Bundestheaterkonzern

Die Rücklagen schmelzen dahin

14. Februar 2012, 18:19

Die Bundestheater schrieben 2010/11 Verluste

Wien - Der Bundestheaterkonzern verzeichnete im Geschäftsjahr 2010/11 einen Verlust von 2,27 Millionen Euro. Unter den Tochtergesellschaften gelang einzig der von Josef Kirchberger geleiteteten Art for Art, also den Werkstätten, ein Gewinn - in der Höhe von 215.742 Euro. Der Jahresverlust der Staatsoper betrug 3,96 Millionen Euro, jener der Volksoper 0,73 Millionen. Das Burgtheater bilanzierte mit einer roten Null.

Die Verluste konnten durch das Auflösen von Rücklagen ausgeglichen werden. Gegenwärtig verfügt man noch über Reserven von 6,68 Millionen Euro. Die laufende Saison ist daher ausfinanziert. Doch für die Zukunft zeichnete Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, am Dienstag, wie bei jeder seiner Jahrespressekonferenzen, ein düsteres Bild - weil die Personalkosten unweigerlich steigen. Sie machten in der vergangenen Saison 165,9 Millionen Euro aus; die Basisabgeltung betrug hingegen "nur" 144,4 Millionen.

Hinzu kommt, dass die Sponsoringeinnahmen der Staatsoper drastisch zurückgingen, weil die von Magna geförderte Neuproduktion des Rings des Nibelungen abgeschlossen ist: Trotz Zuwächsen bei der Volksoper und im Burgtheater sanken die Sponsoringeinnahmen des Konzerns gegenüber 2009/10 von 5,2 auf 4,2 Millionen.

Dennoch versuchte Springer einen "entstressten" Eindruck zu vermitteln. Schließlich hatte er Rekorde zu vermelden: Noch nie seien derart viele Vorstellungen gespielt worden, nämlich 1527 an der Zahl. Die Karteneinnahmen hätten mit 44,73 Millionen Euro einen neuen Höchstwert erreicht. Und Dominique Meyer gelang es, die exzellente Sitzplatzauslastung der Ära Ioan Holender zu toppen: Nach 97,93 Prozent in der Saison 2009/10 kam die Staatsoper auf deren 98,33. In der laufenden Spielzeit liegt sie bei 98,16 Prozent (Stichtag 13. 2., siehe Grafik).

Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann vermochte zwar in seiner ersten Saison die Auslastung von 79,88 auf 88,2 Prozent zu puschen, 2010/11 fiel der Wert allerdings auf 84,6 Prozent zurück. Gegenwärtig steuert man mit 88,82 Prozent auf einen Rekord zu. In der Volksoper hingegen ist der "Trainereffekt" Geschichte: Die Auslastung sank unter der Direktion Robert Meyers seit 2007/08 kontinuierlich von 85,77 auf nun 80,93 Prozent. "Schuld" seien, so Geschäftsführer Christoph Ladstätter, die Doppelvorstellungen, die zwar nicht so hoch ausgelastet, aber wirtschaftlich sinnvoll seien.

Spätestens im Juli will Springer ein Finanzierungskonzept vorlegen. Es soll unter Berücksichtigung aller Evaluierungsergebnisse darlegen, wann die Bundestheater frisches Geld benötigen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe 15.2.2012)

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16 Postings
Tschikist
01
15.2.2012, 18:38
Sponsoring bei den Bundetheatern nur 4,2 Mio ???

gute 2 % vom Umsatz? Das darf wohl ein Witz sein? Wer wenn nicht ein Betrieb mit der Strahlkraft einer Staatsoper soll da Geldgeber finden?

(Ich weiß, wovon ich rede, bin selber in der Branche)

gimme hope
01
15.2.2012, 14:07
elfenbeinturm, ade!

nett, der ausdruck 'basisfinanzierung', ist er doch nur ein euphemischer terminus fuer subventionierung, bei der nicht nachgefragt wird, wohin die tausenden euros fliessen.
dass oesterreich mit seinem anspruch als kulturnation sich kultur-flagschiffe leisten muss und soll, steht ausser zweifel. ebenso steht aber ausser zweifel, dass die kosteneffizienz in den bundestheatern gesteigert werden muss --- der kunst willen!

IchbinIch5
11
15.2.2012, 14:20

Ich glaube es gibt wenige Betriebe weltweit, die so gut analysiert, durchleuchtet und auf Effizienz hin geprüft sind wie die Bundestheater. Da gäbe es ganz andere "Baustellen". Es ist und bleibt eben so: Oper im Speziellen ist (Technik, Chor, Orchester...) eine personalintensive Kunst. Und Personalkosten sind nun mal zu zahlen, wenn man als Staat nicht selbst zum Ausbeuter werden will. Reduzieren kann man da schon: Weniger Spieltage, Stagione statt Repertoire. Man muss halt nur wissen ob man das will und was man damit aufgibt.

