Einziges Kraftwerk in Gaza abgeschaltet

14. Februar 2012, 16:25
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Wegen Treibstoffmangels - Behörden: Stromversorgung von Krankenhäusern gefährdet

Gaza - Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen ist wegen Treibstoffmangels abgeschaltet worden. Das Elektrizitätswerk liefere für gewöhnlich etwa 35 Prozent des Stroms im Gazastreifen, teilte der Leiter der örtlichen Energiebehörde am Dienstag mit. Ahmed Abu al-Amrin warnte, die Stromversorgung der Krankenhäuser sei nun gefährdet. Man könne auch Wasserversorgung und Abwasserbehandlung nicht mehr gewährleisten. "Wir haben eine lebenswichtige Stromquelle im Gazastreifen verloren", sagte er vor Journalisten in Gaza.

Der Hintergrund für den Treibstoffmangel ist kompliziert. Die Energiebehörde im Gazastreifen macht Israel verantwortlich. Allerdings gibt es einen innerpalästinensischen Streit über unbeglichene Rechnungen.

In der Vergangenheit hatte die Palästinensische Autonomiebehörde Israel den Treibstoff abgekauft, der für den Betrieb des Kraftwerks gebraucht wurde. Das Geld stammte aus Stromgebühren, die die Einwohner des Gazastreifens bezahlten.

Die radikal-islamische Hamas, die 2007 gewaltsam die Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen hatte, leitete jedoch die Gebühren nicht mehr an die Palästinenserbehörde im Westjordanland weiter. Zur Begründung hieß es, viele Haushalte im verarmten Gazastreifen seien zahlungsunfähig. Die Palästinenserbehörde kaufte daher keinen Treibstoff mehr von Israel für den Gazastreifen.

Hamas importiert seit gut einem Jahr Treibstoff durch Schmugglertunnel aus Ägypten. Die Schmuggler hatten die Lieferung jedoch zuletzt eingestellt und höhere Preise verlangt.

Al-Amrin machte jedoch Israel für den Treibstoffmangel verantwortlich und bat Ägypten um Hilfe. Israel hatte eine Blockade des Gazastreifens mit seinen etwa 1,6 Millionen Einwohnern nach dem Hamas-Putsch verschärft. Im vergangenen Jahr lockerte Israel die Abriegelung des Küstengebiets nach scharfer internationaler Kritik. Ägypten öffnete den Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen im Mai vergangenen Jahres für den Personenverkehr. (APA)

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