Streit über Beitrag Österreichs zur Atomforschung

Saskia Jungnikl , 14. Februar 2012, 15:53
  • Artikelbild
    foto: apa/epa

    Helme in einer Fusionsforschungsanlage. Österreich zahlt mit bei der europaweiten Atomforschung. Für Erkenntnisse bei der Sicherheit, sagt die Regierung. Die Grünen sehen verdeckte Förderungen.

Ab Februar verhandeln die EU-Staaten ein neues Forschungsprogramm, das unter anderem die Atomforschung finanziert

105 Millionen Euro müsste Österreich zahlen, sagen die Grünen. Die Regierung soll ein Veto einlegen.

* * *

Wien - Etwa 4,4 Milliarden Euro könnte die EU in den Jahren 2014 bis 2018 für Atomforschung zahlen. Das belegen Unterlagen, die dem STANDARD vorliegen. Für das Euratom-Forschungsprogramm soll es 1,79 Milliarden, für das Kernfusionsforschungsprogramm 2,57 Milliarden geben.

Nachdem der Anteil Österreichs am EU-Budget derzeit bei 2,4 Prozent liegt, würde das Land der europäischen Atomforschung etwa 105 Millionen Euro zuschießen. Das haben die Grünen berechnet, und sie sind über die Höhe der Zahlungen empört.

"Schutz der Bevölkerung"

Bei der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) gilt das Einstimmigkeitsprinzip, jeder Staat hat eine Vetomöglichkeit: Die Grünen wollen, dass Österreich die Chance des Vetos bei den anstehenden Verhandlungen wahrnimmt. Am 20. und 21. Februar tagt der EU-Wettbewerbsrat in Brüssel. Dabei soll das gesamte EU-Forschungsprogramm "Horizon 2020" koordiniert werden - von dem Euratom nur einen Teil ausmacht. Ende November 2011 hatte die EU-Kommission bereits Vorschläge vorgelegt.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle wird an den Verhandlungen teilnehmen. In den vergangenen Wochen hat er mit den anderen Ministerien das österreichische Positionspapier erarbeitet, das heute, Dienstag, den Ministerrat passiert.

Wichtig sei, dass Österreich eine Neuorientierung der europäischen Nuklearforschung eingeleitet habe, die "klar zugunsten der Sicherheitsforschung und zum bestmöglichen Schutz der Bevölkerung geht", sagte Töchterle.

Versteckte Subventionen

Grünen-Chefin Eva Glawischnig sieht den Sicherheitsaspekt als "Scheinargument". Mit der Stimme Österreichs würden unter dem Deckmantel Sicherheit "versteckt" Milliardensubventionen an die Atomindustrie gehen.

Töchterle müsse zu Anfang der Verhandlungen klarmachen, dass Österreich dem EU-Atomforschungsprogramm nicht zustimmen wird. "Die EU wäre gut beraten, die 4,4 Milliarden Euro in die grüne Energiewende zu investieren", sagte Glawischnig.

Töchterle hatte sich kürzlich in einem STANDARD-Interview "enttäuscht" von den Grünen gezeigt. Reflexartig würden sie die Erfolge betreffend Euratom schlechtreden.

Die Verhandlungen auf EU-Ebene starten zwar kommende Woche, ein Abschluss ist aber erst bis Mitte 2013 zu erwarten. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.02.2012)

Maximilian_Attems
 
03
15.2.2012, 23:12
Pöse atome

Ohne sie würden keine Grüne existieren.

ira losco
03
15.2.2012, 01:42
Werner Engel
06
14.2.2012, 21:54
Fusion als einziger Weg ...

... aus der Energiekrise, sollte so viel wie möglich Budget bekommen!! Die Frage ist nur, wie man das der Ölindustrie und Kernspaltungsindustrie "verkaufen" kann? Einige investieren bereits in Photovoltaik - ist das die Zukunft? Die technologischen Herausforderungen rund um de Fusionsforschung sind derart unvorstellbar aufwendig, dass sich das nur erreichen lässt, wenn ALLE an einem Strang ziehen. Und ohne enorme finanzielle Unterstützung der Forschung, wird das nicht klappen. ITER ist leider am besten Weg genau dort hin - kein Geld, keine Fusion, keine Energie - damit kann man dann endlich wieder mehr Geld mit Öl verdienen ;-)

alpha_centauri
02
14.2.2012, 21:01
Nur absolut populistische Maßnahme!!

Das Forschungsbudget soll verkleinert oder am besten garnicht erst geben, weil die ATOM-Forschung ja so gefährlich ist und man sich auf die Energiewende konzentrieren sollte. Intressant ist nur das ein großteil dieses Budgets für die Fusionsforschung ausgegeben wird, die in sachen Energiewende warscheinlich eine der größten Rollen spielen wird!!

dirry
11
14.2.2012, 21:44
jein

die Gelder für die Atomforschung (Endlager, Brüter) aus Österreich kann ruhig eingestellt werden. Auch die Gelder für die Plasmaforschung (ITER) könnten eingestampft werden.

Das Geld für die Hochenergiephysik (CERN) kann aber meiner Meinung nach gerne erhalten werden, wobei ich auch hier der Meinung bin, dass das Geld - zumindest derzeit - in die Universitäten und Erneuerbare Energieträger sinnvoller investiert werden könnte.

Ja bitte
10
14.2.2012, 19:03
Kann man nicht stattdessen die "offenen Subventionen"

für "Bio"-Sprit, "Bio"-Gas und das zubetonieren unserer Flüsse mit rein Marktwirtschaftlich betrachtet ineffizienten Kleinwasserkraftwerken streichen??
Auch bei Solar wäre vielleicht mal ein bisschen mehr Forschung und dafür sehr viel weiniger (Anti-) Markt-Anreizprogramm sehr hilfreich :)

f l o
 
05
14.2.2012, 18:36

genau. forschung sofort beenden. wenn man etwas nicht erforscht, ist es nämlich nicht mehr gefährlich.

wenn ich beim fahren auf der autobahn angst bekomme, weil die anderen so fies drängeln, dann mache ich auch immer die augen ganz fest zu, damit mir nichts passieren kann.

3dGeist
04
14.2.2012, 18:23

Hätte man die Atomforschung nicht jahrzentelang stiefkindlich behandelt gäbe es schon längst Lösungen für den Atommüll.
Anstatt die Forschung voranzutreiben hat unsere Ökolobby ihren Einfluss soweit ausgeweitet dass sie fast jede sinnvolle Forschung unterbunden haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.