Rasante Schildkröten-Ausbreitung: 1.000 Kilometer in 10.000 Jahren

14. Februar 2012, 14:47
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Forscher fanden heraus: Argentinische Landschildkröte reiste auf Treibgut gen Süden

Dresden - 1.000 Kilometer in 10.000 Jahren: Dies war die ungefähre Geschwindigkeit, mit der sich die Argentinische Landschildkröte in Südamerika ausgebreitet hat. Was auf den ersten Blick machbar scheint - 100 Meter pro Jahr - ist bezogen auf die Verbreitung ganzer Populationen zumindest bei Schildkröten sehr selten. Forscher aus Dresden haben nun zusammen mit Kollegen aus Österreich, der USA und Südamerika eine Erklärung für das vergleichsweise schnelle Vorankommen dieses Reptils gefunden. Sie gehen davon aus, dass die Tiere bei Hochwasser auf Treibgut im Desguadero-Fluss größere Distanzen überwanden und dabei den sich zurückziehenden Gletschern der letzten Eiszeit in den Süden Südamerikas folgten.

Nach Angaben von Uwe Fritz vom Senckenberg Forschungsinstitut in Dresden ist der Aktionsradius der Argentinischen Landschildkröte sehr gering. "In Europa sind sie immer noch dort, wo sie zur letzten Eiszeit nicht erfroren sind", sagte der Wissenschafter und machte so das wahre Tempo der Schildkröten deutlich.

Aus drei Arten wird eine

Fritz hatte zusammen mit Kollegen aus u.a. Österreich anhand von Erbgut-Untersuchungen herausgefunden, dass sich hinter den drei bis dato bekannten Arten dieser Landschildkröte nur eine verbirgt. Bisher war sie in die Arten Chelonoidis chilensis, Chelonoidis donosobarrosi und Chelonoidis petersi unterteilt worden. "Wir haben das Erbgut dieser Tiere untersucht und nur vernachlässigbar geringe Unterschiede feststellen können. Daher gehen wir davon aus, dass es sich nur um eine einzige Art handelt."

Die Studie, die am Freitag im Fachblatt "Zoologica Scripta" erschien, brachte zudem ans Tageslicht, dass auf der Südhalbkugel die genetische Vielfalt dieser Reptilien in Richtung Süden abnimmt. Der Äquator sei wie eine Art Spiegel, denn auch auf der Nordhalbkugel verringere sich die genetische Diversität mit steigenden Breitengraden, hieß es. (APA, red)

  • Die Argentinische Landschildkröte Chelonoidis chilensis zählt in der Tierwelt nicht gerade zu den Sprintern. Was die Ausbreitung ihrer Populationen betrifft, war sie in der Vergangenheit aber vergleichsweise flott unterwegs.
    foto: peter praschag

    Die Argentinische Landschildkröte Chelonoidis chilensis zählt in der Tierwelt nicht gerade zu den Sprintern. Was die Ausbreitung ihrer Populationen betrifft, war sie in der Vergangenheit aber vergleichsweise flott unterwegs.

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