Vergleich schwer möglich

AHS-Gewerkschaft lehnt Verordnung zur Zentralmatura ab

14. Februar 2012, 12:07
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    foto: derstandard.at/rwh

    Kritisiert wird auch der österreichweite Klausurtermin. "Im Sinne einer Gleichbehandlung" brauche es in Ost- und Westösterreich "zwei zentrale Klausurtermine, damit das Schuljahr in der letzten Schulstufe für alle Schüler gleich lang ist".

Entwurf "wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet" - Zwei Klausurtermine für Ost- und West-Österreich gefordert

Wien - Die Kritik an der ab 2014 an AHS bzw. ab 2015 an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) geplanten teilzentralen Matura reißt nicht ab: Die AHS-Gewerkschaft hat nun jenen Verordnungsentwurf mit Detailregelungen, mit dem Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor knapp drei Wochen als Reaktion auf die Kritik der Schulpartner reagiert hatte, "generell abgelehnt". "Der Entwurf wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet", so die Gewerkschafter in einer Stellungnahme. Die vom Ministerium angestrebte Vergleichbarkeit zwischen den beiden Schularten sei "nicht einmal ansatzweise gegeben".

Mangel an Unterrichtsmaterial

Die kompetenzorientierte, teilzentrale Reifeprüfung wird ab 2014 an den AHS und 2015 an den BHS flächendeckend eingeführt. Dabei müssen alle Schüler am selben Tag dieselben Aufgaben lösen. In der AHS umfasst die Zentralmatura die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. In sechs Fächern gibt es an den AHS laut Verordnung weiter keine zentralen Klausuren (Darstellende Geometrie, Physik, Biologie, Musik, Bildernische Erziehung, Sport). Die Lehrergewerkschaften haben in den vergangenen Monaten mehrfach schleppende Vorbereitungen sowie einen Mangel an Unterrichtsmaterial kritisiert und eine Aufschiebung in einzelnen Bereichen sowie eine die Rechtslage klärende Verordnung gefordert.

Unterschiedlichen Schwerpunkte der Schulformen

In ihrer Stellungnahme kritisiert die AHS-Gewerkschaft nun eine "bereits eingetretene jahrelange Verspätung" durch das Ministerium und äußerte erneut die Meinung, dass "vollzentrale Klausuren dem Unterricht an Schulen unterschiedlicher Stundentafeln und Schwerpunktsetzungen nicht gerecht werden können". Die bisherige Reifeprüfung bilde die verschiedenen Schulformen (Gymnasium, Realgymnasium, wirtschaftskundliches Realgymnasium und Oberstufenrealgymnasium) und Schwerpunktsetzungen ab, die neue Zentralmatura nehme jedoch nur auf "schulautonome Schwerpunkte, nicht aber auf die unterschiedlichen Schwerpunkte der Schulformen Rücksicht".

Zwei Klausurtermine

Kritisiert wird auch der österreichweite Klausurtermin. "Im Sinne einer Gleichbehandlung" brauche es in Ost- und Westösterreich "zwei zentrale Klausurtermine, damit das Schuljahr in der letzten Schulstufe für alle Schüler gleich lang ist". In der Stellungnahme wird zudem "mit Nachdruck" gegen die vorgesehene Streichung der Arbeitsgruppen zur Vorbereitung auf die mündliche Matura protestiert und auf zahlreiche ungeklärte Fragen verwiesen: So gehe aus der Verordnung nicht klar hervor, ob für das Bestehen einer Klausur alle Kompetenzbereiche positiv beurteilt werden müssen oder ob die "Minderleistung in einem Kompetenzbereich durch eine Mehrleistung in einem anderen kompensiert werden" kann. (APA)

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jumiru76
01
15.2.2012, 17:03
Taschenrechner

Also für meine Berufsreifeprüfung (Wobei das in dieser Schule für die normale Reifeprüfung auch gilt), wurde mein Casio fx-991ES als Taschenrechner vorgeschrieben. Dieser Rechner ist um ca. 17 € zu haben und beherrscht meiner Meinung nach alle notwendigen Funktionen (Für AHS Matura).

