Schmerzhafte Nadelstiche

Kommentar14. Februar 2012, 18:20
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Die Iraner haben nur wenig Interesse daran, Israel einen echten Grund zum Losschlagen zu liefern

Seit vor vier Jahren der libanesische Terrorist Imad Mughniyeh durch eine Autobombe getötet wurde, versucht die Hisbollah sich mit ähnlichen Attentaten an Israel zu rächen. Die Hisbollah hält Israel für den Urheber des Mughniyeh-Mords und liegt damit wahrscheinlich ebenso richtig wie Israel, das die Hisbollah und ihre iranischen Sponsoren - die eine Rechnung für eine Reihe toter Atomwissenschafter offen haben - hinter den Attentaten und Attentatsversuchen von Tiflis bis Bangkok sieht.

Die Erfolgsgeschichte für Israel, die darin besteht, dass über Monate und Jahre solche Pläne abgefangen werden konnten, hat einen Rückschlag erlitten. Aber die gute Nachricht steckt in der bisherigen Beschränktheit - in mehrerlei Hinsicht - dieser Aktionen. Wobei die große Frage für die Geheimdienste folgende ist: Können die das nicht besser, oder wollen sie gar nicht viel mehr als das?

Die grausame Antwort könnte jederzeit in Form eines großen Anschlags kommen. Aber es gibt auch Argumente dafür, dass sich Hisbollah und Iran mit schmerzhaften Nadelstichen gegen Israel zufriedengeben. Die Hisbollah ist, obwohl sie militärisch stärkste Kraft im Libanon bleibt und die Regierung von ihr abhängig ist, auf einem Tiefpunkt. Durch ihre Allianz mit dem Assad-Regime in Syrien ist sie auf der arabischen Straße unten durch. Den Iranern geht es nicht besser. Sie haben nur wenig Interesse daran, Israel einen echten Grund zum Losschlagen zu liefern. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

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