Nach 400 Jahren

Stadtrat von Köln distanziert sich von Hexenprozessen

14. Februar 2012, 13:49
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    foto: martin le france

    Hexenflug auf dem Besen, so wie man sich das im 15. Jahrhundert vorgestellt hat. Die Miniatur stammt aus einer Handschrift von Martin Le France aus dem Jahr 1451.

Ausschuss regte einstimmig "offizielle Erklärung" gegen das Unrecht der Hexenverfolgung an

Köln - Rund 400 Jahre nach der Hochzeit der Hexenverbrennungen hat ein Ausschuss des Kölner Stadtrats am Montag das frühneuzeitliche Morden im Namen des Staates und der Kirchen verurteilt. Der Ausschuss regte einstimmig eine "offizielle Erklärung" des gesamten Stadtrates an, in der sich dieser vom Unrecht der Hexenverfolgung distanzieren solle. Der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler (65) hatte zuvor die Rehabilitierung aller in Köln hingerichteten Hexen einschließlich der heute noch bekannten Postmeisterin Katharina Henot (ca. 1570-1627) beantragt.

Der Ausschuss vertrat die Ansicht, dass die Stadt Köln schon sehr viel, aber noch nicht alles getan habe, um die als Hexen verleumdeten Frauen zu rehabilitieren. Der Ausschuss bat auch das Erzbistum Köln, sich von dem begangenen Unrecht zu distanzieren.

Sozialethische Rehabilitierung

Hegeler bedankte sich anschließend herzlich bei dem Ausschuss: "Ich bin glücklich, ich bin richtig froh". Es gehe ihm nicht um eine juristische, sondern um eine sozialethische Rehabilitierung. "Es ist unsere moralische Pflicht, dass wir für das Schicksal von Menschen eintreten, die unschuldig verfolgt wurden." In Deutschland hätten bisher schon 13 Kommunen die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert.

Die Stimme der Katharina Henot sei 1627 erstickt worden, als man sie vor den Toren Kölns erdrosselt habe, sagte Hegeler vor dem Ausschuss. "Man hat versucht, sie für immer zum Schweigen zu bringen, aber das ist nicht gelungen. Bis heute redet man von ihrem Schicksal in dieser Stadt."

Justizmord

Hanns Joachim Hirtz, ein Nachfahre von Katharina Henot, sagte, der Prozess gegen sie sei selbst  nach den damaligen Maßstäben ein Justizmord gewesen, da sie sich auch unter schwerster Folter nicht schuldig bekannt habe. Nach den damaligen Gesetzen konnte man nur für eine Tat verurteilt werden, die man selbst zugegeben hatte. Um das zu erreichen, wurde die Folter angewandt.

Insgesamt wurden in Köln 38 Todesurteile wegen Hexerei vollstreckt. Zu den Opfern gehörten nicht nur Frauen, sondern auch drei Männer und ein Junge. Ein achtjähriges Mädchen, das ebenfalls eine Hexe sein sollte, wurde aus der Stadt verbannt. Der Fall der Katharina Henot ist aber der bekannteste. Ihrem Schicksal haben die Bläck Fööss sogar ein Lied gewidmet.

IN der Vergangenheit kursierten Opferzahlen von mehreren 100.000 bis neun Millionen. Der aktuelle Stand der Forschung geht dagegen in Europa von bis zu 60.000 hingerichteten Männern, Frauen und Kindern aus. Auf dem Boden des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sollen insgesamt schätzungsweise 25.000 Menschen als Hexen und Zauberer hingerichtet worden sein. (APA, red)

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Posting 1 bis 25 von 85
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Lord Chaos
00
17.2.2012, 15:28
Der Ausschuss bat auch das Erzbistum Köln, sich von dem begangenen Unrecht zu distanzieren.

Die Kirche soll zugeben, dass sie Unrecht begangen hat? Das wird dann vermutlich noch einmal 400 Jahre dauern.

Jeder hat das Recht auf meine Meinung
20
15.2.2012, 16:18
Katharina Henot?

Arbeitet nicht einer der nachfahren der "Hexenjäger" bzw der damaligen Konkurrenz im Postgeschäft heute für Sky? Ist das schon bestätigt oder immer noch ein böses Gerücht?

Jeder hat das Recht auf meine Meinung
10
16.2.2012, 09:40
rot für was?

