Die Passion des Pattex-Präsidenten

Analyse | 14. Februar 2012, 18:12

Unkündbarer Wulff verliert immer mehr an Rückhalt

Jetzt hat er tatsächlich den Rubikon überschritten, wie die Bild-Zeitung und andere deutsche Medien hämisch feststellten: Nach Italien, zum Staatsbesuch, ist der deutsche Bundespräsident Christian Wulff gereist. Und mit ihm all seine Probleme und Affären.

Die mitreisenden Journalisten interessieren sich mehr für sein Verhältnis zu reichen Freunden als für die deutsch-italienischen Beziehungen. Das ist Wulffs großes Problem: Seine Termine sind von der Causa prima überlagert, unbefangenes Repräsentieren ist äußerst schwierig geworden.

Am Sonntag gab er anlässlich der Berlinale einen Empfang für Filmschaffende. Viele blieben aus Protest fern. "Es wäre mir peinlich, wenn Herr Wulff mich nach Freikarten für meinen neuen Film fragt", ätzte Regisseur Hans Weingartner (Die fetten Jahre sind vorbei). Das Staatsoberhaupt ist längst zur Witzfigur geworden.

Eine Art ungläubige Lähmung hat sich über das politische Berlin gelegt. Fassungslos müssen auch Parteifreunde erkennen, dass Wulff einfach nicht weichen will. Seine wenigen Fürsprecher verweisen darauf, dass es keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn gibt. In Hannover und Berlin sind die Staatsanwaltschaften noch am Prüfen, ob sie wegen Vorteilsnahme im Amt offiziell Ermittlungen aufnehmen werden.

Der Opposition reicht es auch so. Ein Sylt-Urlaub, gebucht von einem Unternehmer, danach von Wulff angeblich bar bezahlt? Ein Upgrade im Luxushotel, ebenfalls vom reichen Freund finanziert, und Wulff wusste von nichts? Völlig unglaubwürdig, sagen SPD, Grüne und Linke unisono.

Dennoch: Tägliche Rücktrittsforderungen gibt es, vor allem aus der SPD, nicht. Auch sie hat nach dem Rücktritt von Wulffs Vorgänger Horst Köhler im Mai 2010 kein Interesse an einer Neuwahl. Und sie weiß: Wulff ist praktisch nicht kündbar. Man kann ihn nicht abwählen. Er kann nur von selbst gehen. Die Mehrheit der Deutschen ist mittlerweile der Meinung, er sollte dies tun.

Wulff aber will es nicht hören. Nun wird in Berlin spekuliert, dies habe etwas mit dem Ehrensold (199.000 Euro pro Jahr) zu tun, der jedem deutschen Bundespräsidenten nach dem Ausscheiden aus dem Amt zusteht.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kommt zu dem Schluss, Wulff könne sich des Geldes nicht sicher sein. Dieses gibt es bei vorzeitigem Ausscheiden nur, wenn es aus "politischen oder gesundheitlichen Gründen" erfolgt. Im Falle Wulff lägen die Gründe eher im privaten Bereich. Ohne Ehrensold aber wäre er mittellos, Glamour kaum mehr möglich.

Kanzlerin Angela Merkel profitiert, wie Umfragen zeigen, paradoxerweise von der Wulff-Affäre. Sie gilt mittlerweile als bescheidener Antipode zum Bundespräsidenten. Denn dass Merkel nach Vergünstigungen von Krediten und Luxushotels strebt, das können sich nicht einmal ihre politischen Gegner vorstellen. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Jürgen Rembremerding
00
16.2.2012, 01:36
Demütigung für ihn auf höchstem Niveau:

http://www.bild.de/politik/i... .bild.html

machruz
 
01
15.2.2012, 11:33
Ist das Van der Bellen auf dem Bild?

Vormund der "Trottel mit Kapperl"
00
17.2.2012, 00:17
Nein!

Der Tschick im Mund fehlt doch, sehen Sie das nicht?

;-)

franz der freie
 
00
15.2.2012, 10:14
ob pattex oder loctite

der wulff klebt auch ohne diese kleber an seinem sessel>> aber viel fester. wulffkleber würde ich kaufen, da hätte ich vertrauen in die klebekraft.

1116er
01
15.2.2012, 09:35
ich ziehe meinen hut

und zolle grundsätzlichen respekt der deutschen presse, die -über alle ideologischen gräben hinweg- keine präpotenten politiker auf ihrer nase herumtanzen lassen will.

ich möchte gar nicht wissen, wieviele käseblätter in ö den eigenen kollegen in den rücken fallen würden.

(ist die BILD ein grindiges boulevard-blatt? ja, doch sie ist damit noch immer besser als die allermeisten vertreter der vierten macht in ö!)

j oe
00
15.2.2012, 09:35
der mann lebt leider im falschen land,

in österreich würde das alles gar nicht auffallen.

