Gutes wollen, böse scheitern

14. Februar 2012, 17:30
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Ein klug arrangiertes Ensemblestück, in dem sich aus kleinen frommen Lügen eine gefährliche Spirale entwickelt

Die junge Frau rennt lachend hin und her. Sie lässt mit Kindern am Strand einen Drachen steigen. Aber wie sie außer Atem kommt und sich zugleich ganz diesem glückseligen Taumel hingibt, das wird nur über Nahaufnahmen, mit Blick auf ihr lachendes Gesicht erzählt. Einen Moment später endet diese Ausgelassenheit abrupt - das, was den Umschwung herbei geführt hat, bleibt im Off.

Elly heißt die Frau. Sie ist halb unwillig mit einer Clique befreundeter Paare aus Teherans Mittelschicht in eine Ferienregion im Norden gereist. Der Aufenthalt lässt sich zunächst gut an. Bald entwickelt sich die Situation jedoch in eine unerwartet dramatische Richtung - und die Figuren und ihre Beziehungen zueinander erscheinen allmählich in anderem Licht.

Alles über Elly ist der vierte Spielfilm von Asghar Farhadi: Ein klug arrangiertes und mitreißend gespieltes Ensemblestück, in dem sich aus kleinen frommen Lügen, aus Geheimnissen, Missverständnissen und Ausflüchten eine gefährliche Spirale entwickelt, deren Sog sich bald niemand mehr entziehen kann.

Für Alles über Elly wurde der aus Isfahan stammende Regisseur und Autor bei der Berlinale 2009 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet - das war sein endgültiger Durchbruch, nachdem bereits frühere Arbeiten auf internationalen Festivals zu sehen waren. 2011 avancierte Farhadi in Berlin überhaupt zum großen Gewinner: Sein damals mit drei Preisen ausgezeichnetes Drama Nader und Simin: Eine Trennung hat es inzwischen in vielen Ländern ins Kinoprogramm und schon bis zur publicityträchtigen Oscar-Nominierung geschafft. Alles über Elly läuft bei Arte im Rahmen eines Berlinale-Themenschwerpunkts. Arte, 20.15 (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 15.2.2012)

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