B-2Man
01
15.2.2012, 00:02

Obacht: In der Konzernbilanz finden sich noch 25 Mio EUR an Sonstigen Rückstellungen! Don't fret!

Interloper
00
15.2.2012, 14:42
nur sind rückstellungen

keine rücklagen

donna corleona
00
14.2.2012, 22:39
Evaluierung und ihre Folgen

Aus der heutigen "Presse":
... Zum Stress hat wohl beigetragen, dass Wirtschaftsprüfer im Herbst 2011 bei den Bundestheatern (Staatsoper, Burgtheater, Volksoper) ein „Optimierungspotenzial“ von 12,4 Millionen Euro orteten. Darauf wurde Springer, dessen Vertrag 2011 bis 2014 verlängert wurde, von Kulturministerin Claudia Schmied beauftragt, einen Maßnahmenkatalog zu erstellen. Dieser sei in Arbeit, sagt Springer nun: „Zahlen kann ich Ihnen aber keine bieten.“...
Wie viel Zeit und Geld wurde für die Evaluierung investiert?

smily record
53
14.2.2012, 18:55
Geht sich nicht aus

Ich freue mich, dass man auch im Spitzenverdienerfeld langsam zu Einsicht kommt, das die Personalkosten zu hoch sind. Die Gagen der Topkünstler, die Gagen der Topmanager, die Hundertschaften an nicht schlecht bezahlten und angestellten Arbeitnehmern (im Gegensatz zu den vielen anderen Kunstproduktionsstätten, wo der Werkvertrag fröhliche Urstände feiert).
Darüber hinaus, kann man natürlich auch Geldmittel von den überteuerten Ausstattungen, die leichtfertig in die hundertausende Euro gehen, Richtung Personalkosten umschichten.
Ein wenig Gesundschrumpfen hat noch keinem Betrieb geschadet. Ganz besonders, wenn kaum der innovativen Kulturentwicklung vor Ort sondern, dem Export (Touristenmassen) zugute kommt.

IchbinIch5
20
14.2.2012, 20:21

Da ist so viel Unsinn, so viel falsch dass es sich nicht wirklich auszahlt, zu antworten ... Konsultieren sie doch mal Google!

Antagonist1
02
14.2.2012, 19:55
Die Topstars

finanzieren sich aus den höheren Preiskategorien - das Problem sind die fix Angestellten mit ihrem Rentenanspruch.....

.::.wanderfalke.::.
 
10
15.2.2012, 07:26
Keine prerkären Arbeitsverhältnisse?

Ja so was auch. Langjährigen Mitarbeitern, Spezialisten in ihren Bereichen, muss sofort die Gage gekürzt werden. Die können eh nirgendwo sonst Arbeit finden, es sei denn, sie leisten unbezahlte Praktika. Die Lösungen sind doch so einfach (siehe Strache).

Antagonist1
00
15.2.2012, 12:16
Mein Posting

war als Kurzantwort an den inhaltlich konfusen Text von "smiley record" gedacht und auch das nur als Zurechtweisung, was seine Vorwürfe an die Topstars betraf. Dass der große Posten in der Finanzierung der Bundestheater aber die Fix-Angestellten betrifft, steht schon fest. NUR: wo verlangte ich, diese Ausgaben zu senken.
Theater & Oper haben ihren Stellenwert: schlimm genug, dass sie Jahr für Jahr wegen ihrer Kosten zur Diskussion gestellt werden....

IchbinIch5
23
14.2.2012, 23:01

Böse aber auch, diese Fixangestellten - sollen doch gratis abeiten!

OMGLASERGUNSPEWPEW
10
15.2.2012, 02:11

finde ich auch, die können nach der Arbeit eh in den Lebenslauf schreiben, dass sie mit Topstars gearbeitet haben. Und DAS sollte doch Belohnung genug sein!

DeepThroat
 
18
14.2.2012, 18:47
Was sind schon 2 Mio Euro!

In Zeiten, in denen Milliarden umverteilt werden.

Hoffentlich bleiben uns die Bundestheater noch lange, lange in dieser Form erhalten. Hoffentlich bleibt uns das angelsächsische Schicksal erspart, dass in Theatern nur noch Musicals und Filmadaptionen gespielt werden.

Die Bundestheater sollten uns 2 Mio Euro wert sein, 25 Cent pro Bürger/in und Jahr!

Alexander Magg
 
01
15.2.2012, 10:19
Falsche Rechnung

Zu den 2 Mio kommt noch die Subvention in Höhe von 144 Mio.

DeepThroat
 
00
16.2.2012, 21:40
danke für die korrektur

das war wohl eine milchmädchenrechnung von mir.

das ist dann schon um einiges mehr pro staatsbürger und staatsbürgerin, aber ich finde immer noch, dass es ein verhältnismäßig kleiner beitrag ist.

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