Vergangenheitsbewälti­gung auf spanischer Kunstmesse

14. Februar 2012, 11:23
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Eugenio Merino greift mit "Always Franco" Gesellschaftsdebatte über Verbrechen aus der Franco-Diktatur auf - Fünf österreichische Galerien auf ARCO vertreten

Madrid - Die am Mittwoch beginnende Madrider Messe für Zeitgenössische Kunst ARCO (15. bis 19. Februar) könnte in diesem Jahr kaum zeitgenössischer sein. Einige Künstler wie der Spanier Eugenio Merino greifen mit ihren ausgestellten Kunstwerken aktuelle Gesellschaftsdebatten nicht nur auf, sondern werden diese auch noch potenzieren und polemisieren. "Spanien hat seine jüngste Vergangenheit noch längst nicht überwunden, wie derzeit vor allem der Prozess gegen Richter Baltsar Garzon zeigt", erklärt Eugenio Merino der Zeitung "El Mundo" den Grund für sein polemisches Werk "Always Franco".

"Always Franco" zeigt eine lebensgroße Figur des ehemaligen spanischen Diktators Francisco Franco, bekleidet mit seiner braunen Militäruniform und eingezwängt in einer Coca Cola Getränkemaschine. Wie eine gekühlte Coco Cola halte sich auch der spanischer Diktator und sein politisch-gesellschaftliches Erbe frisch in der heutigen Bevölkerung und in den öffentlichen Debatten, versichert Merino. Ein Blick in die spanischen Medien der vergangenen Wochen gibt ihm Recht.

Noch immer präsent

Die Franco-Diktatur ist derzeit so präsent in den spanischen Medien und in den öffentlichen Debatten wie schon lange nicht mehr. Erst war es vor drei Jahren das Gesetz zur historischen Erinnerung der sozialistischen Vorgängerregierung, das zu heftigen Diskussionen in der spanischen Gesellschaft und zu einem Tabubruch in der Politik führte. In anonymen Massengräbern verscharrte Franco-Opfer sollten gesucht, die Opfer offiziell anerkannt und Hinterbliebene vom Staat entschädigt werden. Dagegen haben sich die seit Dezember erneut in Spanien regierenden Konservativen (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy jahrelang ausgesprochen.

Seit zwei Wochen macht nun auch der Prozess gegen den weltberühmten Starrichter Baltasar Garzon die Debatte über die in Spanien bisher ausgebliebene Vergangenheitsbewältigung und die Verbrechen während der Franco-Diktatur (1939-1975) zu einem Dauerbrenner in den Medien. 2009 erklärte sich der als "Tyrannen-Jäger" bekannte Ermittlungsrichter bereit, nach einer Klage mehrerer Opferverbände einige Franco-Verbrechen untersuchen zu lassen. Ein rechtsextremer Verband zeigte den Richter wegen Verstoßes gegen die Amnestiegesetze von 1977 an und der äußerst politisierte Oberste Gerichtshof nahm die Klage sogar an. Nun drohen Garzon, der weltweit für Aufsehen sorgte, als er vor einigen Jahren den ehemaligen chilenischen Diktator Pinochet in London wegen Menschenrechtsverbrechen in Untersuchungshaft nahm, bis zu 30 Jahre Berufsverbot wegen Amtsanmaßung und Rechtsbeugung.

Reduktion der Aussteller

"Es ist kaum zu glauben, aber Franco scheint in Spanien immer noch unantastbar zu sein", sagt Künstler Eugenio Merino, der mit seinem Werk auf der ARCO einen Anstoß zum gesellschaftspolitischen Umdenken geben möchte.

Unterdessen öffnet die Madrider Kunstmesse am Mittwoch ihre Tore mit deutlich weniger Aussteller als zuvor. Schon vergangenes Jahr hatte der neue Direktor Carlos Urroz aus finanziellen Gründen eine deutliche Reduktion der Aussteller erreicht. Ganz nach dem Motto mehr Qualität statt Quantität reduzierte ARCO-Direktor Carlos Urroz die Teilnehmerzahl auf der weltweit publikumsstärksten Kunstmesse auf 158 Galerien aus insgesamt 30 Ländern. Das diesjährige Gastland auf der ARCO sind die Niederlande, die mit 14 Galerien vertreten sind.

Aus Österreich nehmen in diesem Jahr fünf Galerien teil. Die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman präsentiert sich erneut mit Erwin Wurm, während die Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder mit Werken von Michael Budny Aufmerksamkeit ernten will. Auf dem Stand von Georg Kargl wird die Künstlerin Gabi Trinkaus hervorstechen. Die Galerie Ernst Hilger hat Julie Monaco in den Fokus gestellt und die Galerie Krinzinger zeigt unter anderem Werke von Angela de la Cruz. (APA)

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