Budget

Gruppenbesteuerung bringt laut Experten wenig

14. Februar 2012, 11:47

"Eher symbolischer Beitrag" zur Budget-Reparatur

Wien - Die geplanten Einsparungen bei der Gruppenbesteuerung von kumulierten 275 Mio. Euro bis 2016 sehen Experten als zu ehrgeizig gerechnet an. "Das kommt mir relativ hoch vor. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind sehr gering", meinte etwa Steuerexperte Karl Bruckner von Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft BDO Austria zum "WirtschaftsBlatt" (Dienstag). Auch Friedrich Rödler, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei PwC Österreich, hält die Beträge als "etwas optimistisch angesetzt". Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller spricht in den "Salzburger Nachrichten" von einem "eher symbolischen Beitrag" zur Budgetkonsolidierung.

Die Regierung plant eine Einschränkung der Gruppenbesteuerung bei der Verlustabschreibung im Ausland. Der nach österreichischen Vorschriften umgerechnete ausländische Verlust darf künftig maximal in Höhe des im Ausland ermittelten Verlustes abgezogen werden, schreibt BDO Austria in einer Sonderinformation zum Sparpaket. Grundsätzlich können im Rahmen der Gruppenbesteuerung auch Verluste ausländischer Tochtergesellschaften von in Österreich gemeldeten sogenannten "Gruppenträgern" abgesetzt werden. 

Unterschiedliche Berechnungsarten

Allerdings seien bei der Gruppenbesteuerung die steuerlich absetzbaren Auslandsverluste nach österreichischen steuerlichen Gewinnermittlungsvorschriften zu berechnen, was in bestimmten Konstellationen zu höher ausgewiesenen Verlusten führen könne als nach ausländischem Recht - etwa wenn im Ausland bestimmte Zinsen in Zusammenhang mit Beteiligungen im Gegensatz zu Österreich nicht abzugsfähig wären. Derzeit kann dieser höhere Verlust steuerlich geltend gemacht werden. Ab 2012 soll nur mehr der geringere ausländische Verlust von der Steuer absetzbar werden, geht aus BDO-Sonderinformation hervor.

Laut Statistik Austria wurden bei der Einführung der Gruppenbesteuerung im Jahr 2005 ausländische Verluste im Ausmaß von 242 Mio. Euro angemeldet, 2006 waren es schon 487 Mio. Euro und 2007 knapp 500 Mio. Euro. Neuere Zahlen liegen der Statistik nicht vor. Wie sich diese auf die Körperschaftssteuer ausgewirkt habe, könne aber nicht aus den angemeldeten Verlusten geschlossen werden, da die Regelung im Prinzip eine Steuerstundung sei. Sie komme nur zur Anwendung, wenn die Verluste im Ausland nicht verwertbar seien, hieß es aus der Statistik Austria zur APA am Dienstag.

2007 gab es laut den Statistikern 2.072 angemeldete Gruppen - Tendenz steigend, die die Gruppenbesteuerung in Anspruch nahmen. Dahinter standen knapp mehr als 8.100 Unternehmen. Der Anteil der Gruppen an den 113.000 Veranlagungen im Rahmen der Körperschaftssteuer betrug damals 1,8 Prozent, wobei der Anteil an den Gewinnen knapp 38 Prozent betrug.

Dem "WirtschaftsBlatt" zufolge halten sich betroffene Unternehmen, aber auch die IV wie bereits berichtet bedeckt. "Wir kennen das Gesetz noch nicht, aber in irgendeiner Form werden wir jedenfalls zum Kreis der Adressaten zählen", sagte beispielsweise OMV-Unternehmenssprecher Johannes Vetter.

Den "Salzburger Nachrichten" zufolge wird hinter vorgehaltener Hand die geplante Modifikation der Gruppenbesteuerung kritisiert. In der SPÖ nahestehenden Unternehmerkreisen werde von "reiner Optik" gesprochen, denn solche Verlustabgleiche könnten im Rahmen von Doppelbesteuerungsabkommen geregelt werden. Die jetzige Aufweichung sei daher nicht mehr als "Augenauswischerei", ist zu hören. Es sei "darum gegangen, dass das Wort Gruppenbesteuerung irgendwo vorkommt". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 47
1 2
Ohne Gurt im Ionensturm
00
15.2.2012, 10:16

Wie ist das eigentlich bei gewinnen von ausländischen töchtern, wo werden denn die versteuert? Ich nehme an am ausländischen Firmensitz.
D.h. die Steuer fällt im Ausland an und die Verluste holt man sich vom österreichischen Fiskus zurück?

dIdI XYZ
00
15.2.2012, 12:02

Nein. auch die Gewinne werden bis zur Höhe der verrechneten Verluste in Österreich nachversteuert.

