Der lange Weg vom Zinshaus zum Luxushotel

  • So soll das "Palais Hansen Kempinski" im Frühjahr 2013 aussehn.
    vergrößern 800x566
    rendering: kempinski

    So soll das "Palais Hansen Kempinski" im Frühjahr 2013 aussehn.

  • Noch ist es eine Baustelle: Hier ein Blick vom 20. Stockwerk des Ringturms.
    vergrößern 800x600
    foto: putschögl

    Noch ist es eine Baustelle: Hier ein Blick vom 20. Stockwerk des Ringturms.

  • So manches Zimmer hat aber immerhin schon eine Nummer.
    vergrößern 800x600
    foto: putschögl

    So manches Zimmer hat aber immerhin schon eine Nummer.

Das Palais Hansen am Wiener Schottenring, erbaut vom gleichnamigen Ringstraßen-Architekturstar, wird von Boris Podrecca zu einem Kempinski umgebaut

Seit Sommer 2010 wird schon an der Metamorphose gewerkt, am heutigen Dienstag gewährte die Kempinski-Gruppe erstmals einen Blick auf die Bauarbeiten im Palais Hansen am Wiener Schottenring. Das zwischen 1869 und 1873 im Stil der Neorenaissance erbaute Gebäude wird nämlich gerade zum Luxushotel umgestaltet, dieses soll im März 2013 eröffnet werden. Die Investitionssumme liegt bei "deutlich über 100 Millionen Euro", detaillierter ließ sich Kempinski-Vizepräsident Rupert Simoner nicht in die Karten blicken.

Das Palais Hansen wurde als Zinshaus bzw. als Zinshaus-Komplex mit gemeinsamer Fassade von Theophil Hansen und Heinrich Förster entworfen. Anlässlich der Wiener Weltausstellung von 1873 erfolgte ein Umbau zum Hotel. Später diente der Prachtbau wieder als Wohnhaus, 1941 wurde er zum Amtsgebäude, zuletzt für das Gesundheitsamt und den Wiener Krankenanstaltenverbund.

1920er-Jahre-Stil

Nach dem "Ringstraßen-Star" Hansen - er baute bekanntlich unter anderem auch das Parlament, die Börse und den Musikverein - macht sich nun mit Boris Podrecca ein anderer sehr prominenter Architekt an dem altehrwürdigen Palais zu schaffen. Gemeinsam mit Partner Dieter Hayde will Podrecca beim Umbau "nicht den Stil des Alten Wien, sondern jenen des Wiens der 1920er-Jahre aufgreifen". Über die "modulare Bauweise" des alten Gemäuers zeigte sich der gebürtige Triestiner Architekt schwer beeindruckt; er sprach von einem "Plural an Singularem", Hansen habe hier einen "sehr modernen Zugang zu einem klassischen Palais" an den Tag gelegt.

Die alte Bausubstanz wird nun mit neuen Elementen verbunden, etwa mit Glasflächen im Eingangsbereich und auf dem Dach. Die Kubatur des neuen Daches soll nach Fertigstellung übrigens mit jener des alten Hansen-Entwurfs völlig übereinstimmen, nur werde sie eben vom Material Glas dominiert sein, erklärte Podrecca - der die Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt "hervorragend" nannte. Dieses hatte keine Einwände gegen die Abtragung des alten Dachstuhls, der sei nämlich völlig morsch gewesen, berichtete Projektleiter Otto Raschauer. 

In den beiden Geschoßen direkt unter dem neuen Dach (Dachgeschoß und 4. Obergeschoß) werden - wie neuerdings bei Luxushotels mehr oder weniger schon üblich - "Penthouse-Residenzen" entstehen, die als luxuriöse Eigentumswohnungen inklusive Hotel-Service veräußert werden. Michael Wurzinger von der Palais Hansen Immobilienentwicklung GmbH, über die der Verkauf der 17 Residenzen mit Größen zwischen 130 und 340 Quadratmetern abgewickelt wird, wollte am Dienstag noch keine Quadratmeterpreise nennen, mit rund 20.000 Euro oder mehr wird aber wohl zu rechnen sein. 

152 Zimmer

Das Hotel selbst wird 94 Standardzimmer (38 bis 45 m²), 18 Juniorsuiten (50 bis 60 m²), 39 Suiten (ca. 70 m²) und eine Präsidentensuite mit rund 300 Quadratmetern umfassen. Außerdem sind zwei Restaurants, eines davon mit "offener "Küche, zwei Bars, Lounges, Tagungs- und Veranstaltungsräume inklusive einem Ballsaal für 280 Personen sowie ein Spa- und Fitnessbereich vorgesehen. Insgesamt beträgt die Bruttogeschoßfläche des Gebäudes laut Auskunft von Projektleiter Raschauer 28.000 Quadratmeter.

Als Investor tritt ein Konsortium bestehend aus Wiener Städtischer Versicherung (sie hält 43,26 Prozent an der Palais Hansen Immobilienentwicklung GmbH), Porr Solutions (26,86 Prozent), Warimpex (9,88 Prozent) und der Wien-Holding (20 Prozent) auf. Detail am Rande: Mit der Übernahme des Objekts seitens des Konsortiums im Jahr 2007 ist die Porr AG nun wieder (Mit-)Besitzer der geschichtsträchtigen Immobilie. Der Konzern, der als "Allgemeine österreichische Baugesellschaft" 1869 gegründet worden war, kehrte damit zu einem seiner ersten Bauprojekte zurück. (Martin Putschögl, derStandard.at, 14.2.2012)

Share if you care