Köpfchen statt Beinchen

Einserkastl | Renate Graber, 14. Februar 2012, 17:31

Moody's Bonitätsausblick für Österreich ist schon heute Schnee von gestern

Eigentlich können wir uns nur gratulieren: Alles ist gut. Zwar hat die Ratingagentur Moody's Österreichs Bonitätsausblick auf negativ gedreht, aber das ist schon heute Schnee von gestern. Weil: Moody's hat zum Zeitpunkt der Benotung unser Sparpaket noch nicht gekannt, heißt es in Regierungskreisen; sonst wäre der Ausblick für Österreich, davon können wir ausgehen, hervorragend.

Obwohl, und da ist auch den Semantikern zu gratulieren, ein Sparpaket ist es ja gar nicht, das Österreich verordnet wurde, sondern es sind gesunde Gehwerkzeuge, mit denen man nun kräftig in die Zukunft ausschreiten kann. Es sei der Regierung gelungen, "Österreich auf gesunde Beine zu stellen", ließ Vizekanzler Michael Spindelegger wissen, leider ohne zu verraten, in welche Richtung diese mobil gemachten Haxeln marschieren sollen.

In eine grundlegend frisch strukturierte Zukunft, in eine Zeit schlanker Verwaltungen eher nicht, denn sonst hätte man ja kein "Stabilitätspaket", sondern vielleicht ein Erneuerungspaket geschnürt.

Wobei es schon ein bisschen Neues gibt. Den ausgerechnet "Solidaritätsbeitrag" genannten Steuer-Obolus für unsere Bestverdiener etwa; oder die "Schweiz-Abgabe" für unsere Steuerflüchtlinge.

Bis selbige ausverhandelt ist, steht wahrscheinlich schon das nächste Paket für Österreichs mobile Seitenlage. Sicher gibt es dann zu den gesunden Beinen ein kluges Köpfchen dazu. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

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18 Postings
Politiker vertrauensindex 0%

Da stellt sich eine Fekter hin und kräht "Moody's hat nicht berücksichtigt!"

Und? Tritt die Tante heute zurück ?

Wenigstens zuerst bei Moody's fragen - ob sich berücksichtigt haben oder nicht - wäre das mindeste gewesen

Man müßte ja fragen: so dumm oder so verlogen ?

Wer kannte eigentlich diese 'ratingagencies'

oder 'Bewertungsagenturen' zur Zeit des Schillings? Da las man auf der Wirtschaftsseite seriöserer Zeitungen vielleicht alle halbe Jahre irgendeine Bewertung für einen Konzern, das war's. Genauso, wie die Börsenkurse in der Zib2 - wen interessiert das um 22.00 Uhr? Der Spekulant weiß das alleslängst und die Zib braucht sich keinen Fumm zu geben, sonst müsste sie RICHTIGE Wirtschaftsnachrichten bringen. Alles nur zur Manipulation des p.t. Publikums;-)

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Beim Schilling war das einfacher:

1. Ö. hatte die Währungshoheit, konnte also auf- und abwerten (was allerdings so gut wie nie geschah)

2. Es ist wichtig, bei wem man sich verschuldet. Schilling-Anleihen wurden hauptsächlich von der DM gekauft und die DM war unantastbar, immer AAA+.

Folglich interessierte sich nur sehr selten jemand für ein Österreich Rating, da je fast ausschließlich Deutsche unsere Anleihen kauften.

Beim Euro ist das jetzt anders. Wer investiert in Euro-Länder? Natürlich die Nicht-Euro Länder, und die hören mehr auf die Ratingagenturen als auf ihren Hausverstand.

nein, es ist diese

NEO-LIBERALE Weltheilslehre,
der alle nachlaufen, und die alle nachbeten,

und an der wir deshalb zugrunde gehen, weil alle darauf hoffen von der Dividende und vom Kurzsgewinn lweben zu können, und man dann nichts arbeiten bräuchte ....

Früher war in der Firma der Verkauf ganz vorne und dahintzer die Produktion und irgenwo ganz hinten sassen die Buchhalter (diese Erbsenzähler)

heute dominiert der "Finanzdirektor" und bestimmen die Buchhalter ...
die die produktion wird ausgelagert und die Verkaufsergebnisse sind nicht so wichtig wie die "...kurse"

Eine Traumwelt eine Scheinwelt und nor Hoffnung "auf Luft- und andere Blasen"

HURRRRRRRAAAAAAA!

