Ansichten eines Immobilienmaklers

Kommentar der anderen14. Februar 2012, 17:47
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Die beschlossene Immobilienvermögens-Zuwachssteuer ist ein richtiger Schritt, wenn sie richtig umgesetzt wird - Von Ariel Muzicant

Die von der Regierung beschlossene Immobilienvermögenszuwachssteuer ist ein richtiger Schritt, wenn sie richtig umgesetzt und kommuniziert wird. Noch kennen wir den Gesetzesentwurf nicht, aber ich kann nur hoffen, dass

1.) der Buchwert der Immobilie zum Verkaufsstichtag als Grundlage der Anschaffungskosten herangezogen wird;

2.) Finanzierungskosten und Inflation bei einem pauschalierten Steuersatz von 25 % keine Rolle spielen, so wie es auch bei Wertpapieren, Aktien und beim Sparbuch der Fall ist;

3.) Hauptwohnsitze auch weiterhin von der neuen Steuer ausgenommen werden.

Abgesehen davon, dass diese neue Regelung zur Steuergerechtigkeit beiträgt, muss einigen Kommentaren an dieser Stelle widersprochen werden:

- Die neue Steuer führt nicht zu mehr Schwarzgeschäften. Erfahrungsgemäß führen hohe Steuersätze eher zu Schwarzgeschäften als niedrige. Eine 25-prozentige Steuer sollte daher "Kaufpreise" die neben dem Kaufvertrag bezahlt werden, eher ausschließen, da ja auch der Käufer bei einem Weiterverkauf von der niedrigeren Basis ausgehend Steuer zahlen müsste. Bei einem 25-prozentigen Steuersatz liegt es im Interesse beider (Käufer und Verkäufer), den vollen Kaufpreis im Kaufvertrag wiederzugeben.

- Gleichzeitig führt aber die neue Steuer auch zu einer Steuersenkung, nämlich für all jene, die sich in der zehnjährigen Spekulationsfrist ab 1. 4. 2002 befinden und entweder die zehn Jahre abwarten wollten (was jetzt nicht mehr geht) oder 50 Prozent Spekulationssteuer bezahlt hätten. Die Tatsache, dass diese Gruppe nicht mehr wartet sondern mit 25-prozentiger Besteuerung ab 1. 4. 2012 verkaufen kann, bedeutet eine Steuerermäßigung und gleichzeitig eine Mobilitätserhöhung.

- Mobilitätserhöhungen sind aber immer konjunkturbelebend, was gerade in einem Land wie Österreich, wo überdurchschnittlich lange Zeit zwischen den Verkäufen der Immobilien vergeht, zu einer Normalisierung des Marktes beitragen wird.

- Betreffend Vorsorgewohnungen kann auch diese Investitionsform nicht allein auf steuerfreien Wertzuwächsen basieren und muss daher in sich ein rentables Geschäft sein. Aus diesem Grund ist auch hier das Argument, die neue Steuer würde das Vorsorgewohnungsgeschäft killen, ein falsches.

Immobilien sind und bleiben eine nachhaltige Absicherung gegen Inflation und Wirtschaftskrisen und sollten nicht zur Steuerspekulation dienen, sondern auf echten Cashflow-Renditen aufgebaut sein. (Ariel Muzicant, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

Autor

Ariel Muzicant ist Immobilienmakler


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