Murmelchen1
00
16.2.2012, 07:35
Das ist schön,

dann sollten Sie nachlesen, was für die "normale" Reifeprüfung in Zukunft gefordert ist. Stichwort: Programmierbarkeit.
Mit 17€ sind Sie da in keinem Fall dabei.

llewellyn
01
16.2.2012, 10:41

Bei uns an der Schule gibt es einen Satz Voyage den sich sozial schwache SchülerInnen ausleihen können. Das muss doch auch anderswo möglich sein.

Murmelchen1
00
16.2.2012, 13:37
Behaupte ja auch nicht, dass das nicht möglich ist.

Habe nur gesagt, dass ein 17€ Taschenrechner für die geplante Matura nicht ausreicht.
Wenn man sich den Leihtaschenrechner für jeweils ein Schuljahr ausleihen kann, halte ich das sogar für eine ausgezeichnete Lösung. Wenn allerdings nur jeweils für die Mathestunden ist es eine unbrauchbare Lösung, denn üben sollte man ja auch können.

hcl3
01
15.2.2012, 18:51

hat man ihnen mitgeteilt dass ihre berufsreifeprüfung in keinem anderen land außer österreich als reifeprüfung anerkannt ist ?

soisteshalt
00
15.2.2012, 13:10
OK

Die detailierten Kritikpunkte klingen über weite Strecken sehr schlüssig.

Wo ich laut auflachen musste war der Punkt mit den zu teuren Rechnern: alle paar Monate ein neues Handy, neueste Playstation XYZ, Computer usw. als Erziehungsersatz sind OK, aber sich für die (zeitgemäße) Ausbildung einen (Taschen-)Rechner um ca. 100€ anschaffen geht nicht?

Murmelchen1
03
16.2.2012, 07:43
Das kann man so aber auch nicht verallgemeinern -

an meiner Schule gibt es Kinder deren Eltern schon ganz schön zu denken haben, wenn die 15€ Kopiergeld einzusammeln sind, von irgendeiner Exkursion oder einem Sprachaufenthalt gar nicht zu sprechen und allen Eltern zu unterstellen zu würden ihre Kinder mit technischen Geräten als Erzeihungsersatz ruhigstellen ist auch nicht ganz fair. Der Taschenrechner ist halt ein weiteres Mosaiksteinchen was die versteckten Kosten des Schulbesuches betrifft. Sie haben aber schon Recht im Wesentlichen werden die Kosten des Taschenrechner niemanden umbringen.

D/E
00
15.2.2012, 13:50
Ganz so blöd ist das nicht.

Schließlich soll die Matura ja für alle gleich sein. Trotzdem wird es einer Absolventin der Kindergartenpädagogik etwas merkwürdig vorkommen, wenn sie sich einen programmierbaren Taschenrechner kaufen, dessen Handhabung erlernen und ihn richtig einsetzen soll.

Und 400 Euro machen einen Unterschied.

metalwoman
00
16.2.2012, 11:57

An BAKIP und HBLAs gibts ja zur Zeit nicht mal eine Mstura in Mathe, ich hatte es erstmals mündlich als Wahlfach. Und der Stoff, der an diesen Schulen gelehrt wird, ist das absolute Minimum, für das man diesen Rechner wirklich nicht braucht. Den brauchen höchstens HTLer.
Ich würde es aber begrüßen, wenn zukünftig an allen Schulen mehr Mathe gelehrt wird. Verrückte Leute wie ich, die nach so einer "Mädchenschule" ein MINT-Fach studieren wollen, würden dafür dankbar sein.

soisteshalt
00
18.2.2012, 14:06

In Zukunft werden ALLE in Mathematik bzw. BHS in Angewandter Mathemati maturieren und das ist gut so.

Auch wenn man nicht MINT studieren will, gehört einfach Mathematik zum höher gebildeten Grundwissen und selbst die HLW hat den Auftrag Allgemeinbildung (im gegensatz zu AHS nicht "höhere") zu vermitteln.

