Tanzquartier

Ein Trost auf die Krise

14. Februar 2012, 17:32
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    foto: tanzquartier / mussacchio & ianniello

    "The Show Must Go On!" : Ein Tanzstück überprüft Segnungen der Unterhaltungsindustrie.

Mit "The Show Must Go On!" wird ein Klassiker des postmodernen Tanzes im Wiener Museumsquartier gezeigt: sanfte Subversion

Wien - Gegeben sind: die gemeinsamen Musikerinnerungen der Zuschauer, ein Theaterraum mit seiner dramatischen Aura und zauberhafte Darsteller. Dazu die Liebe, der Tod und das Leben, das weitergehen muss. Heraus kommt: The Show Must Go On! von Jérôme Bel. Jetzt bringt der legendäre französische Choreograf sein zum Klassiker des postmodernen Tanzes gewordenes Stück wieder nach Wien. Präsentiert wird es vom Tanzquartier in der MQ-Halle E. Als das Stück vor elf Jahren nach seiner Uraufführung in Paris im Deutschen Schauspielhaus Hamburg gezeigt wurde, war's noch der angesagte Skandal. Und als The Show Must Go On! später in Tel Aviv gezeigt wurde, musste die Aufführung, während sie lief, gekürzt werden, weil man fürchtete, das Publikum würde außer Kontrolle geraten.

Erstaunlich, denn in dem Stück wird kein Tabu verletzt, es ist nicht auf Provokation angelegt, wunderbare Musik wird gespielt, und sympathische Leute sind zu sehen. Aber es kommt eine Überraschung nach der anderen, weil Bel die Illusionen des Showgeschäfts wörtlich nimmt. In einer genau gewählten Abfolge von Hits aus den Jahren 1960 bis 2000 heißt es: Pop goes Theatre. Im Vordergrund der Bühne sitzt ein DJ. Er legt eine CD nach der anderen auf, und die Songs werden ihrem Inhalt gemäß inszeniert. Bel ist der wichtigste Vertreter der konzeptuellen Choreografie, die sich in Ende der 1990er etablierte und erst einmal eine schlechte Nachrede hatte. Eine aufklärerische Bewegung, die ihre politische Aussage auf eine Kritik des Eindruckschindens auf der Bühne konzentrierte.

Das passte damals, und in die heutige Krise passt es noch besser. Die aktuelle Ernüchterung folgt ja der Erkenntnis, dass man sich durch Vorspiegelung sensationeller Renditen hat abzocken lassen. Eine tolle Performance macht noch keine gute Wirtschaft. Und so, meinen die Konzeptualisten, funktioniert es auch in der Kunst. The Show Must Go On! ist da beinahe so etwas wie ein Trost. Das Abenteuer beginnt im Umdenken. Bel schüttet niemanden an, sondern schlägt eine andere Form des Kunstanschauens auf der Bühne vor. Magisch und keine Sekunde fad. (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe 15.2.2012)

Tanzquartier / Halle E, 17., 18. 2., 20.30

skaudioslave
00
19.2.2012, 19:14
dochfad

hallo, war gestern dort, und ehrlich gesagt, kann ich nicht sagen dass es gut war, man hätte viel mehr draus machen können, leider insgesamt irgendwie fad, bestes Beispiel, das Lied "Macarena", alle machen diesen Tanz, der zum Lied passt, und das 3,4 Minuten lang, keine Änderung, einfach nur fad.

Georg M.
 
00
ich will unterhalten werden?

macarena: natürlich hätte man "mehr" machen können. aber das konzept des stückes ist: die darsteller repräsentieren das publikum, sie machen nichts, was nicht das publikum auch machen könnte. professionell ungekünstelt. eine absage an inszenierte shows. eine ironisches spiel mit dem titel. und viel liebe in den details. mitschauen, mitdenken, mitfühlen war gefragt, nicht passiv konsumieren (dazu geht man zB in die josefstadt).

FreeYourSoul
00
15.2.2012, 14:27

Ein Klassiker wie "The show must go on" ist ein Pflichttermin. Bin schon sehr gespannt!

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