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Istanbul - Im 70 km von Istanbul entfernten Silivri hat am Dienstag der Prozess im größten Fußball-Skandal der Türkei begonnen. 93 Verdächtige müssen sich wegen angeblicher Spielmanipulation verantworten. Unter den Angeklagten befinden sich Aziz Yildirim, der Präsident des Istanbuler Traditionsvereins Fenerbahce, und Olgun Peker, der frühere Chef des Zweitligisten Giresunspor. Die Staatsanwälte fordern unter anderem 147 Jahre Haft für Präsident Aziz Yildirim von Fenerbahce Istanbul. Gegen sechs andere Clubs laufen ebenfalls Ermittlungen. 14 Spieler, sowie Trainer und Schiedsrichter müssen mit einer Strafe rechnen.
Hunderte Fans vor Ort
Begleitet wurde der Prozessauftakt von Hunderten Fenerbahce-Fans, die den 59-jährigen Yildirim und 13 andere Profis des türkischen Meisters unterstützen wollten. "Wir haben recht, wir werden siegen", skandierten sie und hielten in Anspielung auf den Valentinstag ein Banner in die Höhe: "Unsere Liebe gilt nicht nur für den 14. Februar, sie gilt für immer", stand darauf. "Unser Name wurde beschmutzt, aber wir werden ihn wieder säubern", sagte ein Anhänger. In einem eigens aufgebauten Zelt wurden die Anhänger mit Tee, Kaffee und Suppe versorgt.
Die Angeklagten waren im vergangenen Jahr festgenommen worden. Ihnen wird unter anderem die Gründung einer von Yildirim angeführten "bewaffneten Bande" vorgeworfen, die das Ziel hatte, Fußballspiele zu manipulieren. Alle Angeklagten haben die Anschuldigungen bisher zurückgewiesen. Das Verfahren bezieht sich auf bis zu 19 angeblich verschobene Spiele in der türkischen Süper Lig und weitere Manipulationen in der zweiten Liga in der Spielsaison 2010/11.
Der Prozess startet zwei Wochen nach dem Rücktritt des Präsidenten des türkischen Fußballverbandes (TFF), Mehmet Ali Aydinlar, sowie zwei seiner Stellvertreter. Ihnen wurde vorgeworfen, gegen die im Skandal betroffenen Clubs nicht entschieden genug vorgegangen zu sein. Die UEFA hat bereits angekündigt, den Verlauf des Prozesses genau zu verfolgen. Mit Besiktas und Trabzonspor sind zwei beschuldigte Vereine noch im Sechzehntelfinale der Europa League engagiert, ihnen droht der Ausschluss.
Fenerbahce hatte sich in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag durch ein 4:3 gegen Sivasspor den Titel gesichert. Auch diese Partie soll verschoben worden sein. Nach Bekanntwerden des Skandals beugte sich der TFF dem Druck der UEFA und nominierte Fenerbahce nicht für die Champions League.
Politische Debatte
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anatolian waren 48 der 93 Beschuldigten zu Prozessbeginn anwesend, unter ihnen Yildirim und Peker, die sich seit ihrer Verhaftung im vergangenen Jahr in Untersuchungshaft befinden. Die Verhandlung soll noch bis Freitag am derzeitigen Verhandlungsort fortgeführt werden. Der Skandal hat auch zu heftigen politischen Debatten geführt. Das türkische Parlament hatte im Dezember ein Gesetz verabschiedet, das die Höchststrafen für Wettbetrüger senkt. (APA/Reuters)
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