Urteil nach 13 Messerstichen bei Wiener Fußballkäfig

14. Februar 2012, 18:17
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Prozess wegen Mordversuchs bei nächtlichem Treffen im Park

Wien - Es ist quasi die West Side Story in der Donaustadt. Eine nächtliche Messerstecherei, an deren Ende zwei Schwerverletzte liegen bleiben. Eine Beziehung spielt auch eine Rolle. Und eine fehlgeleitete SMS.

Daniel G. und sein Bruder Christopher, die am Dienstag vor den Geschworenen am Wiener Landesgericht sitzen, sind allerdings nicht das, was man sich gemeinhin unter Gangmitgliedern vorstellt. Im Gegenteil. Der 20-Jährige und sein drei Jahre älterer Bruder, beide bisher unbescholten und unauffällig, hocken in ihren Anzügen schüchtern auf der Anklagebank, den Blick gesenkt. Der Vorwurf: Mordversuch.

Wenig Auskunft über Auslöser

Dass er zugestochen hat, leugnet Daniel G. nicht. Wäre auch schwierig. Das eine Opfer hat zwei Messerstiche in Bauch und Brust und acht in den Rücken erhalten. Einen zweiten erwischte es dreimal in den Rücken. Aber, so sein Anwalt Thomas Müller: "Er wollte ihn (das erste Opfer, Anm.) schwer verletzten, aber nicht töten", argumentiert er. "Was glauben sie, was passiert, wenn man jemanden mehrmals in den Rücken sticht", will Vorsitzender Norbert Gerstberger vom Angeklagten wissen. "Dass das lebensgefährlich ist", gibt der zu.

Doch bei der Frage, wie es überhaupt so weit gekommen ist, sind die beiden Angeklagten wenig auskunftsfreudig. Ebenso wenig das Hauptopfer. Soviel lässt sich rekonstruieren: Das spätere Opfer war mit den beiden befreundet, kam mit ihrer Cousine zusammen. Ein Kind kam, die Beziehung ging. Weil Christopher gegen ihn intrigiert habe, sagt der Zeuge. "Wir haben nie schlecht über ihn geredet", so die Angeklagten.

Fehlgeleitete SMS

Man habe Monate nichts mehr miteinander zu tun gehabt. Bis am 23. August 2011 die Sache mit der SMS war. "Ich wollte meiner besten Freundin eine schicken und habe sie irrtümlich an die falsche Nummer gesendet", erklärt Daniel. An das spätere Opfer. "Was ist denn drinnen gestanden", will Gerstberger wissen. "Wo bist du, du Hure."

Den Empfänger freute das gar nicht, es entspann sich eine wüste Konversation, an deren Ende das Treffen stand. Um ein Uhr Nachts. In einem Park in Wien-Donaustadt, beim Fußballkäfig. Warum beide Seiten so erpicht darauf waren, und sich nicht einfach weiter ignorierten, bleibt trotz Nachfragen offen.

Butterfly-Messer eingesteckt

Daniel nahm seinen Bruder und ein Butterfly-Messer mit. Warum, will Gerstberger wissen. "Weil ich bewaffnet war, habe ich mich stärker gefühlt." Aber einsetzen wollte er es nur in Notwehr. "Das Messer ist dann doch lockerer gesessen, als sie gedacht haben", merkt der Vorsitzende trocken an.

Im nächtlichen Park wartete das spätere Hauptopfer mit Freunden. "Ich habe ihnen aber gesagt, sie sollen sich nur einmischen, wenn etwas passiert." Dieser Fall trat ein: Wie und wer statt Worten plötzlich Gewalttaten sprechen ließ, darüber gehen die Schilderungen auseinander. Warum er auf sein Opfer achtmal eingestochen habe, als es schon am Boden lag, kann Daniel nicht sagen. "Ich war irgendwie ganz anders drauf."

Daniel wurde wegen zweifachen Mordversuchs zu zehn Jahren, Christopher wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren - nicht rechtskräftig - verurteilt. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2012)

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