Kommunist Sjuganow und Ultranationalist Schirinowski: Präsidentenwahl nicht demokratisch
Moskau - Zwei Bewerber bei der russischen
Präsidentenwahl haben die Omnipräsenz des Favoriten Wladimir Putin im
Fernsehen beklagt. Die Wahl am 4. März sei nicht demokratisch, weil
mindestens drei TV-Stationen dem derzeitigen Ministerpräsidenten
Putin zu Diensten seien, beklagten der Kommunist Gennadi Sjuganow und
der Ultranationalist Wladimir Schirinowski am Dienstag vor Journalisten
in Moskau. Die Fernsehsender Perwij, Rossija und NTW berichteten
ausführlich über alle Äußerungen Putins, während die Gegenkandidaten
ignoriert würden.
Nach Angaben der Kommunistischen Partei widmeten fünf
Fernsehsender Putin zwischen dem 2. und 11. Februar 680 Minuten,
während es für Sjuganow 65 Minuten und für Schirinowski 146 Minuten
waren. Sjuganow und Schirinowski beklagten zudem, dass Putin kein
Fernsehduell mit ihnen wolle. Die beiden altgedienten Politiker
wollen ihre Benachteiligung am Mittwoch im Unterhaus sowie bei
Präsident Dmitri Medwedew ansprechen. Die Liga der Wähler, ein
Bündnis von Oppositionellen, Kulturschaffenden und Journalisten,
hatte sich schon am Montag bei der Wahlkommission über die
Bevorzugung Putins im Fernsehen beschwert.
Eine Wahl Putins für eine dritte Amtszeit als Präsident gilt als
sicher, möglicherweise muss er sich aber erstmals einer Stichwahl
stellen. Seit den umstrittenen Parlamentswahlen im Dezember, mit
denen der Ämtertausch zwischen Putin und Medwedew eingeleitet wurde,
gibt es Massenproteste gegen die russische Führung. Putin war bereits
von 2000 bis 2008 Präsident, durfte nach diesen zwei Amtszeiten in
Folge aber nicht direkt wieder antreten. (APA)