D/E
00
19.2.2012, 10:30
Leider ist allerdings (nur 2 Jahre vor dem geplanten Termin)

immer noch völlig unklar, was unter "Angewandter Mathematik" zu verstehen sein wird.

(Die BHS-Mathematikmatura wird übrigens weder so wie die in der AHS gestaltet noch überhaupt einheitlich sein. Es wird 6 verschiedene BHS-Maturen geben -- wenn das Bifie sich endlich zu Musterbeispielen bequemen kann.)

StVO2
00
15.2.2012, 19:01
Bitte nicht übersehen

WEn ein so komplexer Rechner für die Matura erforderlich ist, so ist ein solcher bereits vorher für den Unterricht erforderlich, weshalb ein solcher Rechner nicht der Matura angerechnet werden kann.

D/E
00
16.2.2012, 10:22
Die Verordnung schafft hier insofern Ungerechtigkeiten, als sie Mindeststandards

definiert. D. h. Schüler/innen sind im Vorteil, wenn sie leistungsfähigere Geräte verwenden dürfen. In der aktuellen Form schließt die Verordnung nicht einmal die Nutzung eines Internetzuganges aus!

Außerdem wird die Zeit langsam knapp: Die nächsten Maturanten besuchen bereits die 6. Klasse, müssen also Kaufentscheidungen jetzt treffen. Sollte die VO doch noch überarbeitet werden, bedeutet das eventuell massive finanzielle Belastung für nichts!

soisteshalt
00
18.2.2012, 14:04
Technologieübergangsfrist!

Die ganze Verordnung bis zum Schluss lesen: bis 2018 ist die M-Matura als Übergangsfrist mit herkömmlichen Taschenrechnern gestellt.

Es dürfen aber - wie bisher ja auch schon - alle im Unterricht verwendeten Technologien eingesetzt werden (Internet ist damit sicher nicht gemeint sondern DGS, CAD, CAS, Tabcalc)

Die Technologiefrage betrifft also die derzeitigen 3. Klassen.

D/E
00
19.2.2012, 10:20
Ja aber das ist ja das Problem!

Wo bleibt die Vergleichbarkeit, wenn bessere Geräte einen erheblichen Vorteil bringen!

(Übrigens leidet die Vergleichbarkeit auch, wenn -- wie vorgesehen -- AHS-Maturanten den schriftlichen Teil ihrer Sprachprüfung ohne Wörterbuch ablegen müssen, während für BHS eines zugelassen werden soll. Abgesehen davon, ist der Einsatz gedruckter Wörterbücher an vielen Schulen gar nicht mehr üblich, da Internet-WB ohnehin besser funktionieren.)

StVO2
00
16.2.2012, 13:21
Vorteile sind nie zu vermeiden

Ihr Hinweis auf Vorteile für Schüler mit leistungsfähigeren Rechnern ist zwar richtig, aber nicht entscheidend, da es ähnliche Vorteile schon immer gab (z.B. zu meiner HTL Zeit hatten Schüler aus betuchteren Familien jede Menge Fach- und Tabellenbücher, ich habe alle 5 Jahre mit dem "Friedrich" für das Metallgewerbe, der für Lehrlinge ausgerichtet war, problemlos, wenngleich mit höherem geistigen Aufwand, bestritten.
Der für die Matura vorgesehene, den Mindestanforderungen entsprechende Rechner, wird mit Sicherheit nicht erst zur Matura angeschafft, sondern muss wohl schon im Unterricht verwendet werden.
Wenn die Jugendlichen Designer-Klamotten tragen und das neuest I-Phon haben müssen, so wird auch ein Rechner "drinnen" sein.

D/E
00
16.2.2012, 15:02
Die Argumentation mit iphone etc. ist m. E. nicht zulässig.

Intendiert war eine größere Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Wenn Zusatzwissen, bessere technische Ausstattung und private Hilfe einen deutlichen Unterschied machen, wird das Gegenteil erreicht.