Das Prinzip geht so, wenn mein eine ausländische Tochter gründet und diese in den ersten 3 Jahren Verlust erwirtschaftet, kann man diese Verluste in Österreich sofort absetzen. Sobald dann Gewinne erzielt werden, müssen die abgesetzen Verluste nachversteuert werden, bis in Summe der Betrag wieder bei € 0 liegt.

Da Auslandsverluste spätestens bei Liquiditation sowieso abgesetzt werden können, handelt es sich bei der Gruppenbesteuerung "nur" um einen Zinsvorteil für Unternehmen.

Ohne Gurt im Ionensturm
00
15.2.2012, 12:58

Danke.

rari
01
14.2.2012, 20:12
die "RICHTIGEN" Experten !

die kommen erst beim nächsten Sparpaket

Tax the rich!
00
15.2.2012, 09:59
Es sind die FALSCHEN Experten,

die den staus quo bewahren wollen!
Gibt es kein unabhängigiges wissenschaftliches Institut auf der WU, das uns verlässliche Zahlen liefern kann? Was ist mit dem statistischen Zentralamt? Die haben doch sicher gute Rechner!

Sky7
02
14.2.2012, 19:43
Man wird sehen

Ich habe meine Zweifel, wenn ich wieder von einem Experten höre, dass ein Beitrag für Reiche und große Firmen wenig bringt. Da drängt sich immer die Frage auf, wer dafür bezahlt hat.

Bin mal gespannt, wieviel die RAIKA danach zahlt. Wenn bei ein paar hundert Millionen Gewinn wieder nur ein par Euro übrigbleiben, muss man sicher nachbessern.

sawi48
02
15.2.2012, 07:34
@sky

Genau DAS war auch mein erster Gedanke: ich glaube, es war 2007, wo der Raiffeisenkonzern 35.000,00 vom FA z u r ü c k bekommen hat !!

Helmut Schiestl
01
14.2.2012, 17:36
Grundsätzliche Frage

Eine grundsätzliche Frage hätte ich zum Sparpaket. Würde es dieses ohne die Banken- und Wirtschaftskrise auch geben? Ein Freund von mir behauptet das. Ich kann das nicht so recht glauben. Schließlich ist Österreich ja eines der reichsten Länder in der EU. Womit ich nicht in Abrede stellen möchte, dass nicht gespart werden muss, aber doch sicher nicht in diesem Ausmaß. Und wenn schon gespart werden muss, im Sinne des Sparpaktes, warum dann nicht eine Einkommensuntergrenze einziehen. Also z.B. Lohnkürzungen und Nulllohnrunden nur bei den oberen Einkommensschichten etc.

Tax the rich!
00
15.2.2012, 10:03

Soviel ich weiß gibt es diese Untergrenze bei Einkommen. Sie liegt bei 4 000 € ? (netto) pro Monat.

com.spam
00
15.2.2012, 05:54
Weil...

damit nur die getroffen werden könnten die es treffen sollte und das ist halt gleichzeitig das Hauptklientel der PolitikerInnen, die für alles die Hand aufhalten.

Damaskus
00
14.2.2012, 17:03
Alles Augenauswischerei

nur das Abzocken beim kleinen Mann bringt was!

Lechner Franz
 
01
14.2.2012, 15:03
"Augenauswischerei"

Sehr diplomatisch ausgedrückt. Eigentlich bloß die blanke Verhöhnung.

Und das Sparpaket entpuppt sich immer mehr als die reine Mogelpackung. Mich sollte es nicht wundern, wenn der Republik eine neuerliche Herabstufung durch eine Ratingagentur widerfährt.

Tax the rich!
00
15.2.2012, 10:05

Seri beruhigt, die Herabstufung hat Moody s bereits angekündigt. Wegen des Ostengagements unserer Großbanken. Womit Moodys unsere Regierung samt ihrem Sparpaket als Lügenbarone entlarvt hat! Nicht der böse Pensionist oder Beamte hat über die Verhältnisse gelebt, nicht die angeblich ausufernden Sozialausgaben, sondern schlicht und einfach die Gier unserer Banken haben uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind.

byron sully
314
14.2.2012, 14:55

die gruppenbesteuerung gehört nicht ein bißchen reformiert, sondern generell wieder weg.

