Olympus-Produkte trotzen dem Bilanzskandal

14. Februar 2012, 10:27
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Aber hochverschuldete Firma noch nicht über den Berg

Ein großer Bilanzskandal hat zwar den Ruf des japanischen Kameraherstellers Olympus bei Investoren erschüttert, aber Kunden halten dem Unternehmen die Treue und kauften im Weihnachtsquartal sogar mehr Kameras und Endoskope als im Vorjahr ein. Dies berichtete Olympus gestern in seiner Neunmonatsbilanz.

Große Erleichterung

Von Anlegern und Kamerafreunden wurde diese Nachricht gleichermaßen mit großer Erleichterung aufgenommen. Denn der gute Absatz lindert die Sorge, dass der im vorigen Herbst aufgedeckte Skandal den 92 Jahre alten Traditionskonzern beerdigen könnte. Olympus musste damals eingestehen, dass das Management erst jahrelang Buchverluste auf Aktienbesitz verheimlicht und dann widerrechtlich durch überteuerte Firmenkäufe vertuscht hatte. Der Aktienkurs stürzte damals um 80 Prozent ab, ein Börsenrausschmiss drohte. Mehrere Vorstandsmitglieder, darunter der Vorsitzende, mussten zurücktreten, im April soll der Rest des Vorstands abgelöst werden.

Doch die Neunmonatsbilanz zeigt, dass wenigstens das operative Geschäft gesund ist. Olympus erwartet zwar für das Ende März zu Ende gehende Finanzjahr 2011 einen Nettoverlust von 32 Mrd. Yen (320 Mio. Euro), aber während andere japanische Elektronikkonzerne wegen Naturkatastrophen und starkem Yen auch herbe Umsatzeinbrüche verkraften müssen, will Olympus die Einnahmen um ein Prozent auf 854 Mrd. Yen (8,5 Mrd. Euro) erhöhen: Die Produkte bleiben beliebt.

Weltmarktführer bei Endoskopen

Bei Endoskopen, zwei Drittel des Umsatzes, ist und bleibt Olympus Weltmarktführer. Denn die Ärzte sorgen sich mehr um gute Sicht bei Magenspiegelungen als um Transparenz der Firmenbilanz. Genauso geht es offenbar Fotografen: Dem Ranking des japanischen Marktforschers BCN zufolge hat Olympus 2011 im Bereich der Systemkameras mit Wechselobjektiven vor seinen großen Rivalen Panasonic und Sony mit 36 Prozent Marktanteil den ersten Platz erstritten. Dieses Jahr wird der Wettbewerb zwar noch härter: Aber Olympus stellte vorige Woche mit der wie eine Spiegelreflexkamera gestalteten digitalen Systemkamera OM-D (E-M5) eine vielfach erwartete Herausforderin vor. "Sie ist eine der am besten aussehenden Kameras, die uns in der letzten Zeit begegnet sind", meinen die Tester von DPreview.com.

Gefahr der Abtrennung

Allerdings hängen über der defizitären Kamerasparte Fragezeichen. Das hochverschuldete Unternehmen sucht einen Retter, der rund eine Mrd. Euro injiziert, ohne das Management zu übernehmen. Ins Gespräch gebracht haben sich Sony und Fujifilm, die ebenfalls Kameras herstellen und ihre Medizintechniksparte erweitern wollen. Sollten sie den Zuschlag erhalten, wächst die Gefahr, dass die Kamerasparte von Olympus abgetrennt wird. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD/Printausgabe, 14.2.2012)

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    Olympus ist noch nicht über den Berg

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