Volksbanken verkaufen Flügel und Freiheit

14. Februar 2012, 18:28
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Der Verkauf der Volksbank International wird abgeschlossen. Die "kleinen" Volksbanken wollen einen Haftungsverbund bilden, der sie ihre Freiheit kostet

Am Mittwoch wird der Verkauf der Volksbank International abgeschlossen. Und die "kleinen" Volksbanken fassen den Beschluss, einen Haftungsverbund zu bilden, der sie ihre Freiheit kostet.

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Wien - Der heutige Mittwoch ist für den Volksbankensektor einmal mehr ein Tag, an dem, flapsig ausgedrückt, der Aff' ins Wasser springt. Und das gleich zwei Mal: Zum einen wird der Verkauf der Volksbank International (VBI; Ostbankenholding des Sektors) an die russische Sberbank perfekt gemacht. Die Käufer sind aus diesem Grund in Wien, der Kaufpreis (480 Mio. Euro) wurde überwiesen, nachdem ungarische und ukrainische Notenbank als letzte Aufsichtsbehörden ihren Sanktus zu dem Deal gegeben haben. Damit ist die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG; Mehrheitseignerin der VBI) viel Risiko los und auch den Status "systemrelevante Bank".

Trotzdem gilt es, das verlustreiche wie eigenkapitalschwache Institut, das den "kleinen" Volksbanken gehört, zu stabilisieren - ein Schritt dafür soll am heute stattfindenden "Gruppentag" des Österreichischen Genossenschaftsverbands getan werden. Der Sektor soll ja einen strengen Haftungverbund bilden ("Rabobank-Modell"), die ÖVAG zum durchgriffsstarken Spitzeninstitut ("Verbundbank") werden. Beim Gruppentag wird den Volksbanken nun der letzte Schliff des Haftungsverbundmodells präsentiert - gleich darauf sollen sie den nötigen Grundatzbeschluss zur Umstrukturierung des Sektors in Richtung Haftungsverbund fassen.

Bis jetzt regt sich Widerstand gegen das Verbundmodell; vor allem Tiroler und Südösterreicher sträuben sich gegen die Durchgriffsrechte, die der Verbundbank ÖVAG im Gegenzug zur Eigenkapitaladdition eingeräumt werden. Mit den von den freiheitsliebenden Volksbanken gewünschten Verwässerungen dieser Weisungsrechte ist aber nicht zu rechnen - dafür sorgen schon die Aufseher von der Nationalbank. "Das Modell: 'Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass' wird es nicht spielen", drückt das einer der Involvierten aus.

Offen sind derzeit auch noch Details für die Abbaubank, in die die faulen Kredite aus der Investkredit, das Leasing-Geschäft und die Geschäfte der nicht an die Sberbank verkauften Volksbank Rumänien eingebracht werden. Für sie muss die Republik Garantien geben, die Höhe ist aber noch nicht ausdiskutiert.

Intensiv gefeilt wurde bei Spitzeninstitut und Abbaubank an den Beteiligungsverhältnissen. Der Stand der Dinge: Die Abbaubank ist an der Verbundbank ÖVAG beteiligt; die "kleinen"Volksbanken halten die Mehrheit an Verbundbank wie Abbaubank. Minderheitsanteile an ihr halten die deutschen Bank-Partner (aus der gemeinsam VBI-Zeit) und der Bund als Partizipationskapital-Eigner; indirekt sind sie also auch an der Verbundbank beteiligt. Durchgerechnet werden die Volksbanken rund 75 Prozent besitzen - so lange der Bund sein PS-Kapital nicht wandelt.

Auf der Beteiligung an der Verbundbank hat vor allem der Bund bestanden, der Grund ist nachvollziehbar: Man will nicht nur an den Risiken der Abbaubank (eine Art Bad Bank Light, weil sie neben Abwicklungs- auch "lebendes" Geschäft mit Verkaufspotenzial beinhaltet) teilhaben, sondern auch am theoretisch vorhandenen Ertragspotenzial der Verbundbank ÖVAG. (Renate Graber,
DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

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