Eugenio Merino greift mit "Always Franco" Gesellschaftsdebatte über Verbrechen aus der Franco-Diktatur auf - Fünf österreichische Galerien auf ARCO vertreten
Madrid - Die am Mittwoch beginnende Madrider Messe für
Zeitgenössische Kunst ARCO (15. bis 19. Februar) könnte in diesem
Jahr kaum zeitgenössischer sein. Einige Künstler wie der
Spanier Eugenio Merino greifen mit ihren ausgestellten Kunstwerken
aktuelle Gesellschaftsdebatten nicht nur auf, sondern werden diese
auch noch potenzieren und polemisieren. "Spanien hat seine jüngste
Vergangenheit noch längst nicht überwunden, wie derzeit vor allem der
Prozess gegen Richter Baltsar Garzon zeigt", erklärt Eugenio Merino
der Zeitung "El Mundo" den Grund für sein
polemisches Werk "Always Franco".
"Always Franco" zeigt eine lebensgroße Figur des ehemaligen
spanischen Diktators Francisco Franco, bekleidet mit seiner braunen
Militäruniform und eingezwängt in einer Coca Cola Getränkemaschine.
Wie eine gekühlte Coco Cola halte sich auch der spanischer Diktator
und sein politisch-gesellschaftliches Erbe frisch in der heutigen
Bevölkerung und in den öffentlichen Debatten, versichert Merino. Ein
Blick in die spanischen Medien der vergangenen Wochen gibt ihm Recht.
Noch immer präsent
Die Franco-Diktatur ist derzeit so präsent in den spanischen
Medien und in den öffentlichen Debatten wie schon lange nicht mehr.
Erst war es vor drei Jahren das Gesetz zur historischen Erinnerung
der sozialistischen Vorgängerregierung, das zu heftigen Diskussionen
in der spanischen Gesellschaft und zu einem Tabubruch in der Politik
führte. In anonymen Massengräbern verscharrte Franco-Opfer sollten
gesucht, die Opfer offiziell anerkannt und Hinterbliebene vom Staat
entschädigt werden. Dagegen haben sich die seit Dezember erneut in
Spanien regierenden Konservativen (PP) von Ministerpräsident Mariano
Rajoy jahrelang ausgesprochen.
Seit zwei Wochen macht nun auch der Prozess gegen den
weltberühmten Starrichter Baltasar Garzon die Debatte über die in
Spanien bisher ausgebliebene Vergangenheitsbewältigung und die
Verbrechen während der Franco-Diktatur (1939-1975) zu einem
Dauerbrenner in den Medien. 2009 erklärte sich der als
"Tyrannen-Jäger" bekannte Ermittlungsrichter bereit, nach einer Klage
mehrerer Opferverbände einige Franco-Verbrechen untersuchen zu
lassen. Ein rechtsextremer Verband zeigte den Richter wegen Verstoßes
gegen die Amnestiegesetze von 1977 an und der äußerst politisierte
Oberste Gerichtshof nahm die Klage sogar an. Nun drohen Garzon, der
weltweit für Aufsehen sorgte, als er vor einigen Jahren den
ehemaligen chilenischen Diktator Pinochet in London wegen
Menschenrechtsverbrechen in Untersuchungshaft nahm, bis zu 30 Jahre
Berufsverbot wegen Amtsanmaßung und Rechtsbeugung.
Reduktion der Aussteller
"Es ist kaum zu glauben, aber Franco scheint in Spanien immer noch
unantastbar zu sein", sagt Künstler Eugenio Merino, der mit seinem
Werk auf der ARCO einen Anstoß zum gesellschaftspolitischen Umdenken
geben möchte.
Unterdessen öffnet die Madrider Kunstmesse am Mittwoch ihre Tore
mit deutlich weniger Aussteller als zuvor. Schon vergangenes Jahr
hatte der neue Direktor Carlos Urroz aus finanziellen Gründen eine
deutliche Reduktion der Aussteller erreicht. Ganz nach dem Motto mehr
Qualität statt Quantität reduzierte ARCO-Direktor Carlos Urroz die
Teilnehmerzahl auf der weltweit publikumsstärksten Kunstmesse auf 158
Galerien aus insgesamt 30 Ländern. Das diesjährige Gastland auf der
ARCO sind die Niederlande, die mit 14 Galerien vertreten sind.
Aus Österreich nehmen in diesem Jahr fünf Galerien teil. Die
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman präsentiert sich erneut mit Erwin
Wurm, während die Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
mit Werken von Michael Budny Aufmerksamkeit ernten will. Auf dem
Stand von Georg Kargl wird die Künstlerin Gabi Trinkaus
hervorstechen. Die Galerie Ernst Hilger hat Julie Monaco in den Fokus
gestellt und die Galerie Krinzinger zeigt unter anderem Werke von
Angela de la Cruz. (APA)