Und jetzt ist Hirscher am Zug

14. Februar 2012, 17:51
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Slalom und Riesenslalom in Bulgarien sind Fälle für Marcel Hirscher. Und schon bei der nächsten Gelegenheit wird der Salzburger zum Super-G-Fahrer

Wien/Bansko - Naturgemäß hatte Mathias Berthold die Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Aber für realistisch hielt es der Cheftrainer der österreichischen Skifahrer zum Saisonbeginn nicht, dass einer der Seinen um den Gesamtweltcup mitfährt. "Das hat auch damit zu tun", erklärt er und weist den Vorwurf einer Fehleinschätzung zurück, "dass ich den Leuten nicht so viel Druck auferlegen wollte. Ich hätte ja auch sagen können, dass Romed Baumann, Marcel Hirscher und Benjamin Raich die Kandidaten sind."

Raich war der bisher letzte Österreicher, der die große Kristallkugel gewonnen hat (2006). Und Hirscher besitzt gegenwärtig recht gute Karten. Das hat nicht nur, aber schon auch mit dem Malheur des Titelverteidigers Ivica Kostelic zu tun, der sich bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi das Knie verletzte und operiert werden musste. Bei optimalem Heilungsverlauf kann der Kroate ab 10. März und in Kranjska Gora wieder arbeiten. "Es ist immer schade, wenn einer ausfällt", sagt Berthold.

Aktuell führt Kostelic, der Allrounder, mit 1043 Punkten vor dem Schweizer Speedspezialisten Beat Feuz (973) und dem Technikspezialisten Hirscher (825). Am Wochenende und in Bansko, Bulgarien, fehlt Kostelic verletzungsbedingt, Feuz freiwillig, und also ist Hirscher am Zug. Riesenslalom und Slalom sind seine Fälle. Und bald soll es auch der Super-G werden. Der 22-jährige Hirscher trainiert diese Übung schon länger und im Hinblick auf den schnellen Schwung im Riesenslalom. Und sie taugt ihm sosehr, dass er sich entschlossen hat, die beiden einschlägigen Rennen am 24./25. Februar in Crans Montana, Schweiz, zu bestreiten. "Falls ich bis dahin gesund bleibe." Berthold findet das gut. "Aber die Entscheidung muss er selbst treffen. Er muss sich ja hinunterhauen."

Der Slalomhang in Bansko war übrigens bei der Weltcup-Premiere im Vorjahr ein Fall für die österreichische Skifahrt. Mario Matt siegte vor Reinfried Herbst, der heuer seiner Form noch hinterherkurvt. Am Montag schaffte er es erstmals in dieser Saison auf ein Podest. Bei einem Europacupslalom in Pamporovo, Bulgarien, wurde der 33-Jährige, der schon neun Weltcupslaloms erbeutet hat, Zweiter hinter dem erst 17-jährigen Norweger Henrik Kristoffersen, der noch seines ersten Weltcup-Einsatzes harrt.

Den hat Frederic Berthold (20), der Sohn des Cheftrainers, schon hinter sich. Und schaffte im Vorjahr bei der Super-Kombi in Bansko als 30. einen Weltcup-Punkt. Heuer ist er im Europacup unterwegs, landete vor kurzem in der Super-Kombi seinen ersten einschlägigen Sieg, wurde Zweiter in der Abfahrt und Dritter im Super-G. Über den nächsten Weltcup-Einsatz hat der Vater zu befinden. Und ist als Befangener quasi mehr als gerecht. "Ich bespreche das mit dem Europacup-Trainer. Und wenn zwei die gleichen Voraussetzungen haben, werde ich sicher nicht meinen Sohn vorziehen. Er muss schon mehr zeigen." (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 15. Februar 2012)

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    Cheftrainer Berthold begrüßt Hirschers Entscheidung.

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