Außerdem schenken diejenigen, die sich die Schule für die Kinder gerade noch so leisten können (Tendenz steigend), ganz sicher keine iphones etc.

Der Entwurf ist schlampig gemacht, wimmelt von Unsicherheiten und geradezu lächerlichen Fehlern.

Ich finde es deprimierend, in einem Schulsystem zu arbeiten, dessen verantwortliche Juristen die gewerkschaftliche Begutachtung als Lektorat brauchen. Es kann ja nicht Aufgabe der Gewerkschaft sein, Schulgesetze zumindest fehlerfrei zu halten.

StVO2
00
16.2.2012, 23:28
Es mag sein,

dass der Entwurf schlampig formuliert ist. Dies hat aber nichts damit zu tun, dass es einfach unmöglich ist, für alle gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Meiner Erfahrung in der HTL nach, gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Qualität der Unterlagen,. die dem Schüler zur Verfügung stehen und dessen Erfolg. Meine Mitschüler, die sofort, nachdem ein Titel eines Buches von einem Lehrer erwähnt wurde, dieses auch sfport zur Verfügung hatten waren eher durchschnittlich, wogegen manche, mit weit weniger Resourcen weit mehr Schulerfolg hatten. Möglicherweise ist dies heute anders, was zu bedauern wäre, in den 60er Jahren kam es eben mehr an den Intellekt, die Zielstrebigkeit und den Fleiß an.

D/E
00
16.2.2012, 15:24
Und ich kann nur wiederholen:

Wer wissen will, warum die AHS-Gewerkschafter/innen den Entwurf so vehement ablehnen, sollte ihre Stellungnahme lesen. Einzelne Abschnitte sind sogar höchst amüsant.

soisteshalt
00
15.2.2012, 14:35
400€?

Ein programmierbrarer TR, der die dort angeführten Forderungen erfüllt kostet doch keine 400€.
Um 400 Euro kauft man sich ein Note/Netbook (wär eh sinnvoller) und kann bestimmtre Freeware Programme installieren, die das auch abdecken.

Carla Sociale
00
15.2.2012, 16:18
Note- bzw. Netbooks sind leider wegen der Schwindelmöglichkeiten für Schularbeiten und Reifeprüfungen ungeeignet.

Die Schüler können für die Lehrer unauffindbare, unerlaubte Informationen verstecken oder per WLAN lokale Netzwerke zum Schwindeln aufbauen. Per SIM-Karte wäre das Internet greifbar, was nicht einmal durch Störsender unterbunden werden dürfte, wie ein Urteil gegen einen Schuldirektor aus Salzburg beweist.

Die anscheinend angedachten TI Nspire CAS bzw. Casio ClassPad 330 kosten derzeit ca. € 140.-, sind aber von Jahr zu Jahr Modelländerungen unterworfen, was nach vier oder fünf/sechs Jahren Oberstufe (bei Repetenten) die Einheitlichkeit der Modelle im Prüfungsjahrgang stören könnte.

Auch stellt sich die Frage, ob die Behörde die Verwendung ganz bestimmter Geräte überhaupt vorschreiben darf.

hcl3
00
15.2.2012, 18:54

nun die behörde darf vorschreiben
--
und tut es zumeist auch

die taschenrechner der neuesten generation rechnen ihre matura fast alleine--
daher sind einige top modelle nicht zugelassen

KUL
03
15.2.2012, 10:00
P.S.

Ich habe einige Maturanten nachhilfemäßig betreut, sowohl in Wien als auch auf dem Land...und der Niveauunterschied ist gewaltig.
Fazit: In Wien kommen zu viele zu einer Matura, auf dem Land zu wenige! Die Gründe aufzuzählen, würde hier zu weit führen.
Das kann durch die Zentralmatura nur besser und gerechter werden.

metalwoman
00
16.2.2012, 11:58

Auf dem Land kommen viele nicht mal in eine höhere Schule, wenn sie nicht einen Top-Notenschnitt haben, die Lehrer sich dafür einsetzen und die Eltern nicht dagegen sind.

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