Thurn und Taxis waren damals die schärfste Konkurrenz. Und einer von diesem Geschlecht arbeitet heute als Moderator bei Sky.

der schwitzbär der schwitzt sehr
10
15.2.2012, 14:49
Hexendenkmal auf dem Heldenplatz!

auch bei uns wurden haufenweise unschuldige Frauen gefoltert und verbrannt!

Lord Chaos
03
17.2.2012, 15:32

Falsch! Die schlimmsten Exzesse fanden in protestatntischen Ländern sowie in einigen katholischen Ländern mit fanatischen Regenten statt. Österreich gehört nicht dazu. Die Habsburger hatten nie ein Interesse daran ihre steuerzahlenden Untertanen zu verbrennen.

Jürgen Rembremerding
00
15.2.2012, 16:47
warum nicht an der Straße mit dem schönen Namen

Enge Lucken?

Mirabeau
04
15.2.2012, 16:36
In Wien nur eine einzige.

Elsa Plainacher, hingerichtet am 27. September 1583 auf der Gänseweid (Heute Hunderwasserhaus) und die hat schon ihre Elsa Plainacher Gasse im 22 Bezirk.

Ursprünglich wurde die demente 70 jährige Frau ja vom Vorwurf der Hexerei freigesprochen und stattdessen ins Spital eingeliefert.

Dann kam aber aber ein Tiroler Hassprediger in Wien an, so eine Art H.C. des 16 Jahrhunderts, der Jesuit Georg Scherer. Der hetzte und hetzte und wiegelte ganz Wien auf, bis sich die Stadtoberen nicht mehr anders zu helfen wussten, als seinen Forderungen nachzukommen, aus Angst, sie würden sonst aus dem Amt gejagt werden.
Man sieht, es ändert sich nichts. Alles war schon mal da. Der Prozess wurde jedenfalls neu aufgerollt, und die Elsa Plainacher verurteilt.

der schwitzbär der schwitzt sehr
52
15.2.2012, 18:10

Hexenmordverharmloser!

Jeder hat das Recht auf meine Meinung
02
15.2.2012, 16:15

oder werden Bezirksvorsteherinnen in 1010....

Jürgen Rembremerding
31
15.2.2012, 13:27
Christian Eder
01
15.2.2012, 12:52
Seltsam!

In diesem Forum posten etwas eigenartige Menschen, für deren Ironie (?) ich offenbar zu naiv bin. Zur sattsam bekannten Häme über die "Katholen": Einer der ersten, die wirksam gegen die Hexenprozesse aufgetreten sind, war der Jesuitenpater Friedrich von Spee mit seinem epochalen Werk "Cautio criminalis" oder "rechtliche Bedenken gegen die Hexenprozesse". Meine diesbezügliche kleine Arbeit kann ich Interessenten auf Wunsch gerne zusenden.

Wyle E. Koyote
00
27.2.2012, 23:07
Malleus Maleficarum

geschrieben von einem dominikaner also auch ein katholik... sollte faiererweise nicht unerwähnt bleiben
nettes buch voller christlicher nächsten- und feindesliebe....

Nick Tameer
01
15.2.2012, 23:28

Ein wäre objektiv betrachtet in vieler Hinsicht für ein "subito santo"-Casting der Kath. Kirche nach 400 Jahren ein glänzender Kandidat - und wurde wohl auch schon mehrfach vorgeschlagen - aber seine Art ekstatischer Frömmigkeit (diese ungeduldige Aufforderung an den Heiland, die Himmel gewaltsam aufzureißen!) riecht ebenso nach Befreiungstheologie wie seine praktische Aufmüpfigkeit und so ist er weder der Typ, der ältliche Nonnen zur Spontanheilung ihrer Krampfadern inspiriert, noch, wie demütig er sich andererseits auch zum Teil geben mag, ältliche Prälaten wirklich zu erwärmen.

Die "Cautio Criminalis" ist übrigens heute immer noch lesenswert und auch durchaus noch aktuell.

Mormoloc
00
15.2.2012, 16:34
Es gab keinen Friedrich von Spee.

Nick Tameer
00
15.2.2012, 22:39

Friedrich Spee von Langenfeld wäre korrekt.

Mormoloc
00
15.2.2012, 23:10
Yepp!

Dann wollen wir mal hoffen, daß er so auch in der "diesbezüglichen kleinen Arbeit" steht...

Mormoloc
00
17.2.2012, 23:18
Ja... und?

huhhhh
31
15.2.2012, 14:13

Großartig. Wenn aus einer Verbrecherbande einer Skrupel bekommt und abspringt, wird demnach aus der Verbrecherbande ein Haufen sauberer Burschen?

