Die EU hat's uns eingebrockt

Kommentar14. Februar 2012, 18:03
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Der IBAN ist nicht nur länger als die gewohnte Verbindung von Kontonummer und Bankleitzahl, er ist auch unübersichtlicher

Es gibt Neuerungen, die sind aus Sicht von Experten völlig plausibel. Die Vereinheitlichung der europäischen Zahlungssysteme ist ein hehres Ziel. Deshalb soll es in Zukunft keinen Unterschied machen, ob man eine Überweisung von einer Bank in Wien nach Linz, Passau oder Dublin macht. Und dafür benötigt man Kontonummern, die es in der EU jeweils nur einmal gibt. Dazu dient der IBAN: eine 20-stellige Nummer, die Land, Bank und Konto eindeutig identifiziert. In vier Jahren wird er auch bei allen Inlandsüberweisungen verpflichtend sein.

Und hier trennt sich die Experten- von der Nutzersicht: Der IBAN ist nicht nur länger als die gewohnte Verbindung von Kontonummer und Bankleitzahl, er ist auch unübersichtlicher. Er macht für viele Menschen das Überweisen komplizierter - vor allem jene, die kein Online-Banking verwenden und Zahlscheine mit der Hand ausfüllen. Gerade für Ältere sind Geldgeschäfte oft mit Unsicherheit und Angst behaftet. Und sie überweisen selten ins Ausland.

Die Folgen sind absehbar: Bei jedem Bankgeschäft werden sich Leute ärgern und dabei auf die EU schimpfen, die ihnen das Problem eingebrockt hat. Und sie haben dabei nicht unrecht. Dabei gäbe es eine Lösung: Wenn bei Inlandstransfers die alten Kontonummern noch bis 2016 verwendet werden können, warum nicht auch danach? Die Computer der Banken werden mit dem doppelten System zurechtkommen - besser als ihre Kunden mit dem IBAN. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

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