Standard deviation
00
15.2.2012, 08:53
Das Kind mit dem Bad ausschütten?

Die Einführung der Gruppenbesteuerung hat dem
Wirtschaftsstandort Ö. unzweifelhaft Vorteile
gebracht. 2005 titelte der SPIEGEL:"Österreich - das bessere Deutschland."

Tax the rich!
00
15.2.2012, 10:09

Das war vielleicht die Absicht. Wohin das aber geführt hat, sehen Sie doch selbst: In eine unzumutbare Belastung des Staatshaushaltes, dem Steuereinnahmen und zwar nicht schlecht, entgehen, womit wieder die Belastung auf jeden einzelnen Staatsbürger zurückfällt, der nun vom Sparpaket betroffen ist!

Aguirre74
 
00
15.2.2012, 19:47

Inwiefern entgeht dem Staat dadurch auf Dauer Steuersubstrat?

Aguirre74
 
00
14.2.2012, 21:27

Wieso eigentlich? Im Grunde kann man alles das, was man in der Gruppe macht, auch über Umgründungen machen (nur halt komplizierter). Und wenn man einen Konzern lang papierlt, dann macht er eben Betriebsstätten (statt Tochtergesellschaften) und da können sie einem den Verlustausgleich nicht verbieten. Alles in allem spricht aus Ihnen nur Unkenntnis des Steuerrechts. Zugegebenermaßen bringt diese Maßnahme genau gar nichts. Warum sie nicht endlich die Firmenwertabschreibung gekillt haben, versteh ich nicht.

Ohne Gurt im Ionensturm
00
15.2.2012, 10:18

Wie ist das dann bei einer ausländischen Betriebsstätte, wo fallen da die Steuern an falls gewinn gemacht wird?

Aguirre74
 
00
15.2.2012, 19:45

Gewinne werden im Ausland versteuert, Verluste werden aber kraft eines VwGH Erkenntnisses auch in Österreich zur Verwertung zugelassen (nun § 2 Abs 8 EStG) - jedenfalls bis diese im Ausland mit Gewinnen verrechnet werden können, dann sind die verwerteten Auslandsverluste im Inland nachzuversteuern. Im Grunde ist das genau die Regelung, die auch auf Unternehmensgruppen übertragen wurde.

Dimple
00
14.2.2012, 15:35
generell

wird es nicht spielen

lg
Dimple

Victor Riviéra
22
14.2.2012, 16:08
Gruppenbesteuerung gehört ersatzlos gestrichen

Staatsnahe Betriebe wie OMV könnten es sich dann nicht leisten in Bausch und Bogen Tankstellennetze in Ost- und Südeuropa aufzukaufen, abgesehen von der Kunststoffindustrie. Die kauft wie verrückt, nur um keine Steuern zu zahlen.

Dem Herrn Androsch würde es mit seiner Leobener Geschichte auch nicht anders gehen.

Österreichische Firmen sollten angehalten werden hier in Österreich ihren Standort zu festigen und nicht locker mal hier Arbeitskräfte entlassen um in China oder wo auch immer billiger zu produzieren.

dIdI XYZ
00
15.2.2012, 12:06

wer investiert um steuern zu zahlen ist blöd. (abgesehen von der investition in wertpapiere ...)

bei 25 % steuerlast wird mann doch nicht 100 % ausgeben, damit man 25 % spart.
da ihr posting von unverständnis geprägt ist, möchte ich noch betonen, dass 75 % von dem betrieb bezahlt wird und nur 25 % durch steuerersparnis vom staat "vergütet" werden.

Nichtschweiger
 
41
14.2.2012, 17:02
Ein noch mehr von wirtschaftlichem Unverstand gekennzeichnetes Posting...

....ist selbst hier im Standard selten zu finden!

sawi48
01
15.2.2012, 07:55
@Nichtschweiger

Es gibt aber auch moralische und ethische Aspekte: die ökosoziale Marktwirtschaft (die der Vizekanzler Josef Riegler - ÖVP !! - einführen wollte und sofort abgesägt wurde).

Der Spruch "Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut" ist definitiv falsch ! Und wenn man an die Globalisierung bzw an die unregulierte grenzenlose Marktwirtschaft glaubt (die gerade in diesen Zeiten ad absurdum geführt wurde), dann muß man aber auch "in Zeiten wie diesen" die Konzerne und Banken daran erinnern, daß sie sich auch selbst aus dem Sumpf ziehen müssen und die Verluste nicht vergesellschaftlichen können.

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