Den Schuh muss sich die Kirche schon anziehen, da hilft kein lamentieren.

Nick Tameer
02
17.2.2012, 01:46

Es ist allerdings ein wenig zu einfach, die Kirche isoliert für den Hexenwahn verantwortlich zu machen, der mehr so etwas wie ein Anliegen der Zivilgesellschaft war. Der Hexenwahn erklärt sich nur bedingt aus religiösen Wurzeln und die Kirche hatte ihn im Mittelalter nie gefördert, sondern sich ihm eher entgegengestellt. Umgekehrt gebot ihm auch die Reformation - die hier die Chance gehabt hätte, aufklärerisch zu brillieren - nirgendwo Einhalt, während es in manchen erzkatholischen Ländern zu keinen Verfolgungswellen kam.

Zinsenfeger
01
16.2.2012, 17:01

Den einen Schuh, ja (wenn auch Mirabeau ganz treffend bemerkt, dass da nicht nur eine Kirche beteiligt war).

Den anderen Schuh - die überaus eifrigen Helfershelfer, die nur allzugerne die unliebsame Nachbarin als Hexe denunzierten und vor den Kadi zogen, um den Prozess zu fordern. Sie wissen schon, dass sich auch die zivilen Gerichte in dieser Angelegenheit nicht mit Ruhm bekleckert haben?

Mirabeau
03
15.2.2012, 15:32
Die Kirche hat sich ohne jeden Zweifel schuldig gemacht.

Papst Innozenz VIII war übrigens der einzige Papst, der je schriftlich festhielt, es gebe so etwas wie Hexerei. Seine Bulle verlieh zwar die Vollmacht zur Zurechtweisung, Inhaftierung und Bestrafung verdächtiger Personen, jedoch nicht zur Hexenverbrennung.
Die Gerichtsbarkeit, die Menschen verurteilte und verbrannte, war stets eine weltliche.
Übrigens, welche Kirche meinen sie eigentlich mit "die Kirche"? Im protestanischen Deutschland brannten die Scheiterhaufen ständig, im katholischen Italien oder Portugal dagegen fast nie. Die letzten Hexenverbrennungen fanden in den protestantischen Ländern Schweiz (1782) und im Preussen (1793) statt, die letzte Verurteilung wegen Hexerei (9 Monate unbedingt) erfolgte 1944 im anglikanischen England.

Erwin Schwarzmüller
00
22.2.2012, 20:01
in Italien, Portugal wie auch in Spanien

pflegte man stattdessen die praktische Einrichtung des Autodafe. Da wurden in manchen Gegenden oft im Wochentakt jedenfalls gerne bei Katastrophen die Mann sich damals nicht erklären konnte, Menschen verbrannt, die man des Unglaubens, der Heräsie oder der Ketzerei bezichtigte. Schon sehr sonderbar, die menschliche Zivilisation bzw. abendländische Kultur oder was dafür gehalten wird.

Einflüsse der römischen "Kultur" sind da wohl nicht ganz auszuschließen, die den ganzen Kontinent Europa inkl. Nordafrika udn Kleinasien mit Ihrer Gewaltherrschaft imprägnierte und bei unserem Rechtssystem immer noch gewichtigen Eingang findet. Ist römisches Recht immer noch eine Säule des Öst. Jusstudiums und Kirchenrecht?

Nick Tameer
00
15.2.2012, 23:56

In den polnischen Gebieten, die Preußen Ende des 18. Jahrhunderts im Rahmen der polnischen Teilungen annektierte, war Hexenglauben wohl verbreitet und es kam dort auch im 18. Jahrhundert noch häufig zu Anschuldigungen und Anklagen, aber eher nicht zu Todesurteilen, und speziell für den Hexenprozess von 1793 scheint die Quellenlage so dürftig zu sein, dass es eine Legende handeln dürfte.

Nick Tameer
00
15.2.2012, 23:56

In den polnischen Gebieten, die Preußen Ende des 18. Jahrhunderts im Rahmen der polnischen Teilungen annektierte, war Hexenglauben wohl verbreitet und es kam dort auch im 18. Jahrhundert noch häufig zu Anschuldigungen und Anklagen, aber eher nicht zu Todesurteilen, und speziell für den Hexenprozess von 1793 scheint die Quellenlage so dürftig zu sein, dass es eine Legende handeln dürfte.

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