Forscher fanden heraus: Argentinische Landschildkröte reiste auf Treibgut gen Süden
Dresden - 1.000 Kilometer in 10.000 Jahren: Dies war die ungefähre Geschwindigkeit, mit der sich die Argentinische
Landschildkröte in Südamerika ausgebreitet hat. Was auf den ersten Blick machbar scheint - 100 Meter pro Jahr - ist bezogen
auf die Verbreitung ganzer Populationen zumindest bei Schildkröten sehr selten. Forscher aus Dresden haben nun zusammen mit Kollegen aus Österreich, der USA und Südamerika eine Erklärung für das vergleichsweise
schnelle Vorankommen dieses Reptils gefunden. Sie gehen davon aus, dass die Tiere bei Hochwasser auf
Treibgut im Desguadero-Fluss größere Distanzen überwanden und dabei den sich zurückziehenden Gletschern der letzten Eiszeit in den Süden Südamerikas folgten.
Nach Angaben von Uwe Fritz vom Senckenberg Forschungsinstitut in
Dresden ist der Aktionsradius der Argentinischen
Landschildkröte sehr gering. "In Europa sind
sie immer noch dort, wo sie zur letzten Eiszeit nicht erfroren sind", sagte der
Wissenschafter und machte so das wahre
Tempo der Schildkröten deutlich.
Aus drei Arten wird eine
Fritz hatte zusammen mit Kollegen aus u.a. Österreich anhand von
Erbgut-Untersuchungen herausgefunden, dass sich hinter den drei bis dato
bekannten Arten dieser Landschildkröte nur eine verbirgt. Bisher war sie in die
Arten Chelonoidis chilensis, Chelonoidis donosobarrosi und Chelonoidis petersi
unterteilt worden. "Wir haben das Erbgut dieser Tiere untersucht und nur
vernachlässigbar geringe Unterschiede feststellen können. Daher gehen wir davon
aus, dass es sich nur um eine einzige Art handelt."
Die Studie, die am Freitag im Fachblatt "Zoologica Scripta" erschien, brachte
zudem ans Tageslicht, dass auf der Südhalbkugel die genetische Vielfalt dieser
Reptilien in Richtung Süden abnimmt. Der Äquator sei wie eine Art Spiegel, denn
auch auf der Nordhalbkugel verringere sich die genetische Diversität mit
steigenden Breitengraden, hieß es. (APA, red)