(Kasperlstimme vorstellen)

Wunderbar süffisante Stellungnahme Frau Graber!

Made my day!

Gesunde Beine, um damit in den Abgrund zu marschieren.

Was mich wirklich wütend macht, ist, dass Faymann und Spindelegger dümmlich grinsend erklären, dass das "Konsolidierungspaket" Österreich auf "gute Beine" stellen soll. Nach Wirksamwerden der Maßnahmen ist das Defizit dann bei berauschenden 70%. Freuen wir uns doch!
70%!!! Als Ziel!

Aber, wenn dann jemand den Ausblick auf "negativ" senkt, dann sind wir entweder beleidigt oder erklären, dass der ja sowieso keine Ahnung hat. Ob mit oder ohne "Konsolidierungspaket" - das ist schlicht Wahnsinn! Ich plane meine Ausgaben ja auch nicht mit langfristig 70% Defizit und freue mich dann.

Schweden hat gezeigt,

wie es gemacht werden muß. Damit ist Schweden ein 'schlechtes' Beispiel;-)

Sie verwechseln Defizit mit Schulden.

Das wurde unten schon angemerkt und von mir bereits kommentiert.

da sogar ich ihnen einmal uneingeschränkt recht! ausgezeichnetes posting!

es sind keine 70% defizit, was sie meinen ist der schuldenstand, und da sind 70 - 90 % schon ok, so eine studie der ezb aus 2010. Bei diesem schuldenstand ist das wachstum am höchsten.

und das tolle, augeklügelte "sparpaket" wurde im rating sehr wohl berücksichtigt. haha fekter geh sch.... wenn man keine ahnung hat einfach mal die fr... liebe frau fekter (sry, das musst ich los werden, freut mich tierisch :))

btw: prinzipiell ists eh egal was wir machen, denn wir hängen am rockzipfel der grossen, und man kann darüber froh sein, denn das dreamteam das momentan die politik besteht ist kognitiv nicht mehr herr der lage... good night and good luck.

Da haben Sie recht - ich habe Schuldenstand und Defizit verwechselt.

Dennoch bleibe ich dabei: ein Schuldenstand von 70% kann doch nicht das gloriose Ziel sein, das wir anpeilen. (Dass 70% immer noch weit über den Maastrichtkriterien liegen, sei nur am Rande erwähnt. Und die Missachtung dieser Kriterien bzw. Budgettricksereien haben ja erst zu dem Chaos geführt.) (BTW - sind ausgegliederte Schulden da schon eingereichnet?)

Es mag schon sein, dass Schulden für Investitionen, die künftigen Generationen zugute kommen, sinnvoll sind. Aber 70%!

Ganz meine Meinung. Angemerkt sei noch, dass das Argument der Vorposterin trotz des falschen Begriffs (Defizit-Schuldenstand) absolut stimmt. Unser tolles neues Budget plant bis 2016 ein 0-Defizit, also keine neuen Schulden. Das ganze basiert aber auf ziemlich optimistischen Annahmen, und von Schuldenabbau ist nach wie vor keine Rede...

Schon mal drüber nachgedacht,

warum Schuldenabbau eigentlich keiner wirklich will?

Dabei geht's grundsätzlich um die verfügbare Geldmenge. Schuldenabbau heißt Kredittilgung und bei diesem Vorgang wird Geld vernichtet. Das Dumme dabei ist nur: Es existiert gar nicht genug Geld um alle Schulden begleichen zu können. Der Grund dafür sind die Zinsen. Ist eigentlich alles recht leicht zu durchschauen, es ist nur leider schwer zu glauben.

Primäres Ziel muss daher nicht der Schuldenabbau, sondern die Aufgabe der Zinswirtschaft sein. Darauf sollten wir drängen.

Ist es nicht sogar ein "Elefant"

auf gesunden Beinen - zugegeben von Spindel an zwei verschiedenen Tagen geformt.
Ich stelle mir gerade die klugen Koepfe darauf vor.

Und welchen Staub diese Beine aufwirbeln werden. Genuegend um eine gesamte Regierung zu verstecken.

der Artikel ist o.k.

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