Neppomuk Novak
04
15.2.2012, 08:46

Ohne 200.000 Euro Ehrensold wäre er "mittellos".
Jessas.
Vielleicht müsste er sogar einer richtigen Arbeit nachgehen. Schröcklicher Gedanke!

kl41
01
15.2.2012, 09:44

Die Frage ist, wer ihn einstellen oder ihn in seinem Ursprungsberuf als Anwalt verpflichten würd. Der Maschi vielleicht aber sonst?

milk for breakfast
01
15.2.2012, 10:54

einen link zur bild mit info zu betiteln halte ich für äußerst mutig. selbst in dieser story

uncle sam3
00
15.2.2012, 08:21
merkel ist schuld

- sie hat mist gebaut.

tramezzino
00
15.2.2012, 09:42

ja, aber das wird sie nicht zugeben.

Harry Potter and the stoned philosopher
00
15.2.2012, 08:19

Schau an. In Deutschland darf man sich mit Entarteten Äußerungen am Leib öffentlich zeigen ohne verhaftet zu werden. Wo soll das hinführen ??????

meresi
00
15.2.2012, 05:42
nun gut jetzt versteh ich...

bei 200 000 im jahr würd ich vielleicht auch am sessel kleben bleiben...

WiKaBot
00
15.2.2012, 01:11
Da ist eine andere Lösung der Causa Wulff im Gespräch …

… demnach soll es eine neue Stellenbeschreibung für dieses Amt geben, die alle bisherigen Unzulänglichkeiten regelt. Vorteil für den Bürger: Er muss nicht mehr für den Präsidenten aufkommen, dies übernehmen die Sponsoren. Ein weiter Vorteil, durch ein künftiges Branding auf der Stirn kann der Bürger jederzeit erkennen wer ihm den Präsidenten aktuell gerade stiftet. Hier alles viel genauer beschrieben:

http://qpress.de/2012/01/2... er-gesetz/

Damit ist dann die nötige Transparenz gewahrt und all die bisherigen kleinen Schmuddeleien legalisiert. Es könnte das Modell schlechthin für solche Positionen werden … (°!°)

ich sag's grad raus
00
15.2.2012, 00:08
"[Wulff] wäre mittellos"

Unsinn, er wäre Lobbyist - und damit erfolgreich.

Waran
00
14.2.2012, 22:55
Wulff

hat wesentlich mehr erreicht, als viele Politiker vor ihm!
Er hat für die deutsche Sprache ein neues Verb geschaffen: "wulffen" - da kann Khol nicht mithalten.

tramezzino
00
15.2.2012, 09:44

helmut KOHL (dt. politiker und ehem. kanzler), andreas KHOL (öst. edelpensionist).

1116er
00
15.2.2012, 09:31
das soll eine leistung sein?

das kann doch auch unser stefan mit seinem "petznern"!

k. ot
00
15.2.2012, 01:33

dafür aber der grasser, wie in "sich begrassern" :p

ein zogaj kommt selten allein
00
14.2.2012, 23:48
ja richtig,

ähnlich wie vermelzern

Raptor Jesus
00
14.2.2012, 22:54
Als Ministerpräsident darf er sich beschnorren lassen.

Ist für den Werdegang eines erfolgreichen Lobbyisten notwendig, nicht aber für eine Karriere als Bundespräsidenten.
Die Merkel hat ihn aber sauber aufs Kreuz gelegt.

abalada
01
14.2.2012, 21:46
wo sind da private Gründe?

Die waren vielleicht bei seinem Vorgänger Köhler der Grund für dessen Rücktritt. Wobei ich glaube dass Herr Köhler eine ähnliche Medienkampagne gegen sich heraufziehen sah und deswegen hinschmiss. Ist aber auch ein privater Grund.

Nur ist ein Rücktritt
- weil es das politische Berlin wegen Lähmung fordert
- weil es die Opposition fordert
- weil es die CDU aus Angst vor Wahlniederlagen fordert
ein Rücktritt aus politischen Gründen. Nicht aus privaten Gründen. Wobei das ja ohnehin nur eine These von von Arnim ist.

Es ist auch Quatsch dass er mittellos wäre. Er hat ja Ansprüche aus seiner Zeit als Abgeordneter und MP von Niedersachsen. Er könnte ja auch wieder als Anwalt arbeiten. Wenn er das darf - was sagt von Arnim dazu?

armin delmenhorst
 
12
14.2.2012, 21:08
Das deutsche Brudervolk

ist auch nicht mehr das, was es mal war. Beneidete der aufrechte Bürger die Nachbarn immer wegen ihres harten Durchgreifens, wenn bei dem Politikergesocks was hochkam, so gleicht sie sich immer mehr unserer Balkanrepublik an. Schade!!

widiwutsch
01
14.2.2012, 22:51
Was darf man sich konkret unter "hartem Durchgreifen" vorstellen?

Sie wissen schon, dass Wulff tatsächlich ein Verbrechen begangen haben müsste, damit ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestrengt werden könnte?
Sollen die Massen mit Sensen und Dreschflegeln Schloss Bellevue stürmen? Ich denke eher, die Leute ahnen, dass der nächste um nix besser sein wird und man im Gegenzug Wulff und Frau 50 Jahre lang eine schöne Rente mit Dienstwohnung und Chauffeur bezahlen darf.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.