lassen.

Tatsache ist: Die Beschäftigungsquote steigt seit Jahrzehnten (ehemalige Hausfrauen), zehntausende Zuwanderer finden Jahr für Jahr Jobs, dennoch leiden viele Branchen an Personalmangel.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
20
15.2.2012, 11:50
Aha, alles Drogenabhängige?

Ursprünglich habe ich Ihr Post ernst genommen. Jetzt, da ich weiß, daß es aus einem kranken Hirn kommt, bin ich eines Besseren belehrt worden.

wer wenn nicht er
00
15.2.2012, 13:40
Wieso "alles"?

Dies ist nun einmal meine persönliche Erfahrung. Ich erhebe keinen Anspruch auf statistische Korrektheit.

Kenne leider tatsächlich einige "gestrandete" Leute persönlich, die genau aus diesem Grund seit Jahren "pausieren". Dies reicht vom 55-jährigen Alkoholiker mit mehreren Entzugskuren, seit 10 Jahren ohne Job, über den 35-jährigen Metadonprogramm-Konsumenten, ebenfalls seit zig Jahren arbeitslos, zum 30-jährigen, der a bisserl zu oft den Eigenanbau verraucht und seit 2 Jahren keinen Bock auf Arbeit hat.

Ach ja, einen kenn ich noch gut, der pfuscht seit 1 Jahr im Gastrobereich Vollzeit und ist wegen psychischen Problemen schwer vermittelbar.

Mag an meinem Umfeld liegen, aber ich kenne keinen Arbeitslosen der arbeiten WILL.

Sie?

Wolfgang Pimminger
 
10
16.2.2012, 20:32
Also entweder

Sie haben Ihren Hauptwohnsitz beim AMS, oder Sie sind schlicht und ergreifend ein Idiot.

wer wenn nicht er
00
17.2.2012, 09:56
Weshalb die sinnfreie Beschimpfung

Selber Arbeitslos?

Wolfgang Pimminger
 
00
17.2.2012, 12:20
Ja! Und Sie? Beamter?

wer wenn nicht er
00
17.2.2012, 18:26

Nein, Workoholic in der Privatwirtschaft.

Wolfgang Pimminger
 
00
18.2.2012, 06:51
Ah, daher also das Umfeld aus lauter Süchtigen.

wer wenn nicht er
00
18.2.2012, 11:03

Die genannten Personen reichen vom Nachbar der Eltern bis zum ehemaligen Schulkollegen.

Dies ist aber keine Drogen- sondern Arbeitslosendiskussion.

Daher zu Ihnen:
Kennen Sie Arbeitslose?
Wer war in IHREM Umfeld zuletzt arbeitslos und warum?
Wurde jemand wegen Arbeitsmangel entlassen und fand danach keinen Job mehr weil der Markt tot ist?

Bitte um Ihre Erfahungen.

Wolfgang Pimminger
 
00
18.2.2012, 14:09
Freilich kenne ich Arbeitslose

Ich bin einer davon und seit über 2 Jahren auf der Suche. Nächste Woche kann ich - Gott sei Dank - mit einer neuen Ausbildung beginnen. Vielleicht schaffe ich in einem neuen Berufsfeld einen Einstieg. Sicher ist das auch nicht.

Ich hab auch andere kennengelernt und zwar nicht zu Wenige. 3 Monate Zwangskurs des AMS und sie kommen mit jeder Menge Leute in Kontakt. Die Anzahl der Schmarotzer/Alkoholiker/Süchtigen hält sich sehr in Grenzen, die der Verzweifelten ist ziemlich groß.

Aber ich hab auch Erfahrung aus einem ganz anderen Bereich: Führungskräfte - Kompetenz die regelrecht aus dem Kragen quillt. Und arbeitslos. Mitunter schon ein Jahr und länger. Traurige Realität

wer wenn nicht er
00
18.2.2012, 14:21
Ohne zu neugierig sein zu wollen

Welchen Beruf hatten Sie bisher?
Wie wurden Sie arbeitslos?
Gibt es keine Jobs mehr in Ihrem angestammten Beruf?

Wolfgang Pimminger
 
00
18.2.2012, 14:31
Sie dürfen mich gerne anschreiben.

Meine Mailadresse ist bekannt.

Bergal
00
15.2.2012, 09:27
Weiterzahlen

Schnüren wir doch noch ein Rettungspaket und zahlen brav nach Brüssel ein, denen muss doch geholfen werden.

falsa demonstratio non nocet
00
14.2.2012, 22:33
Schaut ein Wirtschaftsministaer auch auf die Börse?

Wenn ja, dann hat er keine Ahnung von Wirtschaft, ABER das Geld geht den Bach runter.

Wenn nein, dann ist mir alles klar.

MMn, wird bald etwas passieren, der große Zusammenbruch.

Nur eine echte WEltwährung ist die Rettung!

Novus ordo seclorum!

noexist
 
00
15.2.2012, 08:55

Etwas ohne Gegengewicht ist immer ein Problem. Egal, ob das eine Weltwährung ist, oder der "freie Markt".

Ruben Weil
00
14.2.2012, 21:39
Watchlist?

War da nicht der Waldheim auch schon drauf? Ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern ;-)

Miss Spock
12
14.2.2012, 21:00
Tja, und was sagt die EU dazu:...

Ein Europäischer Konzern reduziert in Europa 4000 Arbeitsplätze. In Ungarn und auch in Finnland, und verlegt die Produktion nach ASIEN, unter anderem weil es der Konzern dort mit der Zulieferkette leichter hat. Leider müssen wir dazu schreiben. Es geht diesen Konzern nicht besser, weil auch der Wechsel von Deutscher Produktion nach Rumänien nichts brachte. Ein anderes Beispiel ist ein Deutscher Konzern der Technologie entwickelt, sie verkauft hat, und mit diese Maschinen in 3 Länder leicht 8000 Arbeitsplätze reduziert.Auf der einen Seite steht Deutschland super da, aber andere verlieren ihre Arbeit, weil wenige darüber entscheiden das sie diese Maschinen zu gunsten Gewinnbildung einsetzen.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
00
15.2.2012, 09:32
Kannitverstan.....

Tildy
02
14.2.2012, 19:32
Es kann mit einem Wort niemals funktionieren.

hm82
 
00
14.2.2012, 20:28

Das sind aber etwas mehr als nur ein Wort.

Miss Spock
00
14.2.2012, 21:03
Leider hat Europa nichts aus der Geschichte seiner Länder gelernt...

.. esscheitert aber auch daran, weil man sich BRÜSSEL nicht jetzt überlegt, wie das in Zukunft weitergehen soll. Einfacher gesagt: Nicht mal die beste Familie hat Wunsch- oder Wunderkinder. Nicht alle sind perfekt.

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