Ohne Auto (über)leben

Blog15. Februar 2012, 06:15
602 Postings

Eine Userin und ein User erklären mir, warum es nicht schwer ist, auf den eigenen Pkw zu verzichten - zumindest in Wien

Ich verzichte bereits seit Oktober mehr und mehr auf mein Auto. Das fällt mir nicht so schwer wie zu Beginn gedacht. Seitdem ich meinen Blog gestartet habe, melden sich immer wieder UserInnen, die mir von ihrem autofreien Leben berichten. Ich habe bei zwei von ihnen nachgefragt und mir erklären lassen, wie einfach es tatsächlich ist, längere Zeit auf den motorisierten Individualverkehr zu verzichten. Dennoch haben beide UserInnen zugegeben, dass es wohl in Wien einfach ist, auf alternative Fortbewegungsmittel umzusteigen. Vor allem, wenn Wohn- und Arbeitsort nahe beieinander liegen. Ilse Graf und Thomas Fritz im Gespräch:

Warum haben Sie schlussendlich auf das Auto verzichtet?

Graf: Ich habe im April 2000 mein Auto nach einem Unfall auf den Schrottplatz bringen lassen. Während ich auf der Suche nach einem neuen Pkw war, fuhr ich regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Weil das so gut funktionierte, beschloss ich, mir erst dann ein neues Auto zuzulegen, wenn ich der Meinung sein sollte, dass es tatsächlich nicht mehr ohne geht. Der Fall ist nie eingetreten. Nach zwei Jahren hat mein neuer Lebenspartner allerdings wieder ein Auto in die Familie mitgebracht. Das steht aber auch meistens am Parkplatz.

Fritz: Nach meinem Umzug von der Steiermark nach Wien habe ich anfänglich mein Auto behalten. Ich benutzte es allerdings nur ein- bis zweimal pro Monat. Als ich mit meiner Frau über Einsparungen von Fixkosten gesprochen habe, wurde das Auto einfach gestrichen.

Worauf mussten Sie durch das fehlende Auto verzichten?

Graf: Auf nichts. Nur wenn ich meine Freunde im südlichen Niederösterreich besuchen wollte, musste ich mir eine Mitfahrgelegenheit organisieren. Von Liesing in ein Dorf im Bezirk Mödling geht das mit den Öffis nicht so leicht. Auch spontane Fahrten in die Shopping City waren nicht mehr möglich. Darüber war ich aber eigentlich froh. Dadurch habe ich zusätzlich Geld gespart. Meine Töchter mussten auf den "Mama-Taxi-Dienst" verzichten. Sie haben sich aber schnell daran gewöhnt.

Fritz: Ich hätte mir gedacht, dass mir das Auto öfter fehlen wird. Aber man lernt einfach, Ausflüge oder Großeinkäufe besser zu planen. Spontan geht das leider nicht mehr. Aber wenn man drei Tage vorher weiß, wann und wofür man das Auto braucht, dann funktioniert das mit Carsharing problemlos. Und ich kann mir sogar das passende Auto für die Gelegenheit aussuchen.

Haben Sie bereits einmal die Ersparnis errechnet?

Graf: Ich habe mir das noch nie im Detail ausgerechnet. Aber ich brauche keine Jahres- oder Monatskarte für die Öffis, weil mein Arbeitsplatz in Rad- bzw. Gehdistanz liegt. Für Carsharing gebe ich im Monat maximal 100 Euro aus.

Fritz: Die Ersparnis liegt bei mir zwischen 400 und 500 Euro im Monat. Das lässt sich aber sicher nicht mit anderen Fällen vergleichen, da ich zuvor auch noch ein teures Leasingauto hatte. Carsharing nutze ich nur einmal pro Monat. (derStandard.at, 14.2.2012)

Können Sie sich ein autofreies Leben vorstellen? Leben Sie bereits ohne eigenen Pkw? Stammen Sie eventuell aus einer ländlichen Gegend und verzichten ebenfalls auf das Auto? Melden Sie sich bei mir per Mail oder posten Sie im Forum.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Hätte mir gedacht, dass mir das Auto öfter fehlen wird", sagt Thomas Fritz.

Share if you care.