Anschläge in Kaduna Boko Haram zugeschrieben
Abuja - Neuer Bombenterror in Nigeria: Bei mehreren
Explosionen in der Stadt Kaduna ist am Dienstag mindestens ein Mensch
getötet worden. Augenzeugen berichteten, ein Polizist sei ums Leben
gekommen, als er einen Sprengsatz entschärfen wollte.
Die Anschläge, die der radikalislamischen Sekte Boko Haram
zugeschrieben werden, ereigneten sich Augenzeugen zufolge in einer
Wohngegend mit Schulen und Bürogebäuden. "Es gab mehrere Explosionen
in dem Gebiet, ich selbst war etwa einen Kilometer entfernt", sagte
ein Einwohner, Mohammed Mamoh, der Nachrichtenagentur dpa. "Dicker
Rauch stieg auf, und ich rannte um mein Leben."
"Nigerianische Taliban"
Erst vor einer Woche hatte die Boko Haram Militäreinrichtungen in
Kaduna angegriffen. Außer dem Selbstmordattentäter gab es dabei keine
Opfer. Die Gruppe bezeichnet sich selbst auch als die "nigerianischen
Taliban". Bei Angriffen auf das Polizeihauptquartier sowie andere
Polizeistationen und Ämter in der Stadt Kano waren im Jänner über 180
Menschen ums Leben gekommen.
Erst am Montag war dem nigerianischen Militär ein Schlag gegen die
Islamisten gelungen: "Gestern wurden Soldaten der Joint Task Force
(JTF) in Maiduguri von Sektenmitgliedern angegriffen", sagte der
Sprecher der Militäreinheit, Hassan Mohammed, am späten Montagabend.
"Bei dem darauffolgenden Schusswechsel wurden zwölf Sektenmitglieder
getötet, während zwei Soldaten der JTF Verletzungen erlitten." Die
Joint Task Force, die die Rebellen bekämpft, wurde 2003 aus Sektionen
der nigerianischen Armee, der Navy and der Air-Force gegründet.
Die Islamisten erklärten hingegen, in dem Kampf zwölf Soldaten
getötet zu haben. Die JTF, die immer wieder Ziel der
Boko-Haram-Attacken ist, wies diese Aussage jedoch zurück.
Maiduguri gilt als Hochburg der Sekte, die jede westliche
Lebensform ablehnt. Eines ihrer Ziele ist es, Christen aus dem
überwiegend islamisch geprägten Norden Nigerias zu vertreiben. In den
vergangenen Monaten gab es immer wieder Bombenanschläge auf Kirchen
sowie auf Gaststätten mit Alkoholausschank.
Für viele kamen die jüngsten Angriffe überraschend, da die Boko
Haram zuletzt angekündigt hatte, zu Friedensgesprächen mit der
Regierung bereit zu sein. Nach Angaben der Zeitung "Nigerian Tribune"
kündigte ein Sprecher aber nun weitere Anschläge an, nachdem kürzlich
zwei hochrangige Mitglieder der Gruppe festgenommen worden waren. (APA)