China und Europa unterstreichen in Peking angesichts der Schuldenkrise die Bedeutung einer engeren Kooperation
Peking - China und Europa wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. Zum
Auftakt des EU-China-Gipfels in Peking unterstrichen beide Seiten
die Bedeutung einer engeren Kooperation. Im Mittelpunkt der Beratungen zwischen
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso
mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao in der Großen Halle des Volkes stand die
europäische Schuldenkrise.
"Als zwei große Wirtschaftspartner teilen die Europäische Union und China die
Verantwortung, die Herausforderungen unserer Zeit anzupacken", sagte Van Rompuy.
In einem Kommentar sprach die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua von
einem "Signal an den Rest der Welt, dass sich China und Europa Hand in Hand der
Krise stellen". Die europäische Schuldenkrise hebe die Bedeutung der Kooperation
noch hervor.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte: "Wir stehen vor
gemeinsamen Herausforderungen, und die Welt braucht kooperative und
verantwortliche Partnerschaften, um sie zu bewältigen." Die europäische Seite
will vor allem um Vertrauen werben, dass die Europäer ihre Krise auch meistern
können. Auch gibt es Hoffnung, dass der Gipfel vielleicht klären kann, wie eine
stärkere Beteiligung Chinas an der Stabilisierung der Euro-Zone konkret aussehen
könnte.
China könnte sich am Rettungsschirm beteiligen
Bei dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor knapp zwei Wochen in
Peking hatte Wen Jiabao deutlich gemacht, dass sein Land nicht nur an
Unterstützung über den Internationalen Währungsfonds (IWF) denkt, sondern auch
direkt eine stärkere Beteiligung am europäischen Rettungsschirm EFSF und seinem
Nachfolger ESM erwägt.
Das chinesische Außenministerium unterstrich, dass die Krise in Europa, dem
wichtigsten Absatzmarkt für chinesische Ausfuhren, auch die chinesische
Wirtschaft beeinflusse. Doch komme es vor allem auf die Anstrengungen der
Europäer an, ihre Wirtschaft stabil zu halten. Chinesische Experten dämpften
auch Hoffnungen auf schnelle Hilfe. Die Anlage der chinesischen Devisenreserven
sei im Volk ein heikles Thema. Chinas Regierung müsse deswegen vorsichtig
vorgehen, sagte Xing Hua vom Institut für Internationale Beziehungen in Peking.
Das Treffen holt den ursprünglich im Oktober geplanten Gipfel nach, der wegen
der Schuldenkrise kurzfristig abgesagt werden musste. Weitere Themen des Gipfels
und eines parallel laufenden Treffens von Unternehmensführern beider Seiten sind
der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, die Klagen europäischer Firmen in China
über mangelnden Marktzugang und ungleiche Behandlung.
In den politischen Gesprächen sollte es auch um den Atomstreit mit dem Iran
und den europäischen Ölboykott, die Lage in Syrien, die Entwicklungen nach dem
Machtwechsel in Nordkorea und den Reformen in Birma gehen. Auch wollen sich
beide im Vorfeld des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer
(G20) im Juni in Mexiko abstimmen. (APA)